Karl Wilhelm Ludwig Friedrich Drais Freiherr von Sauerbronn, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS III 275.

Karl Wilhelm Ludwig Friedrich Drais Freiherr von Sauerbronn

Oberhofrichter, *23. September 1755 Ansbach, †2. Februar 1830 Bruchsal, ev., verh. 1. 1784 mit Ernestine Christine geb. von Kaltenthal, 2. 1801 mit Friederike von Rotberg, mindestens 5 Kinder, darunter der Zweiraderfinder Karl Friedrich Christian Drais.

Drais entstammte einem alten lothringischen Adelsgeschlecht, der Vater wirkte als Geheimrat und Obrist in Ansbach. Nach einem Studium des Staats- und Privatrechts in Altdorf trat Drais 1777 probeweise in badische Dienste und wurde im Jahr darauf zum adeligen Hofrat und Kammerjunker ernannt. Eine Nervenkrankheit veranlasste 1790 seine Versetzung als Obervogt in die Grafschaft Sponheim. 1794 musste er von dort vor den französischen Truppen nach Durlach fliehen, wo er seine Krankheit auskurieren konnte. Als 1797 in Rastatt der Friedenskongress ausgerichtet wurde, erhielt Drais dort die Stelle des Polizeidirektors, 1800 kam er in dieser Funktion nach Karlsruhe. Hier bewirkte er die Gründung einer Krankenkasse, des Instituts für erkrankende Gesellen und Lehrbuben, und er initiierte die Ausbildung angehender Dienstmädchen. Beide Einrichtungen, die nach dem Weggang Drais' nur noch wenige Jahre existierten und erst später unter anderen Namen wieder entstanden, belegen seine Weitsicht.

Neben der Leitung der Polizei war Drais als Mitglied des Rentkammerkollegiums tätig; 1803 kehrte er als Präsident des Hofgerichts nach Rastatt zurück, ab 1806 leitete er die Übernahme und Eingliederung des Breisgaus in den badischen Staat und noch im selben Jahr wurde er zum Oberhofrichter in Bruchsal, ab 1810 in Mannheim, ernannt. Diese Stellung als Präsident des höchsten badischen Gerichts hatte er bis zu seinem Tod inne.

Drais' umfangreiches publizistisches Werk umfasst hauptsächlich juristische, ökonomische und historische Schriften, er versuchte sich aber auch an Gedichten und am Schauspiel. Von der Universität Freiburg wurde er zum Ehrendoktor ernannt, die Städte Mannheim und Durlach verliehen ihm 1827 die Ehrenbürgerwürde.

Max Schlenker 2012

Werk

Geschichte der Regierung und Bildung von Baden unter Karl Friedrich, 2 Bde., Karlsruhe 1818; Epistel an die Stadt Durlach, Mannheim 1827 (http://digital.blb-karlsruhe.de/urn/urn:nbn:de:bsz:31-6028).

Literatur

Friedrich von Weech: Karl Wilhelm Ludwig Friedrich Freiherr Drais von Sauerbronn, in: Badische Biographien, Bd. 1, hrsg. von Friedrich von Weech, Karlsruhe 1881, S. 194-196 https://digital.blb-karlsruhe.de/blbihd/periodical/titleinfo/246264 (Zugriff am 23. Dezember 2020); Festschrift 200 Jahre Badisches Oberhofgericht - Oberlandesgericht Karlsruhe, hrsg. von Dr. Werner Münchbach, Heidelberg 2003, S. 123-127; Friedrich von Weech: Karlsruhe. Geschichte der Stadt und ihrer Verwaltung. I. Bd. 1715-1830, Karlsruhe 1895, S. 250-253, http://digital.blb-karlsruhe.de/blbihd/Drucke/content/titleinfo/264911 (Zugriff am 22. Dezember 2015).