Verleihung des Hermann-Hesse-Preises an Rainer Malkowski, Dieter Kühn und Klaus Stiller im Bürgersaal des Karlsruher Rathauses, links Oberbürgermeister Otto Dullenkopf, rechts der Vorsitzende der Fördergemeinschaft der deutschen Kunst Karlsruhe Prof. Dr. Rudolf Seitz, 1977, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A34/1/1/25.

Hermann-Hesse-Preis

Der Hermann-Hesse-Preis ist ein seit 1957 vergebener Literaturpreis der Stadt Karlsruhe. Gestiftet wurde er 1956 von der Fördergemeinschaft der deutschen Kunst Baden-Württemberg e. V. anlässlich des 80. Geburtstags des in Calw geborenen Schriftstellers und Nobelpreisträgers Hermann Hesse am 2. Juli 1957. Als eine der wenigen deutschen Auszeichnungen dieser Art erfolgte seine Auslobung mit der persönlichen Zustimmung des Namensgebers. Der Preis war zu Beginn mit 10.000 DM dotiert und erhöhte sich bis heute auf 15.000 €. Seit 1977 wird neben dem eigentlichen Hauptpreis ein Förderpreis in Höhe von zurzeit 5.000 € verliehen. Die Vergabe beider Preise obliegt einer Fachjury, die sich aktuell aus drei Personen zusammensetzt.

Obwohl der Hermann-Hesse-Preis von Beginn an als Karlsruher Literaturpreis galt, fanden die ersten beiden Preisverleihungen nicht in Karlsruhe, sondern in Baden-Baden statt. Erst zum 250. Stadtgeburtstag 1965 wurde die Verleihung hierher verlegt. Auch beteiligte sich die Stadt Karlsruhe erst 1968 am Preisgeld bzw. trat als Stifterin bei, wofür sie auf die Vergabe des eigenen städtischen Förderpreises für Literatur verzichtete. 1994 wurde der Preis in eine eigenständige Stiftung (Hermann-Hesse-Literaturpreis) überführt. Weitere Stifter sind gegenwärtig unter anderen die IHK Karlsruhe, die Drogeriemarktkette dm, EnBW sowie mehrere Banken (L-Bank, BB-Bank, BW-Bank, Deutsche Bank, Sparkasse Karlsruhe Ettlingen). Vorstandsvorsitzender der Stiftung ist seit 2006 der Literaturwissenschaftler und Vorsitzende der Literarischen Gesellschaft Karlsruhe Hansgeorg Schmidt-Bergmann.

Die Statuten des Preises sind im Laufe seiner Existenz mehrfach geändert worden. So war zunächst vorgesehen, den Preis im fünfjährigen Turnus zu vergeben. Diese Zeitspanne wurde bereits nach der zweiten Verleihung in einen dreijährigen Rhythmus verkürzt. Seit 1999 wird der Preis alle zwei Jahre vergeben. Ab 1967 bestand die Möglichkeit, neben literarischen auch geisteswissenschaftliche Arbeiten auszuzeichnen, was im Folgejahr mit der Vergabe des Preises an den Schweizer Philosophen Hans Saner und dessen Werk Kants Weg vom Krieg zum Frieden auch geschah. Heute schreiben die Statuten vor, dass der Preis für ein deutschsprachiges, erzählendes, lyrisches oder essayistisches Werk zu verleihen ist.

Erster und heute wohl auch bekanntester Preisträger ist der Schriftsteller Martin Walser, der den Preis für seinen Debütroman Ehen in Philippsburg erhielt. 1984 wurde mit Natascha Wodin erstmals eine Frau ausgezeichnet. Erster Karlsruher Preisträger (Förderpreis) war 1980 Roland Lang, der als Drehbuchautor zahlreicher Folgen für die Fernsehserie über die Schwarzwaldfamilie Faller bekannt ist.

René Gilbert 2015

Quellen

StadtAK 8/ZGS 44; http://www.hermann-hesse-preis.de/stiftung/ (Zugriff am 27.Oktober 2017).

Literatur

Klaus E. R. Lindemann (Hrsg.): Der Hermann-Hesse-Preis. Ein Lesebuch, Karlsruhe 1993; Da die junge Dichtung damit etwas gewinnt. 50 Jahre Hermann-Hesse-Preis. Eine Dokumentation, im Auftrag der Stiftung Hermann Hesse Literaturpreis hrsg. und bearb. von Hansgeorg Schmidt-Bergmann, Karlsruhe 2007.