Karl Joseph Obser

Historiker, Archivar, * 16. Januar 1860 Karlsruhe, † 21. Januar 1944 Karlsruhe, kath., 1909 ev., ∞ 1887 Emilie Diemer, 2 Töchter.

Als einziger Sohn des Ingenieurs und Vorstands des Karlsruher Eisenbahnausbesserungswerks, studierte der stark kurzsichtige Karl Joseph Obser nach dem Abitur am Gymnasium Karlsruhe ab 1879 in Heidelberg und München Jura, wechselte aber bald zur Geschichte und Germanistik. 1883 erfolgte die Promotion mit einer Arbeit zur frühmittelalterlichen englischen Kirchengeschichte. Obser erhielt daraufhin eine Stelle als Hilfsarbeiter bei der Badischen Historischen Kommission, wo er an der Herausgabe der politischen Korrespondenz des Großherzogs Karl Friedrich von Baden mitarbeitete, die er bald eigenständig verantwortete. 1885 legte Obser die Lehramtspraktikantenprüfung ab, schlug jedoch nicht die Schullaufbahn ein, sondern wurde 1888 als Archivassessor beim Generallandesarchiv Karlsruhe angenommen und Ordentliches Mitglied der Badischen Historischen Kommission. 1891 erfolgte die Ernennung zum Archivrat, 1905 die zum Geheimen Archivrat.

Mit der Veröffentlichung eines Aufsatzes, der als Antwort auf die vom Karlsruher Geschichtsprofessor Arthur Böhtlingk zuvor geäußerte These von der Anordnung der Rastatter Gesandtenmorde 1799 durch Napoleon gedacht war, löste Obser im Jahr 1894 einen Streit mit Böhtlingk aus. Kern des Anstoßes war, dass Obser in seiner Arbeit Böhtlingk aufforderte, die Quellen korrekter wiederzugeben und statt willkürlicher Unterstellungen vollgültige Beweise vorzulegen. Trotz der mitunter in unsachlicher Weise ausgetragenen Kontroverse hatte dieser Disput auf die berufliche Laufbahn Obsers keine negativen Auswirkungen. Er bekam 1897 die Redaktionsleitung der Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins (ZGO) übertragen, die er bis 1924 innehatte. 1906-1924 wurde er Nachfolger Friedrich von Weechs als Direktor des Generallandesarchivs Karlsruhe. Der Schwerpunkt von Obsers wissenschaftlicher Arbeit lag auf der badischen Geschichte des 18. und frühen 19. Jahrhunderts.

Politisch engagierte sich Obser als erklärter Gegner der Zentrumspartei seit 1902 im Vorstand des nationalliberalen Vereins in Karlsruhe. Darüber hinaus wurde er 1908 zum Vorstandsmitglied des Badischen Kunstvereins, 1910 des Karlsruher Altertumsvereins und 1911 der Badischen Heimat gewählt. Zudem war er Mitglied der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde und des Mannheimer Altertumsvereins. Besondere Wertschätzung erfuhr Obser durch seine 1909 erfolgte Aufnahme in die Heidelberger Akademie der Wissenschaften.

René Gilbert 2015

Quellen

GLA N Obser; Badische Landesbibliothek, Teilnachlass Obser, Unterlagen zur seiner Hebelforschung.

Werk

Wilfrid der Ältere, Bischof von York. Ein Beitrag zur angelsächsischen Geschichte des 7. Jahrhunderts, Diss. Heidelberg 1884; Bonaparte, Jean Debry und der Rastatter Gesandtenmord, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 48 (1894), S. 49-78; Die Obser - Ein Beitrag zur Familiengeschichte, 1911; Politische Korrespondenz Karl Friedrichs von Baden, Bde. 3-6, 1893-1915 (als Hrsg.).

Literatur

Rainer Brüning: Obser, Karl, in: Badische Biographien NF, Bd. V, hrsg. von Fred L. Sepaintner, Stuttgart 2005, S. 220 f.; Manfred Krebs: Nachruf auf Karl Obser in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 96 (1948), S. 1-18.