Philipp I. von Baden, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS I 581.

Philipp I. von Baden (Baden-Baden)

Markgraf, * 6. November 1479, † 17. September 1533, kath., ∞ 1503 Elisabeth von der Pfalz (1483-1522), 4 Söhne, 2 Töchter.

Philipp I. war der Sohn von Markgraf Christoph I. und dessen Frau Ottilie von Katzenelnbogen. Als junger Mann nahm er in französischem Dienst an den Italienischen Kriegen teil und befehligte 1501 eine Hilfsflotte beim Angriff der Venezianer gegen das Osmanische Reich in der Ägäis. Durch seine Heirat mit der Tochter des pfälzischen Kurfürsten Philipp des Aufrichtigen gelangten die Sponheimer Besitzungen wieder an das Haus Baden zurück, die Philipps Großvater Karl I. 1463 nach der Niederlage in der Schlacht bei Seckenheim an den pfälzischen Kurfürsten Friedrich I. (der Siegreiche) hatte abtreten müssen. Bei der 1515 erfolgten Landesteilung wurde Philipp - dem Testament seines Vaters gemäß - das Kerngebiet der "Unteren Markgrafschaft" zugesprochen, während sein jüngerer Bruder Ernst die "Oberen Gebiete", also das neu erworbene Rötteln mit Hachberg-Sausenberg sowie Badenweiler, und sein älterer Bruder Bernhard III. die linksrheinischen Besitzungen erhielt.

Bereits seit 1508 als Statthalter für seinen geistig geschwächten Vater eingesetzt, führte Philipp die Habsburg freundliche Politik seiner Vorgänger im Alten Reich und insbesondere am Oberrhein fort und übernahm 1524-1527 das Amt des kaiserlichen Statthalters im Reichsregiment in Esslingen, später in Speyer. Die bis 1517 in Südwestdeutschland auftretende Bundschuh-Bewegung bzw. die darauf folgenden Bauernaufstände, die auch in Durlach zu gewalttätigen Übergriffen und Plünderungen führten, konnte Philipp mit dem am 25. Mai 1525 abgeschlossenen Ortenauer Vertrag eindämmen, der den Bauern eine finanzielle Entlastung, die Beschränkung des Frondienstes sowie die Mitbestimmung bei der Neuregelung des Jagdrechts und der Waldnutzung zusicherte.

In religionspolitischer Hinsicht nahm Philipp eine tolerante Position ein, war er doch von der Notwendigkeit umfassender Reformen innerhalb der katholischen Kirche überzeugt. So erlaubte er in Baden die Priesterehe und die Herstellung reformatorischer Schriften, wie 1529 in Durlach den Druck eines Teils der Bibelübersetzung nach Martin Luther.

Da er ohne männlichen Nachkommen starb, teilten seine beiden Brüder Ernst und Bernhard seine Besitzungen unter sich auf. Die dabei entstandenen Markgrafschaften Baden-Durlach und Baden-Baden bestanden bis zur Wiedervereinigung 1771 nebeneinander. Philipps Grab befindet sich in der Stiftskirche Baden-Baden.

René Gilbert 2017

Literatur

Albert Krieger: Philipp I., in: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB), Bd. 25, Leipzig 1887, S. 757-759; Gerhard Kattermann: Markgraf Philipp I. von Baden (1515-1533) und sein Kanzler Dr. Hieronymus Veus in der badischen Territorial- und in der deutschen Reichsgeschichte bis zum Sommer 1524, Diss. Freiburg 1935; ders.: Die Kirchenpolitik Markgraf Philipps I. von Baden (1515-1533), Lahr 1936; ders.: Markgraf Philipp I. von Baden als kaiserlicher Statthalter am Reichsregiment zu Eßlingen und Speyer 1524-1528, in: ZGO 1939, S. 360-423; Rainer Brüning: Philipp I., in: Neue Deutsche Biographie (NDB), Bd. 20, Berlin 2001, S. 372; Hansmartin Schwarzmaier: Baden. Dynastie – Land – Staat, Stuttgart 2005, S. 117-119.