Fortschrittliche Volkspartei
Die Fortschrittliche Volkspartei wurde im März 1910 als Zusammenschluss der linksliberalen Parteien - Freisinnige Volkspartei, Freisinnige Vereinigung und Deutsche Volkspartei – gegründet. In Baden fand die konstituierende Sitzung am 21. März unter dem Vorsitz von Stadtrat Friedrich Weill statt. Von den knapp 900 Mitgliedern stellten die Demokraten allein 500, die Freisinnigen 300 und die Nationalsozialen 70. Dem geschäftsführenden Vorstand gehörten der Direktor der Humboldt-Oberrealschule Karl Friedrich Heimburger als 1. Vorsitzender, Stadtrat Friedrich Weill als 1. Stellvertreter, Rechtsanwalt Richard Gönner, der schon ein Jahr später den Vorsitz übernahm, als 2. Stellvertreter an. Schriftführer wurde der Lehrer an der Realschule Karlsruhe und spätere badische Minister Hermann Hummel, Schatzmeister Oberinspektor Adolf Reime. Weitere Mitglieder waren Rechtsanwalt Paul Frühauf, Lokomotivführer August Herrmann, Buchhändler Albert Knittel und Stadtrat Ludwig Haas. Die erste Mitgliederversammlung am 16. April bestätigte von diesen Heimburger und Gönner, neu kamen Privatier und Stadtrat Karl Dieber, Versicherungsdirektor Karl von Müller, Revident Alois Scheu, Gymnasialprofessor August Hausrath und Parteisekretär Karl Dees hinzu. In der Partei engagierten sich ähnlich wie bei den Nationalliberalen eher Vertreter des gehobenen Bürgertums.
1911 bekam die Partei bei der Wahl zum Bürgerausschuss, vor der sie verstärkt in Versammlungen um die Wähler warb, von 96 Stadtverordneten 18 und wurde damit drittstärkste Partei. Bei der Reichstagswahl 1912 trat Ludwig Haas als gemeinsamer Kandidat der liberalen Parteien an und setzte sich in der Stichwahl im Wahlkreis Karlsruhe-Bruchsal gegen den Sozialdemokraten Adolf Geck durch. Auch in Karlsruhe lag Haas, allerdings nur knapp, vor Geck. Wegen des Dreiklassenwahlrechts bei der Bürgerausschusswahl und dem Wahlbündnis 1912 sind genaue Aussagen über die Stärke der Partei in Karlsruhe nicht möglich, sie dürfte aber nicht über den Ergebnissen der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) seit 1920 bei maximal 15 % gelegen haben. Die Partei bestand bis 1918, als sie in der DDP aufging.
Quellen
Karlsruher Zeitungen, darunter vor allem Badische Presse vom 22. März 1910 und Karlsruher Tagblatt vom 17. April 1910, https://digital.blb-karlsruhe.de/zeitungen/topic/view/7756828 (Zugriff am 18. Mai 2014).