Wilhelm von Baden, undatierter Kupferstich, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS I 525.

Wilhelm von Baden (Baden-Baden)

Markgraf, * 30. Juli 1593 Baden-Baden, † 22. Mai 1677 Baden-Baden, kath., ∞ 1. 1624 Katharina Ursula von Hohenzollern-Hechingen (1610-1640), 2. 1650 Maria Magdalena von Oettingen-Baldern (1619-1688), 7 Söhne und 7 Töchter aus erster Ehe, 3 Töchter und 2 Söhne aus zweiter Ehe.

Wilhelm von Baden war der älteste Sohn von Markgraf Eduard Fortunat von Baden-Baden und dessen Frau Maria von Eicken. Nach dem Tod seines Vaters 1600 kam er bis zur Volljährigkeit unter die Vormundschaft von Graf Salentin von Isenburg und Freiherr Kuno von Winnenberg.

Nach der für die katholische Seite im 30-jährigen Krieg (1618-1648) siegreich ausgegangenen Schlacht bei Wimpfen im Mai 1622 erhielt Wilhelm durch Verfügung des Reichshofrats die seit 1594 von den baden-durlachischen Markgrafen besetzte Markgrafschaft Baden-Baden (Oberbadische Okkupation) zurück. Die folgenden knapp zehn Jahre konnte Wilhelm sein Land ohne größere Konflikte von außen regieren. Diese Zeit war geprägt von der massivsten „Hexenverfolgung“ in der Geschichte der baden-badischen Markgrafschaft. So sind zwischen 1626 und 1631 Prozesse gegen 244 Personen, überwiegend Frauen, aus den Ämtern Kuppenheim/Rastatt, Baden-Baden, Steinbach und Bühl wegen „Hexerei“ belegt. 231 von ihnen wurden verurteilt und hingerichtet.

Außerdem betrieb Wilhelm eine rigorose Politik der Rekatholisierung, bei der seine Untertanen zum alten Glauben zurückkehren oder das Land verlassen mussten. Wichtige Unterstützung erhielt er hierbei durch die Jesuiten und die Kapuziner. Für letztere ließ Wilhelm 1631 in Baden-Baden das Kapuzinerkloster bauen, während er den Jesuiten den Unterricht und die Erziehung des männlichen Nachwuchses übertrug. Die Mädchen wurden ab 1670 in der Schule des Klosters der Nonnen vom Orden des Heiligen Grabes unterrichtet.

Nach der Schlacht von Breitenfeld Ende 1631 musste Wilhelm vor der schwedischen Armee unter General Gustaf Graf Horn fliehen und seine Markgrafschaft verlassen. Die folgenden Jahre hielt er sich im Oberelsass, in Innsbruck und in Luxemburg auf. Durch den Sieg der kaiserlichen Armee bei Nördlingen konnte er 1634 wieder in sein Land zurückkehren, wobei er zusätzlich zeitweise die Regentschaft über die Markgrafschaft Baden-Durlach übertragen bekam.

Wilhelm, der seit 1630 Geheimer Rat des Kaisers war, wurde 1652 zum kaiserlichen Kammerrichter am Reichskammergericht in Speyer ernannt. In seiner Regierungszeit nach dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs bestand seine vornehmliche Aufgabe darin, die durch den Krieg zerrütteten Staatsfinanzen der Markgrafschaft, zu der ab 1666 auch wieder die Nebenlinie Baden-Rodemachern in Luxemburg gehörte, zu sanieren.

Von seinen 19 Kindern überlebten Wilhelm nur vier. Nach seinem Tod wurde er in der Stiftskirche Baden-Baden, der Grablege der Markgrafen von Baden, beigesetzt.

René Gilbert 2017

Literatur

Albert Krieger: Wilhelm (Markgraf von Baden), in: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB) Bd. 42, Leipzig 1897, S. 697-699; Hans-Joachim Köhler: Obrigkeitliche Konfessionsänderung in Kondominaten. Eine Fallstudie über ihre Bedingungen und Methoden am Beispiel der baden-badischen Religionspolitik unter der Regierung Markgraf Wilhelms (1622-1677), Münster 1975.