Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS III 506.

Karl von Grimm

Minister, Kolonialrat, * 2. Februar 1830 Karlsruhe, † 6. April 1898 Karlsruhe, ev., ∞ Johanna Wüster.

Karl von Grimm (auch Carl von Grimm), der Sohn eines Kaufmanns, studierte nach dem Besuch des Gymnasiums in Karlsruhe 1848-1852 Rechtswissenschaften in Heidelberg und Freiburg und schloss das Studium mit der Promotion ab. 1859 ließ er sich in Pforzheim als Rechtsanwalt nieder, zog 1864 nach Mannheim und wurde 1870 Fiskalanwalt für das Großherzogtum Baden.

1869 gewann Grimm für die Nationalliberale Partei bei der Wahl zur Zweiten Kammer des Badischen Landtags den Wahlkreis Mannheim, 1875 den Wahlkreis Offenburg und 1874-1877 war er Mitglied im Reichstag für den Wahlkreis Bretten-Sinsheim. Er nahm an der Beratung der Reichsjustizgesetze großen Anteil und wurde als Vertreter Badens in die Reichsjustizkommission berufen. 1876 ernannte ihn Großherzog Friedrich I. zum Minister des Großherzoglichen Hauses und der Justiz. Er leitete die Neuorganisation der badischen Rechtspflege, die sich aus den Reichsjustizgesetzen ergab, die er mitberaten und -beschlossen hatte.

Nach seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst 1881 unterstützte Grimm besonders die kolonialen Bestrebungen des Deutschen Reiches in Ostafrika und wurde 1884 Mitbegründer der Gesellschaft für Deutsche Kolonisation in Berlin. Grimm gehörte dem Verwaltungsrat der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft an, die sich 1884 zur Verwaltung der dortigen Kolonien gebildet hatte. Zudem war er Mitglied des Kolonialrates und wirkte so bei der Koordinierung der Reichsbehörden in den Kolonien mit. In Karlsruhe gehörte er zunächst dem Vorstand der Gesellschaft für Deutsche Kolonisation an und seit 1887 bis zu seinem Tod war Grimm Vorsitzender der neu gegründeten Deutschen Kolonialgesellschaft in Karlsruhe. Grimm veröffentliche zahlreiche Schriften über die deutschen Kolonien in Ostafrika. Zudem war er Vorstandsmitglied des Vereins badischer Lehrerinnen, trat für den Schutz von Kunstdenkmälern ein und unterstützte dies mit finanziellen Zuwendungen. 1891 wurde Grimm durch Großherzog Friedrich I. der Adelstitel verliehen.

Marco Wagner 2013

Werk

Der wirtschaftliche Wert von Ostafrika. Eine kolonialpolitische Studie, Berlin 1886; Abriß der Kulturgeschichte Ostafrikas, Karlsruhe 1886; Die Pharaonen in Ostafrika, Berlin 1887.

Literatur

E. Kilian: Grimm, Karl von, in: Friedrich von Weech, Albert Krieger (Hrsg.): Badische Biographien, Bd. 5, Heidelberg 1906, S. 220-223, http://digital.blb-karlsruhe.de/blbihd/periodical/pageview/251350 (Zugriff am 23. März 2016); Chronik der Haupt- und Residenzstadt Karlsruhe für das Jahr 1898, 14. Jg., Karlsruhe (1899), S. 92 f, http://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/literatur/chronik/HF_sections/content/ZZmmyiWHszSEyg/10_Dq1_Karl_Chronik_1898.pdf Zugriff am 23. März 2016).