Sabine Heinefetter, um 1840, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS III 617.

Sabine Heinefetter

Kammersängerin (Sopran), * 19. August 1809 Mainz, † 18. November 1872 Achern/Ortenaukreis, jüd., ∞ 1852/53 NN Marquet.

Als älteste von fünf Schwestern einer armen jüdischen Familie begann Sabine Heinefetter ihre Karriere als singendes Mädchen zur Harfe in Gaststätten in Mainz und Frankfurt a. M. Ihr Bühnendebüt gab sie 1824 in Frankfurt in der Oper "Der Mandarin" von Peter Ritter. 1825 folgte der Wechsel an das Hoftheater Kassel, wo sie von Louis Spohr entdeckt wurde, der – angetan von ihrer Stimme – sich um ihre weitere Ausbildung kümmerte. 1829 ging Heinefetter nach Paris, um ihre Sangeskunst bei Davide Banderoli und Giovanni Tadolini zu vervollkommnen. In der Folge feierte sie große Erfolge in italienischen Opern am Théâtre-Italien. 1831 führte sie eine Gastspieltournee durch Deutschland und nach Wien.

1832 gab Heinefetter am Mailänder Teatro della Canobbiana die Adina in der Uraufführung von Gaetanos Donizettis Oper "Der Liebestrank". 1833 sang sie in Danzig die Alaide in Vincenzo Bellinis Oper "Die Fremde" und 1834 am Opernhaus Riga die Rosina in "Der Barbier von Sevilla" von Gioachino Rossini. Nach einem Engagement am Hoftheater Dresden 1835/36 führte Heinefetter ein unstetes Wanderleben und trat in Köln, Frankfurt und Antwerpen auf.

1838-1842 war sie an den Hoftheatern Karlsruhe und Mannheim engagiert. Nach weiteren Stationen in Lüttich und Wiesbaden kam sie 1845 an die Oper Marseille, wo sie ihren Mann, einen Kaufmann, kennen lernte. Ab 1848 zog sich Heinefetter allmählich von der Bühne zurück und beendete 1856 ihre Karriere. Sie besaß eine Stimme von besonders weitem Tonumfang, der es ihr erlaubte, sowohl Sopran- als auch Mezzosopran-Rollen zu singen. Hinzu kam ihre perfekt ausgebildete Gesangstechnik, die sie in Verbindung mit einem ausgeprägten Stilgefühl und einer temperamentvollen Bühnenpräsenz trotz Schwächen in der Aussprache des Italienischen zu einer der besten Darstellerinnen ihrer Zeit machte.

Aufgrund einer sich stetig verschlimmernden Geisteskrankheit kehrte Heinefetter 1872 nach Deutschland zurück und wurde in die Heil- und Pflegeanstalt Illenau eingeliefert, wo sie kurze Zeit später starb.

René Gilbert 2016

Literatur

Joseph Kürschner: Heinefetter, Sabine, in: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB), Bd. 11, Leipzig 1880, S. 364 f.; Wilhelm Kosch (Begr.): Heinefetter, Sabine, in: Deutsches Theater-Lexikon, Bd. 2, Klagenfurt 1960, S. 1363 f.; Thomas Seedorf: Heinefetter, Sabine, in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Personenteil, Bd. 8, 2. neu bearb. Aufl., hrsg. von Ludwig Finscher, Kassel 2002, Spalte 1178; Karl J. Kutsch/Leo Riemens: Großes Sängerlexikon, 4., erw. und aktual. Aufl., Bd. 3: Franc - Kaidanoff, München 2003, S. 2015.