Walter Schwerdtfeger, 1947, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 215/34b.

Walter Georg Hermann Schwerdtfeger

Journalist, Stadtrat, * 11. Juli 1901 Berlin, † 19. Juni 1979 Karben/Wetteraukreis, konfessionslos, ∞ 1. 1925 Charlotte Drichel, o|o 1936, 2. 1948 Anna Jooß, 1 Sohn aus erster Ehe, 2 Söhne und 1 Tochter aus zweiter Ehe.

Walter Schwerdtfeger war der Sohn eines Journalisten, von dem sich seine Mutter früh scheiden ließ. Sie heiratete erneut, sodass er eine Schulzeit bedingt durch die beruflichen Stationen seines Stiefvaters in Berlin, Leipzig, Rumänien und Göttingen verbrachte. Nach dem Abitur erhielt Schwerdtfeger sofort eine Stelle beim Göttinger Tagblatt, bei dem er bereits zu Schulzeiten ein Volontariat absolviert hatte. 1922-1927 arbeite er als Wirtschaftsredakteur für die Berliner Börsenzeitung. Daneben baute er sich ein zweites Standbein als freier Journalist für Börsenfragen auf.

Nachdem Schwerdtfeger 1935 zur Berliner Börsenzeitung zurückgekehrt war, wurde er im Juli 1935 verhaftet und im Juli 1936 vom Volksgerichtshof zu einer lebenslangen Zuchthausstrafe und dem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Grund dafür war, dass er die vertraulichen Anweisungen des Propagandaministeriums zur Lenkung der deutschen Presse seit 1933 an ausländische Zeitungen weitergegeben hat. Bis heute gilt Schwerdtfeger als der einzige Journalist, der auf diese Weise gegen die Abschaffung der unabhängigen Presse in Deutschland protestierte.

Schwerdtfeger saß bis Sommer 1944 im Gefängnis Brandenburg-Görden ein, bisweilen in Einzelhaft auf sechs Quadratmetern. Anschließend wurde er nach Süddeutschland verlegt und kam Ende April 1945 aus dem Zuchthaus in Rottenburg am Neckar frei.

Nach seiner Befreiung setzte Schwerdtfeger seine Laufbahn als Journalist fort, zunächst kurzzeitig als Nachrichtensprecher für Radio Stuttgart, bevor er zusammen mit Wilhelm Baur zum 1. März 1946 von den amerikanischen Militärbehörden die Lizenz zur Herausgabe der Badischen Neuesten Nachrichten (BNN) erhielt. Als Chefredakteur zeichnete Schwerdtfeger für zahlreiche Kommentare und Leitartikel, vornehmlich im Bereich allgemeine politische Themen, verantwortlich. Darüber hinaus saß er von 1947-1951 für die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) im Karlsruher Stadtrat und gründete 1947 den W.-S.-Verlag.

1950 wurde Schwerdtfeger mit Vorwürfen konfrontiert, er hätte die Informationen über die Lenkung der deutschen Presse in den 30-er Jahren aus rein finanziellen Motiven weitergegeben. Schwerdtfeger hatte zwar Geld für diese Aktion bekommen, konnte aber dennoch eine einstweilige Verfügung gegen diese Behauptungen erwirken. Ein abschließendes Urteil hierzu wurde nie gefällt. 1955 erhielt er eine Entschädigung für seine Haftzeit und die dadurch erlittenen beruflichen Nachteilen zugesprochen.

1951 verließ Schwerdtfeger mit seiner Frau Karlsruhe, nachdem er seinen Verlag aufgelöst und gegen eine Abfindung als Herausgeber der BNN ausgeschieden war. Er ließ sich in Frankfurt a. M. nieder und arbeitete als freier Schriftsteller. Unter verschiedenen Pseudonymen schrieb er bis 1955 mindestens 60 Frauen-, Piraten-, Abenteuer- und Science-Fiction-Romane. Ab 1955 arbeitete er in der Marketingabteilung der Continentale Verlag- und Werbegesellschaft mbH in Frankfurt a. M. Nach seinem Eintritt in den Ruhestand 1968 verlegte Schwerdtfeger seinen Wohnsitz nach Karben in die Wetterau vor den Toren Frankfurts.

René Gilbert 2015

Quelle

GLA 480/733.

Werk

Ein Journalist wird zum Schweigen gebracht, Bericht des Gefangenen 825/36, in: Walter Uhlmann (Hrsg.): Sterben um zu leben. Politische Gefangene im Zuchthaus Brandenburg-Görden 1933-1945, Köln 1983, S. 26-107; Ninon Radue, Novelle 1947; Die Botschaft des Panergon, Roman 1952; Dennoch kam das Glück, Roman 1953; Korsarenparadies, Roman 1953; Die blutrote Fährte, Roman 1953; Wann sind wir allein?, Roman 1953.

Literatur

Konrad Dussel: Walter Georg Hermann Schwerdtfeger, in: Baden-Württembergische Biographien, Bd. 5, hrsg. von Fred L. Sepaintner, Stuttgart 2013, S. 411-413.