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Neben Schudde und Wedekind übernahmen von Anfang an auch andere Ensemble-Mitglieder wie Rolphe de la Croix, Friedrich Brandburg, Heinrich Wildberg und Erich Weidner Inszenierungen. Als Schudde 1960 an eine Bonner Schauspielbühne wechselte, wurde Wedekind alleiniger Intendant des Hauses. In Kontinuität zur ehemaligen Theaterakademie (1927-1945) gründete dieser im September 1962 die Badische Schauspielbühne Karlsruhe, die zum 1. Januar 1963 unter seiner Leitung den Unterricht aufnahm. Der Lehrkörper der staatlich anerkannten zweijährigen Berufsfachschule setzte sich vor allem aus Ensemble-Mitgliedern zusammen. Wedekind selbst lehrte Ensemble-Unterricht und Pantomime, sein Stellvertreter Friedrich Wacker Regie, Helmuth Reichert Kostümkunde und Bühnenbild, Gudrun Bayer Sprachtechnik und Rezitation und Ludwig Baschang, Marliese Fritz und Karl von Liebezeit das Fach Rollenstudium. Neben dem theoretischen Unterricht sammelten die Schauspieleleven auf der Jugendbühne des Insel-Theaters, auf der pro Spielzeit zwei Stücke für die Gymnasien in Karlsruhe und Umgebung aufgeführt wurden, praktische Erfahrungen. |
Neben Schudde und Wedekind übernahmen von Anfang an auch andere Ensemble-Mitglieder wie Rolphe de la Croix, Friedrich Brandburg, Heinrich Wildberg und Erich Weidner Inszenierungen. Als Schudde 1960 an eine Bonner Schauspielbühne wechselte, wurde Wedekind alleiniger Intendant des Hauses. In Kontinuität zur ehemaligen Theaterakademie (1927-1945) gründete dieser im September 1962 die Badische Schauspielbühne Karlsruhe, die zum 1. Januar 1963 unter seiner Leitung den Unterricht aufnahm. Der Lehrkörper der staatlich anerkannten zweijährigen Berufsfachschule setzte sich vor allem aus Ensemble-Mitgliedern zusammen. Wedekind selbst lehrte Ensemble-Unterricht und Pantomime, sein Stellvertreter Friedrich Wacker Regie, Helmuth Reichert Kostümkunde und Bühnenbild, Gudrun Bayer Sprachtechnik und Rezitation und Ludwig Baschang, Marliese Fritz und Karl von Liebezeit das Fach Rollenstudium. Neben dem theoretischen Unterricht sammelten die Schauspieleleven auf der Jugendbühne des Insel-Theaters, auf der pro Spielzeit zwei Stücke für die Gymnasien in Karlsruhe und Umgebung aufgeführt wurden, praktische Erfahrungen. |
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Mit dem Studio 84 erhielt Die Insel in den 1980er-Jahren eine zweite Spielstätte mit etwa 60 Sitzplätzen, auf der vor allem Kabarett gegeben wurde. Die beiden Bühnen konnten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das älteste Karlsruher Privattheater dringend einer räumlichen Erweiterung und Modernisierung bedurfte, was auch der Gemeinderat 1986/87 einstimmig anerkannte. Nachdem sich ein möglicher Ankauf des Nachbarhauses Wilhelmstraße 16 zur Erweiterung des Theaters als ungeeignet herausgestellt hatte, entschied die Stadt, das ehemalige Kirchengebäude der <lex id="ins-0375">Neuapostolischen Kirche</lex> an der <lex id="top-1485">Karlstraße</lex>, das eigentlich zum Abriss bestimmt war, für 1,9 Millionen Mark zum neuen Insel-Theater umzubauen. Am 13. April 1991 wurde die neue Spielstätte, die im Erdgeschoss über ein Foyer und einen großen Theatersaal, im Obergeschoss über ein Pausenfoyer mit der Insel-Galerie und im Untergeschoss über eine Studiobühne, einen Pausenraum und eine Künstlergarderobe verfügte, mit Goethes Faust I in einer Inszenierung von Werner Wedekind eröffnet. Neben dem modernen und dem schulbegleitenden Theater berücksichtigte Wedekind beim künftigen Spielplan erstmals auch das experimentelle Theater. |
Mit dem Studio 84 erhielt Die Insel in den 1980er-Jahren eine zweite Spielstätte mit etwa 60 Sitzplätzen, auf der vor allem Kabarett gegeben wurde. Die beiden Bühnen konnten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das älteste Karlsruher Privattheater dringend einer räumlichen Erweiterung und Modernisierung bedurfte, was auch der <lex id="ins-1095">Gemeinderat</lex> 1986/87 einstimmig anerkannte. Nachdem sich ein möglicher Ankauf des Nachbarhauses Wilhelmstraße 16 zur Erweiterung des Theaters als ungeeignet herausgestellt hatte, entschied die Stadt, das ehemalige Kirchengebäude der <lex id="ins-0375">Neuapostolischen Kirche</lex> an der <lex id="top-1485">Karlstraße</lex>, das eigentlich zum Abriss bestimmt war, für 1,9 Millionen Mark zum neuen Insel-Theater umzubauen. Am 13. April 1991 wurde die neue Spielstätte, die im Erdgeschoss über ein Foyer und einen großen Theatersaal, im Obergeschoss über ein Pausenfoyer mit der Insel-Galerie und im Untergeschoss über eine Studiobühne, einen Pausenraum und eine Künstlergarderobe verfügte, mit Goethes Faust I in einer Inszenierung von Werner Wedekind eröffnet. Neben dem modernen und dem schulbegleitenden Theater berücksichtigte Wedekind beim künftigen Spielplan erstmals auch das experimentelle Theater. |
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Aufgrund von Einsparungen beschloss 1996 die Stadt, die den Spielbetrieb der Insel zu zwei Dritteln subventionierte, dass das Badische Staatstheater die Spielstätte nach der Spielzeit 1998/99 übernehmen sollte. Nach dem Tod des langjährigen Intendanten Werner Wedekind im Januar 1999 leiteten Michael Wedekind und Thomas Wedekind das Theater bis zu seiner Auflösung im Juni 1999. |
Aufgrund von Einsparungen beschloss 1996 die Stadt, die den Spielbetrieb der Insel zu zwei Dritteln subventionierte, dass das Badische Staatstheater die Spielstätte nach der Spielzeit 1998/99 übernehmen sollte. Nach dem Tod des langjährigen Intendanten Werner Wedekind im Januar 1999 leiteten Michael Wedekind und Thomas Wedekind das Theater bis zu seiner Auflösung im Juni 1999. |
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Version vom 8. Januar 2025, 10:02 Uhr
Die Insel
1951 gründeten der Intendant Erich Schudde (1909-1978) und der Schauspieler Werner Wedekind (1924-1999) das Theater Die Insel. Schudde, von 1935 bis 1947 Schauspieler und 1946/47 auch Spielleiter am Badischen Staatstheater, hatte vier Jahre zuvor die Karlsruher Kammerspiele mitbegründet, eine private Schauspielbühne, die unter seiner Leitung im September 1947 mit dem Theaterstück Leuchtfeuer des US-Amerikaners Robert Ardreys im Bonifatiussaal in der Schillerstraße debütiert hatte. Als er zum Herbst 1948 als Intendant an das Pforzheimer Stadttheater wechselte, wurde der Karlsruher Spielbetrieb eingestellt. Ein literarisch-musikalischer Abend um die Gedichtfolge Der einsame Mensch des österreichischen Dichters Josef Weinheber (1892-1945) auf der neu eröffneten Kammerbühne im Conradin-Kreutzer-Haus in der Wilhelmstraße 14 im November 1950, an dem der junge Wedekind mitwirkte, ließ die Idee einer privaten Bühne wieder aufleben und führte 1951 zur Gründung des Insel-Theaters durch die oben Genannten. Das Debüt fand am 19. Juli 1951 mit der Erstaufführung von Stefan Andres jüngster Tragödie Gottes Utopia (1949) in einer Inszenierung von Schudde im Saal des Munz’schen Konservatoriums in der Waldstraße 79 statt. Schudde spielte dabei den Leutnant Don Pedro und Wedekind einen Wachsoldaten.
Der Fokus der Insel, die sich als Ergänzung zum Badischen Staatstheater mit dessen klassischem Repertoire verstanden wissen wollte, lag auf dem zeitgenössischen Theater. In den nächsten Jahrzehnten wurden größtenteils Bühnenwerke von weitgehend noch unbekannten US-amerikanischen und europäischen Schriftstellern aufgeführt, darunter zahlreiche Dramen. Bei den meisten Produktionen handelte es sich um Erstaufführungen, seltener um Uraufführungen. Gelegentlich wurden aber auch Klassiker wie Friedrich Dürrenmatts Die Physiker, Max Frischs Biedermann und die Brandstifter und Georg Büchners Woyzek gespielt.
Noch 1951 war die Spielstätte in Räumlichkeiten des Badischen Kunstvereins in der Waldstraße 3 verlegt worden. 1955 kehrte das Theater nochmals in den Munzsaal zurück, bevor es 1958 im Conradin-Kreutzer-Haus für über drei Jahrzehnte ein festes Domizil fand. Seit 1962 wurde das Theaterfoyer als ständiger Galerieraum für wechselnde Ausstellungen von regionalen Künstlern genutzt. Die Insel-Galerie bestand bis zur Auflösung des Theaters 1999.
Neben Schudde und Wedekind übernahmen von Anfang an auch andere Ensemble-Mitglieder wie Rolphe de la Croix, Friedrich Brandburg, Heinrich Wildberg und Erich Weidner Inszenierungen. Als Schudde 1960 an eine Bonner Schauspielbühne wechselte, wurde Wedekind alleiniger Intendant des Hauses. In Kontinuität zur ehemaligen Theaterakademie (1927-1945) gründete dieser im September 1962 die Badische Schauspielbühne Karlsruhe, die zum 1. Januar 1963 unter seiner Leitung den Unterricht aufnahm. Der Lehrkörper der staatlich anerkannten zweijährigen Berufsfachschule setzte sich vor allem aus Ensemble-Mitgliedern zusammen. Wedekind selbst lehrte Ensemble-Unterricht und Pantomime, sein Stellvertreter Friedrich Wacker Regie, Helmuth Reichert Kostümkunde und Bühnenbild, Gudrun Bayer Sprachtechnik und Rezitation und Ludwig Baschang, Marliese Fritz und Karl von Liebezeit das Fach Rollenstudium. Neben dem theoretischen Unterricht sammelten die Schauspieleleven auf der Jugendbühne des Insel-Theaters, auf der pro Spielzeit zwei Stücke für die Gymnasien in Karlsruhe und Umgebung aufgeführt wurden, praktische Erfahrungen.
Mit dem Studio 84 erhielt Die Insel in den 1980er-Jahren eine zweite Spielstätte mit etwa 60 Sitzplätzen, auf der vor allem Kabarett gegeben wurde. Die beiden Bühnen konnten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das älteste Karlsruher Privattheater dringend einer räumlichen Erweiterung und Modernisierung bedurfte, was auch der Gemeinderat 1986/87 einstimmig anerkannte. Nachdem sich ein möglicher Ankauf des Nachbarhauses Wilhelmstraße 16 zur Erweiterung des Theaters als ungeeignet herausgestellt hatte, entschied die Stadt, das ehemalige Kirchengebäude der Neuapostolischen Kirche an der Karlstraße, das eigentlich zum Abriss bestimmt war, für 1,9 Millionen Mark zum neuen Insel-Theater umzubauen. Am 13. April 1991 wurde die neue Spielstätte, die im Erdgeschoss über ein Foyer und einen großen Theatersaal, im Obergeschoss über ein Pausenfoyer mit der Insel-Galerie und im Untergeschoss über eine Studiobühne, einen Pausenraum und eine Künstlergarderobe verfügte, mit Goethes Faust I in einer Inszenierung von Werner Wedekind eröffnet. Neben dem modernen und dem schulbegleitenden Theater berücksichtigte Wedekind beim künftigen Spielplan erstmals auch das experimentelle Theater.
Aufgrund von Einsparungen beschloss 1996 die Stadt, die den Spielbetrieb der Insel zu zwei Dritteln subventionierte, dass das Badische Staatstheater die Spielstätte nach der Spielzeit 1998/99 übernehmen sollte. Nach dem Tod des langjährigen Intendanten Werner Wedekind im Januar 1999 leiteten Michael Wedekind und Thomas Wedekind das Theater bis zu seiner Auflösung im Juni 1999.
Seit 2000 ist das Insel-Theater eine Spielstätte des Badischen Staatstheaters, seit der Spielzeit 2011/12 Hauptspielstätte für Kinder- und Jugendproduktionen. Das Gebäude beherbergt heute die Bühne und die Probe- und Büroräume der Sparte JUNGES STAATSTHEATER.
Quellen
GLA 481/453, 467-2/6250; 20 Jahre Theater „Die Insel“. Eine Dokumentation, hrsg. von der Redaktionsgemeinschaft „Die Insel“, Karlsruhe 1971; Badische Neueste Nachrichten (BNN) vom 2. September 1947 (Zur Gründung der „Karlsruher Kammerspiele“); Badische Allgemeine Zeitung vom 16. Juni 1951 (Die Insel – eine neue Karlsruher Bühne) StadtAK 8/Ze; BNN vom 16. September 1962 („Schauspielbühne Karlsruhe“ gegründet); Amtsblatt der Stadt Karlsruhe vom 12. April 1991 (Theater „die insel“ in die Südweststadt umgezogen) und vom 25. September 1999 (Für das „Insel-Ensemble“ fiel der letzte Vorhang).