Innenansicht der als provisorisches Lazarett eingerichteten Festhalle 1915, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oVI 470.
Frauen beim Sortieren von Wäschespenden für Soldaten im Versteigerungssaal der Städtischen Pfandleihe, heute Lesesaal des Stadtarchivs, März 1918, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS VI 282.

Erster Weltkrieg

Der Erste Weltkrieg bedeutete einen tiefen Einschnitt in die Entwicklung der Stadt Karlsruhe, denn die kontinuierliche, nur von kurzen Phasen der Stagnation unterbrochene, wirtschaftliche und demographische Aufwärtsentwicklung im Kaiserreich kam zu einem jähen Ende. Die auch hier anfänglich bei Teilen der Bevölkerung vorhandene Kriegsbegeisterung wich schon bald einer Ernüchterung, als sich abzeichnete, dass der Krieg von längerer Dauer sein sollte und sich erste Beeinträchtigungen in der Versorgungslage abzeichneten.

Die Einberufung eines großen Teils der jungen Männer führte dazu, dass seit 1915 zunehmend Frauen in Männerberufen tätig wurden. Im Oktober dieses Jahres kamen die ersten russischen Kriegsgefangenen an, die die Stadt unter anderem für landwirtschaftliche Arbeiten und bei der Lebensmittelverteilung einsetzte.

Am 15. März 1915 wurden die ersten Lebensmittelmarken für Brot und Mehl ausgegeben. Eine ständige Verkaufsstelle richtete sie am 30. Juli in der Kaiserstraße ein, um die Versorgung mit knapp gewordenen Lebensmitteln zu sichern und dem Lebensmittelwucher vorzubeugen. Die Versorgungskrise erreichte 1917/18 ihren Höhepunkt. Dem Rohstoffmangel versuchte man seit dem 31. Juli 1915 durch Beschlagnahmungen von Gegenständen aus Kupfer, Messing und Reinnickel entgegen zu wirken, kaum ein Rohstoff blieb im Laufe des Krieges vor Sammlungen und Beschlagnahmungen ausgespart.

Schon bald nach Kriegsbeginn war Karlsruhe zur Lazarettstadt geworden, am 15. August 1914 trafen die ersten 300 Verwundeten ein, die in Krankenhäuser und verschiedene neu eingerichtete Lazarette gebracht wurden.

Auch die Stadtbevölkerung wurde von den Kriegsereignissen direkt in Mitleidenschaft gezogen. Die für französische Flugzeuge erreichbare Stadt war am 15. Juni 1915, zwei Tage vor ihrem 200-jährigen Gründungsjubiläum, erstmals Ziel eines schweren Luftangriffs, dem weitere folgen sollten. Am Ende des Krieges war Karlsruhe 14 Mal aus der Luft angegriffen worden, wobei 168 Tote zu beklagen waren. Karlsruhe war damit die badische Stadt mit den höchsten Verlusten in der Zivilbevölkerung. Allein der Luftangriff am 22. Juni 1916 hatte die bis dahin unglaublich hohe Zahl von 120 Toten, darunter 71 Kinder, gefordert. Die angreifenden Flugzeuge flogen die Stadt bei diesem bis dahin folgenschwersten Angriff in der kurzen Geschichte des Luftkrieges in großer Höhe an. Bisherige Vermutungen, dass die Piloten mit veralteten Karten flogen, auf denen nur der alte Bahnhof verzeichnet war, konnten durch neuere Forschungen in französischen Archiven nicht bestätigt werden. Sicher ist aber, dass der Angriff ein Vergeltungsangriff für einen deutschen Angriff auf die lothringische Stadt Bar-le-Duc am 1. Juni 1916, dem Himmelfahrtstag, war, der aber nicht gezielt dem Zirkus galt, wie dies von der deutschen Propaganda behauptet wurde.

5.510 Karlsruher und Karlsruherinnen verloren insgesamt in diesem Krieg in der Stadt und an der Front ihr Leben. Die Deutschland mit dem Versailler Vertrag auferlegten Friedensbedingungen trafen die Stadt vor allem durch den Verlust der Garnison und Elsass-Lothringens als wichtigem Abnehmer Karlsruher Produkte.

Ernst Otto Bräunche 2015

Quellen

Chronik der Haupt- und Residenzstadt Karlsruhe für das Jahr 1914-1917. Jg. 30-33. Im Auftrag der städtischen Archivkommission bearbeitet, Karlsruhe 1916-1919; Chronik der Landeshauptstadt Karlsruhe für die Jahre 1918 und 1919. Jge. 34-35. Im Auftrag der Stadtverwaltung bearbeitet, Karlsruhe 1925, http://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/literatur/chronik.de (Zugriff am 29. Juni 2016); Ehrenbuch der Stadt Karlsruhe 1914 - 1918, hrsg. von der Stadt Karlsruhe, Karlsruhe 1930. Siehe Publikationen zum Ersten Weltkrieg, http://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/publikationen-digital (Zugriff am 15. Dezember 2015).

Literatur

Ernst Otto Bräunche: Der Krieg daheim. Zur Einführung, in: Ernst Otto Bräunche/Volker Steck (Hrsg.): Der Krieg daheim. Karlsruhe 1914-1918, Karlsruhe 2014, S. 10-40 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 33); Michael Martin: Luftangriffe auf Karlsruhe im Ersten Weltkrieg, in: Ebenda, S. 170-198.