Literarische Gesellschaft (Scheffelbund)
Die Literarische Gesellschaft (Scheffelbund) Karlsruhe e. V. ist ein literarischer Verein in Karlsruhe, der mit etwa 7.000 Mitgliedern der größte seiner Art in Mitteleuropa ist. Er wurde am 13. September 1924 unter dem Namen Deutscher Scheffel-Bund in Heidelberg gegründet. Erster Vorsitzender war der Heidelberger Germanist Friedrich Panzer. Die Geschäftstelle wurde gleich in Karlsruhe angesiedelt, während als symbolische Vereinssitz bis in die 1930er-Jahre der Hohentwiel, Ort des Romans Ekkehard, gewählt wurde. Geschäftsführer wurde 1925 Reinhold Siegrist, Sohn des Karlsruher Oberbürgermeisters . Ziele des Vereins waren die Nachlasspflege des Schriftstellers Joseph Viktor von Scheffel sowie die Einrichtung eines Scheffel-Archivs, der Aufbau eines deutschen Scheffel-Museums und die Herausgabe von Jahresschriften, die vor allem aus bisher unveröffentlichten Werken Scheffels bestanden. Seit 1928 vergibt der Verein den Scheffel-Preis für die beste Abiturleistung im Fach Deutsch.
1926 zog der Scheffel-Bund um. Zusammen mit dem im selben Jahr eröffneten Scheffel-Museum befand er sich im Bibliotheksbau des Karlsruher Schlosses. 1932 wurden Scheffel-Bund und -Museum ins Haus Solms in der Bismarckstraße 24 verlegt. 1936 erfolgte die thematische Erweiterung des Museums zum Badischen Dichtermuseum. Erstmals fand ein Treffen der Scheffelpreisträger statt. 1939 wurde der Scheffelbund zwangsweise in das Reichswerk Buch und Volk aufgenommen und erhielt den Zusatz "im Reichswerk Buch und Volk".
Nach Kriegsende gelangte man zu der Überzeugung, dass das Betätigungsfeld des Vereins mehr umfassen sollte als lediglich das Andenken Scheffels zu bewahren, so dass es 1946 zur Umbenennung des Vereins in Volksbund für Dichtung (Scheffelbund) kam. 1965 erfolgte der Umzug in die Röntgenstraße 6, wo auch das neu gestaltete Museum, nun Oberrheinisches Dichtermuseum genannt, wiedereröffnet wurde. 1972 benannte sich der Verein nach zunehmender Kritik an der Bezeichnung Volksbund abermals um, diesmal in den noch heute bestehenden Namen.
Seit 1998 ist der Sitz der Literarischen Gesellschaft das Karlsruher Prinz-Max-Palais. Die Einrichtung ist Trägerin des Museums für Literatur am Oberrhein, der Oberrheinischen Bibliothek sowie des Oberrheinischen Literaturarchivs und veranstaltet regelmäßig Lesungen, Vorträge, Kolloquien und Tagungen. 1994 hat das Museum mit der rheinschrift eine eigene Buchreihe begründet. Seit 2002 gibt die Gesellschaft die Literaturzeitschrift allmende heraus, seit 2006 betreut sie den Hermann-Hesse-Literaturpreis.
Quellen
Website der Literarischen Gesellschaft https://web4.karlsruhe.de/Kultur/MLO/ (Zugriff am 16. YSeptember 20224); StadtAK 1/H-Reg 9299, 8/StS 20/506, 523, 1055.
Literatur
Matthias Kußmann: 70 Jahre Literarische Gesellschaft (Scheffelbund) Karlsruhe 1924-1994, Eggingen 1994; Jürgen Oppermann: 100 Jahre Literarische Gesellschaft in Karlsruhe, in: Badische Heimat Heft 2 2024, S. 323-327; Hansgeorg Schmidt-Bergmann (Hrsg.); "Förderer deutscher Kultur" 100 Jahre Literarische Gesellschaft Karlsruhe, Göttingen 2025.