Schelling-Architekturstiftung

Dem Wunsch des 1986 verstorbenen Architekten Erich Schelling entsprechend, junge Architekten mit richtungsweisenden Ideen auszuzeichnen, gründete Trude Schelling-Karrer 1992 gemeinsam mit dem Kunsthistoriker, Architekturtheoretiker und Leiter des Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) Heinrich Klotz die Schelling-Architekturstiftung (Eigenschreibweise "Schelling Architekturstiftung"; bis 2009 Erich-Schelling-Architekturstiftung) (Riefstahlstraße 8), die alle zwei Jahre Preise für innovative Architekturkonzepte und für Architekturtheorie vergibt. Der Architekturpreis kann auch für nicht realisierte Entwürfe verliehen werden, deren neuartige Vorstellungen aber die Architekturdiskussion anfachen und die weitere Entwicklung der Architektur beeinflussen.

Zwischen 1992 und 2014 wurden zwölf Architekten und Architektengemeinschaften aus vier Kontinenten mit dem Architekturpreis ausgezeichnet. Von verschiedenen Kulturkreisen geprägt, vertreten sie ganz unterschiedliche Positionen. Das Architektenteam Wang Shu und Lu Wenyu, Preisträger von 2010, kritisiert beispielsweise mit seinem individuellen Werkbegriff die einförmige Architektur der chinesischen Megastädte, die regionale Kulturtraditionen auslöscht.

Außer dem Architekturpreis vergibt das Wahlkuratorium auch einen Architekturtheoriepreis, bildet doch die reflektierende Auseinandersetzung mit Architektur das zentrale Fundament für Entwerfen und Bauen schlechthin. Die bisherigen zwölf Preisträger, zu denen Wolfgang Pehnt, Werner Sewing und Kenneth Frampton zählen, analysieren auf verschiedenen Ebenen und mit unterschiedlichen Fragestellungen und Herangehensweisen Aspekte der Architektur.

Die Vielfalt neuer gestalterischer und theoretischer Konzeptionen veranlasste die Jury bei den Preisvergaben 2004-2010, neben den beiden Hauptpreisen auch einige Medaillen zu vergeben, unter anderen an Uta Hassler und Nikolaus Kohler für ihre wissenschaftliche Beschäftigung mit Fragen der Denkmalpflege und des Lebenszyklus von Gebäuden.

Bis 2010 wurden die Namen der Preis- und Medaillenträger vorab von der Jury bekannt gegeben. Die eigentliche Preisverleihung fand dann im November des Jahres in der legendären, von Erich Schelling entworfenen Schwarzwaldhalle statt. Seit 2012 ist der Vergabemodus für den Architekturpreis ein anderer: Im Sommer vor der Preisverleihung werden drei Architekturbüros nominiert. Die Nominierten stellen dann am Tag der Preisvergabe, die seit 2012 im Tulla-Saal des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), einem Kooperationspartner der Stiftung, stattfindet, ihr zentrales Anliegen in einem Kurzvortrag vor. Anschließend fällt die Jury gemeinsam mit dem bereits bekannten Preisträger für Architekturtheorie die Entscheidung und gibt diese bekannt. Durch dieses Prozedere erhofft sich die Schelling-Architekturstiftung einen länger anhaltenden öffentlichen Architekturdiskurs, in den die drei nominierten Büros gleichermaßen involviert sind.

Katja Förster 2015

Literatur

10 Jahre Erich-Schelling-Architekturstiftung. Erich-Schelling-Architekturpreis 1992-2002, Karlsruhe 2002; 20 Jahre Schelling Architekturpreise. 20 Years Schelling Architecture Awards, Karlsruhe 2012; Schelling Architekturstiftung, http://schelling-architekturpreis.org (Zugriff am 23. September 2015).