Jakob Abraham Jechiel (Julius) Michalski

Rabbiner, * 12. August 1889 Berlin, † 9. April 1961 Tel Aviv, jüd., ∞ 1919 Bella Hirschmann, kinderlos.

Jakob Abraham Jechiel Michalski war Sohn eines streng orthodoxen Berliner Kaufmanns. Nach dem Abitur besuchte er 1908-1912 das von Esriel Hildesheimer (1820-1899) begründete "Rabbiner-Seminar für das orthodoxe Judentum" und studierte an der Universität Berlin orientalische Sprachen. Ab 1913 studierte er an der Universität Münster Philosophie, wurde 1915 promoviert und legte im selben Jahr das Rabbinerexamen ab. Bereits seit 1913 bis 1919 war er für den "Verein zur Wahrung des überlieferten Judentums in der Provinz Westfalen", zuletzt als Rabbiner mit Sitz in Recklinghausen, für die Betreuung orthodoxer Juden der dortigen Landgemeinden zuständig. 1919 wurde er Bezirksrabbiner in Burgreppach, Unterfranken.

1924 berief ihn die orthodoxe Israelitische Religionsgesellschaft in Karlsruhe als Nachfolger des tödlich verunglückten Sinai Schiffer. Michalski stand mit zwei anderen Talmudgelehrten dem Beth-Din (religiöses Schiedsgericht) vor. Ohne Konflikte verliefen die Verbindungen zur liberalen jüdischen Gemeinde im Wohlfahrtsbund und in der gemeinsamen Schulkommission.

1933 erlitt seine Ehefrau durch einen Schlag während des Tumultes bei der Schaufahrt vom 16. April 1933 eine Fehlgeburt. Nach der Reichspogromnacht wurde Michalski am 10. November 1938 in das KZ Dachau deportiert und dort misshandelt. Unmittelbar nach seiner Entlassung am 16. Dezember emigrierte er in die Niederlande, wohin ihm seine Ehefrau im Februar 1939 folgte. Während des Wartens auf die Überfahrt in die USA erhielten beide die Erlaubnis zur Einreise nach Palästina, wohin sie im Dezember 1939 ausreisten. Seit 1940 bis 1958 stand er der sehr kleinen deutsch-jüdischen orthodoxen Gemeinde in Tel Aviv unter bescheidenen Lebensumständen vor.

Jürgen Schuhladen-Krämer 2014

Quellen

GLA 330/871 (Passakte), 480/966; StadtAK 1/AEST 1238 (Kennkarte); 8/StS 13/492.

Werk

Raschis Einfluss auf Nicolaus von Lyra in der Auslegung der Bücher Leviticus, Numeri und Deuteronomium, Diss. Univ. Münster 1915; zahlreiche Beiträge in "Der Israelit"; Limude `Avraham (Agadische Erklärungen zur Mischna), Bd. 1, Jerusalem 1946, Bd. 2, Jerusalem 1961.

Literatur

Josef Werner: Hakenkreuz und Judenstern. Das Schicksal der Karlsruher Juden im Dritten Reich, Karlsruhe 1988 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 9), Buch zum Download (PDF) (Zugriff am 29. September 2022); Michael Brocke/Julius Carlebach (Hrsg.): Biographisches Handbuch der Rabbiner. Teil 2. Die Rabbiner im Deutschen Reich 1871 - 1945, bearb. von Katrin Nele Jansen unter Mitwirkung von Jörg H. Fehrs und Valentina Wiedner, Bd. 2, München 2009.