Betriebsbesichtigung bei Rachengold, 1976, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A31/107/4/13A.

Ragolds

Der Bankkaufmann Adolf Speck gründete 1887 die Erste Badische Dampfzuckerwaren- und Drageefabrik, für die 1889 ein Fabrikgebäude auf dem Gelände Humboldtstraße/Ecke Tullastraße errichtet wurde. 1914 verstarb Adolf Speck, 1922 wurde die Firma in eine Aktiengesellschaft unter dem Namen Adolf Speck A. G. umgewandelt. Aufgrund eines verschärften Konkurrenzkampfes setzte die Rheinische Creditbank 1924 Karl Schindler als leitenden Direktor des Unternehmens ein. 1937 übernahm Karl Schindler schließlich auch die Aktien des Unternehmens, das somit in Familienbesitz überging. Nach dem Tod Karl Schindlers 1952 übernahm seine Frau Emy mit den Söhnen die Geschäftsleitung. 1957 wurde die Firma in Rachengold-Werk umbenannt und erhielt zwischen 1962 und 1974 ein neues Fabrikgebäude. 1972 wurde der Betrieb zur GmbH & Co. KG, 1981 erfolgte die Umbenennung in RAGOLDS Rachengold GmbH & Co. KG, zu diesem Zeitpunkt arbeiteten rund 280 Mitarbeiter im Betrieb. 1976 expandierte das Unternehmen in die USA und gründete 1977 Ragolds Inc. in Chicago.

1984 entwickelte RAGOLDS die Granini-Fruchtbonbons. 1986 beschäftigte das Werk circa. 360 Mitarbeiter. 1989 erfolgte erneut eine Umbenennung in RAGOLDS GmbH & Co. 1994 kam das erste gefüllte Halsbonbon mit japanischem Minzöl auf den Markt. RAGOLDS konnte einen enormen Erfolg verbuchen, modernisierte sein Sortiment und bot schließlich als erster Hersteller Bonbons in Rollen an. 1997 umspannte die Produktpalette von RAGOLDS Pfefferminz-, Frucht-, Erfrischungs- sowie Hustenbonbons. Die Kernmarken des Unternehmens waren neben Granini-Fruchtbonbons weiterhin Atemgold, Gletscher Eis und Rachengold.

Ab 2000 plante das Unternehmen Produktionsinnovationen, die Erschließung neuer Märkte, aber auch die Optimierung der Produktionsabläufe sowie eine effizientere Organisation der Verwaltung. Im folgenden Jahr geriet das Unternehmen zunehmend in wirtschaftliche Schwierigkeiten, 2003 entließ RAGOLDS 30 Mitarbeiter, bereinigte das Sortiment weiter und gab den eigenen Außendienst auf. Die Marken Atemgold und Rachengold wurden an den konkurrierenden Süßwarenhersteller Storck veräußert. Ende 2005 wurde RAGOLDS komplett geschlossen und auch die letzten Mitarbeiter entlassen. Die Marken werden weiterhin vertrieben, allerdings nicht mehr aus Karlsruher Produktion. Das Gelände des ehemaligen Betriebes ist in einen Wohnpark mit dem Namen RAGOLDS-Park umgewandelt worden.

Anke Mührenberg 2012

Quellen

StadtAK 1/H-Reg 9539; 75 Jahre Rachengold-Werk 1887-1962, Adolf Speck. 25 Jahre Besitz der Familie Schindler. 10 Jahre Geschäftsleitung Jörg Schindler, Karlsruhe 1962.