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De:Lexikon:bio-1148: Unterschied zwischen den Versionen

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Vom Reichskammergericht, seinen Nachwirkungen und seinem Verhältnis zu den heutigen Zentralgerichten, Karlsruhe 1972; Rechtsfindung und Rechtsfortbildung im Spiegel richterlicher Erfahrung, Köln 1975.
Vom Reichskammergericht, seinen Nachwirkungen und seinem Verhältnis zu den heutigen Zentralgerichten, Karlsruhe 1972; Rechtsfindung und Rechtsfortbildung im Spiegel richterlicher Erfahrung, Köln 1975.
==Literatur==
==Literatur==
Roderich Glanzmann: Geleitwort, in: Ehrengabe für Bruno Heusinger, München 1968, S. 9-16; Rudolf Nirk: Dr. phil. Dr. jur. h. c. Bruno Heusinger +, Neue Juristi-sche Wochenschrift 1987, S. 2657; Manfred Flotho: Bruno Heusinger – ein Präsi-dent im Konflikt zwischen Solidarität und Gewissen, in: Justiz im Wandel der Zeit, Festschrift des Oberlandesgerichts Braunschweig, Braunschweig 1989, S. 349-369; Hans-Erhard Müller/Thomas Henne: Bruno Heusinger (1900-1987), Richter, in: Joachim Rückert/Jürgen Vortmann: Niedersächsische Juristen, Göttingen 2003, S. 293-294; Detlev Fischer: Zwischen Göttingen und Karlsruhe, Rechtsgeschichtliche Reminiszenzen und Wechselwirkungen, Jahrbuch der Juristischen Zeitgeschichte, Bd. 23, 2023, S. 65, 72-76.
Roderich Glanzmann: Geleitwort, in: Ehrengabe für Bruno Heusinger, München 1968, S. 9-16; Rudolf Nirk: Dr. phil. Dr. jur. h. c. Bruno Heusinger , Neue Juristische Wochenschrift 1987, S. 2657; Manfred Flotho: Bruno Heusinger – ein Präsident im Konflikt zwischen Solidarität und Gewissen, in: Justiz im Wandel der Zeit, Festschrift des Oberlandesgerichts Braunschweig, Braunschweig 1989, S. 349-369; Hans-Erhard Müller/Thomas Henne: Bruno Heusinger (1900-1987), Richter, in: Joachim Rückert/Jürgen Vortmann: Niedersächsische Juristen, Göttingen 2003, S. 293-294; Detlev Fischer: Zwischen Göttingen und Karlsruhe, Rechtsgeschichtliche Reminiszenzen und Wechselwirkungen, Jahrbuch der Juristischen Zeitgeschichte, Bd. 23, 2023, S. 65, 72-76.

Version vom 24. Januar 2025, 07:46 Uhr


Bruno Heusinger

Jurist, Präsident des Bundesgerichtshofs, * 2. März 1900 Holzminden, † 3. August 1987 Celle, ev., ∞ Sigrid Witte, 1 Tochter, 1 Sohn.

Heusinger wurde als Sohn des Altphilologen Ludwig Heusinger (1864-1924), später Gymnasialdirektor in Helmstedt, geboren. Sein älterer Bruder Adolf, Berufsoffizier, war von 1957 bis 1961 Generalinspekteur der Bundeswehr. Bruno Heusinger wuchs in Holzminden und Helmstedt auf. Nach dem Notabitur trat er im Juni 1917 in das Heer ein; an der Westfront zweifach schwer verwundet, kehrte er nach Ende des Ersten Weltkriegs im Range eines Vizefeldwebels in seine braunschweigische Heimat zurück. Zum Wintersemester 1919 nahm er an der Göttinger Universität das Studium der Geschichte und Germanistik auf. 1922 wurde er mit der preisgekrönten Arbeit „Servitium regis in der deutschen Kaiserzeit. Untersuchungen über die wirtschaftlichen Verhältnisse des deutschen Königtums 900-1250“ summa cum laude zum Doktor der Philosophie promoviert.

Danach begann Heusinger das Studium der Rechtswissenschaften, möglicherweise angeregt durch seine rechtshistorisch geprägte Dissertation. Die ersten Semester absolvierte er in Göttingen, dann in Berlin. 1924 legte er bereits die Erste juristische Staatsprüfung ab. 1927 folgte das Zweite Staatsexamen. Anschließend trat Heusinger in den Justizdienst des Freistaates Braunschweig ein und machte dort eine beispiellose Karriere. Schon 1930 wurde er zum Richter am Oberlandesgericht Braunschweig ernannt. Die nationalsozialistische Landesregierung berief den gerade 33jährigen am 1. Juni 1933 zum Präsidenten des Oberlandesgerichts Braunschweig. Wiederholt kam es zwischen Heusinger und dem NS-Justizminister zu Spannungen, so dass er Ende 1934 als Gerichtspräsident abgelöst und 1935 zum Senatspräsidenten zurückgestuft wurde. Von 1939 bis 1945 war Heusinger Frontoffizier, zuletzt als Major der Reserve.

Nach Kriegsende nahm Heusinger seine Tätigkeit beim Oberlandesgericht Braunschweig wieder auf und wurde 1948 erneut Präsident dieses Gerichts. 1955 folgte die Bestellung zum Präsidenten des Oberlandesgerichts Celle, des größten Oberlandesgerichts in Niedersachsen, 1957 die zum Präsidenten des Niedersächsischen Staatsgerichtshofs. Zum 1. April 1960 wurde er in Nachfolge von Hermann Weinkauff zum Präsidenten des Bundesgerichtshofs berufen. Die ursprünglich für den Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe-Durlach erstellte Dienstvilla, die der in Stuttgart wohnhafte Amtsinhaber Gebhard Müller (1900-1990) nicht in Anspruch nahm, wurde für Heusinger zu seinem Karlsruher Domizil. Er übernahm, wie sein Vorgänger, den Vorsitz im Kartellsenat. Zum 1. April 1968 trat Heusinger in den Ruhestand und kehrte wieder nach Celle zurück.

Heusinger wurde vielfach nicht nur als führender Jurist, sondern auch als Historiker wahrgenommen. So wurde bei der Verleihung des Kulturpreises der Stadt Goslar im Jahre 1963 ausdrücklich hervorgehoben, die Auszeichnung gelte nicht nur dem Juristen, sondern auch dem Historiker. Insbesondere im Bundesgerichtshof haben die vielseitigen Interessen des in Göttingen zum Historiker ausgebildeten Wissenschaftlers ihren rechtshistorischen Niederschlag gefunden. Während seiner Amtszeit ließ er, angeregt von einem Besuch bei seinem Amtskollegen am britischen High Court, die Bildnisse der Präsidenten des Reichsgerichts einschließlich des Reichsoberhandelsgerichts im Erbgroßherzoglichen Palais anbringen. Aus verständlichen Gründen wurde davon abgesehen, auch das Portrait des während der NS-Zeit amtierenden Präsidenten Erwin Bumke (1874-1945) mit einzubeziehen. Mit Heusingers Billigung erwarb der damalige Bibliotheksdirektor Hildebert Kirchner (1920-2012) auch Erinnerungsstücke an das Reichskammergericht.

1975 veröffentlichte Heusinger seine gewichtige Abhandlung „Rechtsfindung und Rechtsfortbildung im Spiegel richterlicher Erfahrung“. Er selbst bezeichnete sie als schlichten Bericht, wie er Rechtsfindung und Rechtsfortbildung erlebt habe. Dieses Werk widmete er der Juristischen Fakultät der Universität Göttingen, die ihm 1962 die juristische Ehrendoktorwürde verliehen hatte. 1966 ernannte ihn die Technische Hochschule (TH) Karlsruhe zum Ehrensenator.

Detlev Fischer 2024

Werk

Vom Reichskammergericht, seinen Nachwirkungen und seinem Verhältnis zu den heutigen Zentralgerichten, Karlsruhe 1972; Rechtsfindung und Rechtsfortbildung im Spiegel richterlicher Erfahrung, Köln 1975.

Literatur

Roderich Glanzmann: Geleitwort, in: Ehrengabe für Bruno Heusinger, München 1968, S. 9-16; Rudolf Nirk: Dr. phil. Dr. jur. h. c. Bruno Heusinger †, Neue Juristische Wochenschrift 1987, S. 2657; Manfred Flotho: Bruno Heusinger – ein Präsident im Konflikt zwischen Solidarität und Gewissen, in: Justiz im Wandel der Zeit, Festschrift des Oberlandesgerichts Braunschweig, Braunschweig 1989, S. 349-369; Hans-Erhard Müller/Thomas Henne: Bruno Heusinger (1900-1987), Richter, in: Joachim Rückert/Jürgen Vortmann: Niedersächsische Juristen, Göttingen 2003, S. 293-294; Detlev Fischer: Zwischen Göttingen und Karlsruhe, Rechtsgeschichtliche Reminiszenzen und Wechselwirkungen, Jahrbuch der Juristischen Zeitgeschichte, Bd. 23, 2023, S. 65, 72-76.