Die Hermann-und-Dorothea-Gruppe vor 1896, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVb 203.

Hermann-und-Dorothea-Gruppe

Schlossgarten, westlicher Teil beim Linkenheimer Tor.

Die Hermann-und-Dorothea-Gruppe zählt zu den ersten Arbeiten, die Carl Johann Steinhäuser, seit 1864 Professor für Bildhauerei an der Großherzoglichen Kunstschule, für Karlsruhe ausgeführt hat. Ursprünglich war die Figurengruppe zusammen mit der Orest-und-Pylades-Gruppe für die zwei vorgesehenen Springbrunnen im Ehrenhof des Schlosses projektiert gewesen. Finanzielle Überlegungen bewogen jedoch Großherzog Friedrich I., der beide Skulpturengruppen aus seinem Privatvermögen bezahlte, die Brunnen auf dem inneren Schlossplatz ohne bildhauerischen Schmuck zu gestalten. Für die Hermann-und-Dorothea-Gruppe, mit deren Ausführung in weißem Laaser Marmor Steinhäuser 1864 begonnen hatte, wurde als künftiger Standort eine Felspartie mit Wasserlauf und vorgelagertem Teich nahe des westlichen Schlossgarteneingangs an der Linkenheimer Landstraße festgelegt. Noch im Monat ihrer Fertigstellung, im August 1866, wurde die lebensgroße Gruppe auf dem geschichteten Felsen aufgestellt.

Steinhäuser griff bei der im klassizistischen Stil entworfenen Figurenkomposition den Anfang des achten Gesangs von Johann Wolfgang von Goethes 1797 erschienenem gleichnamigem Epos auf – den Heimweg von Hermann und der als vermeintliche Magd geworbenen Dorothea durch das hohe Kornfeld –, wobei die Stele mit dem bekrönenden Landeswappen die erste Zeile des Gesangs als Inschrift trägt: "Also gingen die zwei entgegen der sinkenden Sonne". Weder die narrativen Details der Komposition noch die Inschrift sind aus der durch die Standortänderung gegebene Entfernung zu erkennen. Im Rahmen der Umgestaltung des Schlossgartens zur Bundesgartenschau wurde 1966 der Wasserfall außer Betrieb gesetzt und der Teich zugeschüttet.

Katja Förster 2014

Literatur

Beatrice Vierneisel: Hermann-und Dorothea-Gruppe im Schloßgarten, in: Gerlinde Brandenburger/Manfred Großkinsky/Gerhard Kabierske/Ursula Merkel/Beatrice Vierneisel: Denkmäler, Brunnen und Freiplastiken in Karlsruhe 1715-1945, 2. Aufl. Karlsruhe 1989, S. 263-266 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 7).