Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS III 238.

Ludwig (Louis) Philipp Des Coudres

Maler, Akademiedirektor, * 10. Mai 1820 Kassel, † 23. Dezember 1878 Karlsruhe, ev., ∞ 1858 Elise von Reck, 2 Kinder.

Trotz ausgeprägter Neigung zur Kunst begann Des Coudres zunächst auf Wunsch des Vaters, eines Fabrikanten, ein Architekturstudium am Polytechnikum in Kassel. 1837 wechselte er an die dortige Akademie. Ein Münchner Studienaufenthalt von 1839-1840 führte zur nachhaltigen Auseinandersetzung mit der romantisch-religiösen Kunst der Nazarener. Von 1840/41-1843 lebte und arbeitete er nochmals in Kassel, bevor er gegen Jahresende 1843 nach Rom reiste, wo er mit Unterbrechungen bis zum Spätsommer 1845 blieb. In Rom lernte er mit Peter von Cornelius und Friedrich Overbeck zwei Hauptvertreter der nazarenischen Kunst persönlich kennen. Seine hier entstandenen Arbeiten lassen deutlich den Einfluss ihrer Malerei erkennen. Die Begegnung mit den spätantiken und mittelalterlichen Kunstschätzen führte allerdings zu einer Verunsicherung seines bildnerischen Schaffens. Johann Wilhelm Schirmer, den Des Coudres 1845/46 in Kassel kennen lernte, zerstreute diese Zweifel und verwies ihn an den Düsseldorfer Historien- und Porträtmaler Karl Ferdinand Sohn. Unter dessen Anleitung beschäftigte er sich intensiv mit der Porträtmalerei und gewann bald Sicherheit in der malerisch-naturalistischen Darstellungsweise und Farbbehandlung. In den folgenden Jahren festigte sich in Düsseldorf sein künstlerischer Ruf.

Am 21. Februar 1855 wurde er auf Vorschlag Schirmers vom badischen Prinzregenten Friedrich I. an die am 19. Dezember 1854 eröffnete Kunstschule in Karlsruhe berufen. Zunächst wirkte Des Coudres als Professor der Antikenklasse sowie einer vorbereitenden Mal- und einer Figurenklasse. Nachdem sich der Schulbetrieb deutlich vergrößert hatte, unterrichtete er nur noch Zeichnen nach Antiken. Nach dem Tod Schirmers 1863 wurde Des Coudres die Geschäftsführung der Akademie übertragen. Neben dem Lehrberuf fertigte er zahlreiche kleinformatige Porträts und Genrebilder an. Zu seinen wenigen großformatigen Gemälden gehört die 256 x 295 cm große "Beweinung Christi" von 1861 (Staatliche Kunsthalle Karlsruhe), die unter anderem 1867 auf der Pariser Weltausstellung zu sehen war.

Des Coudres engagierte sich im Badischen Kunstverein (seit 1866 als Vorstand) wie auch in der 1856 gegründeten Allgemeinen Deutschen Kunstgenossenschaft. In dieser wirkte er als Hauptvorstand entscheidend am Entwurf eines für sämtliche deutsche Bundesstaaten geltenden Gesetzes zum Schutz des Urheberrechts an Werken der Literatur und der Kunst mit. Ein Sturz 1864 führte zu einer langwierigen Erkrankung, der er 1878 schließlich erlag. Des Coudres Kunst reicht von den an den Nazarenern orientierten Anfängen bis hin zu einer monumentalen, dem Naturalismus der neueren Historienmalerei verpflichteten religiösen Kunst.

Katja Förster 2014

Quelle

Louis des Coudres: Aus meinem Leben (1867), in: Kunst in Hessen und am Mittelrhein. Schriften der Hessischen Museen, Bd. 18/19, 1979, S. 69-85.

Werk

Des Coudres, Louis, in: mhk. Bestandskatalog der Gemälde des 19. Jahrhunderts. Museumlandschaft Hessen Kassel, http://malerei19jh.museum-kassel.de (Zugriff am 10. Oktober 2014).

Literatur

Ludwig Des Coudres, in: Badische Biographien, Bd. 3, hrsg. von Friedrich von Weech, Karlsruhe 1881, S. 21-23; Hans Peter des Coudres: Ludwig Des Coudres (1820-1878). Maler, in: Lebensbilder aus Kurhessen und Waldeck 1830-1930, Bd. 3, hrsg. von Ingeborg Schnack, Marburg 1942, S. 50-58 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck Bd. 20); Evelyn Lehmann: Louis des Coudres. 15.5.1820-23.12.1878, in: Kunst in Hessen und am Mittelrhein. Schriften der Hessischen Museen, Bd. 18/19, 1979, S. 7-68.