Das Verwaltungsgebäude in Hagsfeld, 1961, Foto aus: Adressbuch 1961, S. 74.

Pfizer GmbH

1849 gründeten die beiden aus Ludwigsburg stammenden und kurz zuvor in die USA ausgewanderten Freunde, Karl Pfizer und Karl Erhart, in Brooklyn/New York das Unternehmen Charles Pfizer & Co. Als gelernte Materialisten, das heißt Hersteller von Drogen und Chemikalien für den Apothekenbedarf, spezialisierten sie sich auf die Produktion von Feinchemikalien. Das Unternehmen, das aufs Engste mit der Erforschung der Fermentation verbunden ist, nahm sogleich eine führende Stellung in der im Entstehen begriffenen chemisch-pharmazeutischen Industrie ein. Mit der Erzeugung von Kalomel, Borsäure, gereinigtem Kampfer und Santonin begann der Aufstieg von Charles Pfizer & Co., die ab 1862 als erste in den USA Weinsteinsäure und ab 1880 die begehrte Zitronensäure, damals noch mit der Zitronenfrucht als Ausgangsstoff, herstellten. 1900 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Mit der 1923 erstmals industriell produzierten Zitronensäure durch Vergärung von Melasse mittels eines speziellen Pilzes begann das US-amerikanische Unternehmen auch international seine Vorrangstellung aufzubauen. Herstellungslizenzen an Firmen in anderen Ländern wurden erstmals vergeben. Ab 1936 nahm Pfizer die industrielle Produktion von Vitaminen, ab 1943 die von Antibiotika (zunächst Penicillin, ab 1949 Terramycin etc.) und ab den 1950er-Jahren die von Hormonen (vor allem Hydrocortison- und Prednisolon-Präparate) auf. Die Erforschung und Entwicklung von Arzneimitteln steht bis heute im Zentrum des weltweit größten forschenden Pharmaunternehmens.

Seit Anfang der 1950er-Jahre wurden Pfizer-Produkte auch in Deutschland in Kooperation mit C. H. Boehringer Sohn in Ingelheim am Rhein hergestellt und vertrieben. Als zu Beginn der 1960er-Jahre die deutsche Pfizer in Karlsruhe-Hagsfeld ihre Deutschlandzentrale eröffnete, umfasste die internationale Pfizer-Organisation insgesamt 40 Tochtergesellschaften (davon 20 mit eigenen Produktions- und Forschungszentren), 18.000 Mitarbeiter und 60.000 Aktionäre. Das Geschäftsvolumen von 1959 lag bei 253,7 Millionen Dollar mit steigender Tendenz. Der Karlsruher Standort vereinte ein großes Verwaltungsgebäude, Laboratorien, Betriebsbauten und Werksanlagen für Energieversorgung, Arzneimittelherstellung und Konfektionierung.

2007, als Pfizer die Verlegung der Deutschlandzentrale von Karlsruhe nach Berlin beschloss, arbeiteten von den weltweit 87.000 Beschäftigten circa 4.500 in Deutschland und davon circa 650 am Karlsruher Standort. Seit dem Umzug 2008 befindet sich in Hagsfeld nur noch das 2004 neu strukturierte und erweiterte Regional Distribution Center (RDC) von Pfizer mit circa 100 Mitarbeitern. Von hier aus werden Großhändler, Apotheken und Tierärzte in Deutschland, Österreich, Dänemark und den Niederlanden mit Pfizer-Medikamenten versorgt. Das Hochregallager des RDC bietet auf rund 15.000 Paletten für etwa 20 Millionen Arzneimittelpackungen Raum.

Katja Förster 2014

Literatur

Die unendlich große Kraft des unendlich Kleinen. 110 Jahre Pfizer, hrsg von Pfizer GmbH Karlsruhe, Karlsruhe [2. Aufl. 1960]; www.pfizer.de (Zugriff am 21. November 2014); Pharmakonzern Pfizer eröffnet Deutschland-Zentrale in Berlin. Der weltgrößte Pharmakonzern Pfizer steuert sein Deutschland-Geschäft seit Donnerstag von Berlin aus, in: kma online vom 10. Oktober 2008, http://www.kma-online.de/nachrichten/wirtschaft/standort-pharmakonzern-pfizer-eroeffnet-deutschland-zentrale-in-berlin___id__14849___view.html (Zugriff am 21. November 2014)