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Franz Müller


Franz Müller

Kaufmann, Stadtrat, Sportfunktionär, * 29. September 1896 Langenbrücken/Lkr. Karlsruhe, † 17. Dezember 1963 Karlsruhe, kath., ∞ 1919 Ida Theresia Spitz, zwei Kinder.

Franz Müller übernahm 1938 in Karlsruhe-Mühlburg das Schuhgeschäft von Josef Schwarz (1940 nach Gurs deportiert) in der Rheinstraße 12, das 1945 nach der Zerstörung des Hauses durch Luftangriffe als Schuh-Müller in der Rheinstraße 25 firmierte. Werner und Helene Müller führten danach das Geschäft in zweiter Generation fort, als Franz Müller die Karlsruher Hauptstelle der am 7. Oktober 1948 neugegründeten Staatlichen Badisch-württembergischen Sport-Toto GmbH erhielt.

Schon in den 1920er-Jahren war er im Karlsruher Turnverein 1846 (KTV) aktiv und beteiligte sich erfolgreich an etlichen Turnieren. Von 1942 bis 1954 führt er den Verein als Vorsitzender und war maßgeblich an dessen Wiederzulassung durch die US-amerikanischen Besatzungsbehörden 1945 beteiligt.

Als politisch Unbelasteter wurde er am 7. November 1945 als Vorsitzender der Abteilung Sport im Kreisjugendkomitee Karlsruhe eingesetzt und kurze Zeit später auch als Sportbeauftragter des Stadt- und Landkreises Karlsruhe. In dieser Funktion lud er am 1. Dezember 1945 Vertreter der Sportvereine des Kreises Karlsruhe ein, um über die Neuorganisation des Sports, die Zulassung neuer Vereine und die Finanzierung des Jugend- und Sportausschusses über Spiele und Sportveranstaltungen zu sprechen. Zum Jahreswechsel wandte sich Müller, inzwischen auch Sportbeauftragter für ganz Nordbaden, "an alle, die guten Willens sind!" (Der Start 29. Dezember 1945) und betonte, dass es beim Neuanfang des Sports keine Gesellschaftssportarten, keinen Klassenkampf und keinen Wehrerziehungsgedanken mehr geben dürfe. Mit der Gründung des Badischen Sportbundes im März 1946 wurde Müller zu dessen erstem Vorsitzenden gewählt und blieb bis 1960 im Amt. Dadurch wurde Franz Müller die zentrale Person im Karlsruher und nordbadischen Sport in der Nachkriegszeit.

Er gehörte dem Rat der Stadt Karlsruhe zunächst für die Demokratische Volkspartei, dann der Freien Demokratischen Partei Deutschlands (FDP) von Ende 1947 bis Ende 1956, an und war dort Mitglied des 1950 gegründeten Sportausschusses. Außerdem war er im Gewerbeausschuss, Verkehrsausschuss, Werkausschuss, Wohnungsausschuss, Bau- und Vergabeausschuss, Handelsschulausschuss, Kraftfahrzeugbeschaffungsausschuss sowie dem Dienstkleidungsausschuss tätig. Deswegen erhielt Müller, der als "geborener Organisator" und Brückenbauer galt, 1955 die Goldene Plakette der Stadt Karlsruhe, 1956 das Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland.

Ernst Otto Bräunche 2024

Quellen

StadtAK 1/H-Reg 11880, 1/Wi-ko-Amt 5894, Der Start vom 29. Dezember 1945, https://digital.blb-karlsruhe.de/blbz/periodical/pageview/7818396?query=%22Franz%20M%C3%BCller%22 (Zugriff am 8. April 2024).

Literatur

Volker Steck: Sport in Karlsruhe 1945 bis heute, in: Stadtarchiv Karlsruhe (Hrsg.): Sport in Karlsruhe. Von den Anfängen bis heute, Karlsruhe 2006 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 28); https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_M%C3%BCller_(Sportfunktion%C3%A4r,_1886).