Generallandesarchiv Karlsruhe J-Ac E 7.

David Seeligmann (seit 1814 Freiherr von Eichthal)

Bankier, Industrieller, * 15. Februar 1776 Leimen/Rhein-Neckar-Kreis, † 5. Mai 1850 Karlsruhe, jüd., später kath., ∞ Maria Anna Levi, 1 Tochter.

David Seeligmann entstammte der ersten, 1799 in die Kurpfalz eingebürgerten jüdischen Familie. Wie sein Vater Aron Elias, der sich unter anderem als kurpfälzischer Hoffaktor und Königlich Bayerischer Hofbankier einen Namen machte, stieg er in das Bankgeschäft ein. Seit etwa 1797 in Karlsruhe wohnhaft, baute er zusammen mit seinem Schwiegervater Hayum Levi das Bank- und Handelshaus "Seligmann & Co" auf. 1798 kauften die beiden von Markgraf Friedrich und Markgraf Ludwig die Krappfabrik in Grötzingen, deren Produktion sie aus wirtschaftlichen Gründen ab 1815 auf Rübenzucker umstellten. Bereits 1810 war Seeligmann in die vom Schweizer Mechaniker Georg Bodmer 1809 gegründete und in finanzielle Schwierigkeiten geratene Maschinenfabrik in St. Blasien eingestiegen. Mit drei Kompagnons gründete er am 6. November 1810 die Aktiengesellschaft "Societé de St. Blasien oder St. Blasische Gesellschaft", deren Produktionsschwerpunkt auf Spinnmaschinen und Baumwollspinnerei lag. Infolge der Erhebung seines Vaters in den bayerischen Erbadelsstand nannte er sich ab 1814 Freiherr von Eichthal.

Zu Beginn der 1820er-Jahre wurde Seeligmann Alleininhaber sämtlicher St. Blasier Fabrikanlagen, zu denen auch eine Gewehrfabrik sowie ein Eisenhammer- und Schmelzwerk gehörten. Etwa zur gleichen Zeit gingen auch die bis dahin gepachteten Klostergebäude in seinen Besitz über. Rund 800 Arbeiter, darunter etwa 200 Kinder, waren in den Werken beschäftigt. Bis 1840 konnte Seeligmann die Zahl der Spindeln auf 28.000 Stück erhöhen, was 26,5 % des badischen Bestandes entsprach. Die Aufnahme zweier Darlehen zu Beginn der 1840er-Jahre verschlechterte Seeligmanns finanzielle Situation. 1843 verkaufte er daher der badischen Domänenverwaltung das Eisenhammerwerk einschließlich der dazugehörigen Gebäude. Als ihm aber das geforderte Regierungsdarlehen für die Textilfabrik nicht gewährt wurde und er ihren baldigen Konkurs befürchtete, übertrug er das Unternehmen 1845 durch Schenkung an seinen Schwiegersohn, den Karlsruher Bezirksbaumeister Karl Joseph Berckmüller. Berckmüller, der von 1829-1844 in den St. Blasier Werken mitgearbeitet hatte, dann aber infolge der wirtschaftlichen Probleme nach Karlsruhe zurückgekehrt war, konnte die Einstellung des Textilunternehmens 1850/51 sowie seine Zwangsversteigerung 1852 nicht verhindern.

Den um 1797 in Karlsruhe bezogenen Wohnsitz hat Seeligmann zeitlebens nicht aufgegeben. Er war Eigentümer und Bewohner des Hauses Vorderer Zirkel 15 (später in Nr. 13 abgeändert), in dem ab 1844 auch die Familie von Karl Joseph Berckmüller lebte. Nach Seeligmanns Tod ging das Haus als Abfindung in den Besitz des Mediziners Karl Kusel über, den Berckmüller als Aktionär des von ihm neu gebildeten Konsortiums "Spinnerei St. Blasien" hatte gewinnen können.

Katja Förster 2014

Literatur

Wolfram Fischer: Eichthal, David Freiherr von, in: Neue Deutsche Biographie (NDB), 4 (1959), S. 386; Karl Günther: Unternehmer und Bankiers (Leimen). Das Haus Seligmann, in: Jüdische Persönlichkeiten im Kraichgau, hrsg. von Michael Heitz und Bernd Röcker, Heidelberg 2013, S. 261-265; Jacob Toury: Juedische Textilunternehmer in Baden-Wuerttemberg 1683-1938, Tübingen 1984, S. 20-29 (= Schriftenreihe wissenschaftlicher Abhandlungen des Leo-Baeck-Instituts).