Der Krautkopfbrunnen um 1910, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVb 30.

Krautkopfbrunnen auf dem Gutenbergplatz

Um 1896/97 beschloss die Stadtverwaltung, für die Bevölkerung der südlichen Weststadt auf der südlichen Hälfte der ehemaligen Schießwiese der Karlsruher Schützengesellschaft eine Platzanlage mit Brunnen herzurichten. Die zunächst als Park konzipierte Anlage wurde wegen des 1904 in der Weststadt eingeführten Wochenmarkts als Markplatz mit Marktbrunnen ausgeführt. Mit dem Entwurf der Brunnenanlage auf dem seit 1900 benannten Gutenbergplatz wurde der Architekt Friedrich Ratzel beauftragt. Der Brunnen sollte auf dem nördlichen Platzteil vor der Gutenbergschule platziert werden.

Der Krautkopfbrunnen bestand ursprünglich aus drei übereinander angeordneten Wasserbecken, von denen das untere achteckig und etwa einen Meter tief in den Boden eingelassen war, während das mittlere und das obere eine runde Form mit jeweils 18 vorgeblendeten Stützen aufwiesen. Auf dem oberen Beckenrand bilden neun Putten, die auf den Schultern eine überreiche Girlande aus Blüten und Früchten tragen und zu ihren Füßen markttypische Attribute (Gans, Lamm, Würste, Korb mit Brötchen) zeigen, einen geschlossenen Reigen. Auch der die Anlage bekrönende überdimensionierte kupferne Krautkopf, der auf neun kuppelartig angeordneten Bronzerippen saß und dem Brunnen schon bald seinen Namen gab, wies konkret auf die Funktion des Brunnens als Marktbrunnen hin. Aus dem Krautkopf entsprang das Wasser des Brunnens, das zwischen den Rippen ins obere Becken fiel und von dort über neun wasserspeiende Fischköpfe in das mittlere Becken weitergeleitet wurde; das untere Becken blieb vom fließenden Wasser unberührt, um mit einer glatten Wasserfläche die monumentale Erscheinung des Brunnens noch zu steigern. Am östlichen Rand der Brunnenanlage fügte Ratzel noch einen separaten Laufbrunnen für die Trinkwasserversorgung ein, dessen Mauerwerk er als Postament für einen übergroßen aufgeplusterten Pelikan nutzte.

Der Freitod von Ratzel im Juli 1907 und der Tod von Eugen Mezger im Frühjahr 1908, der für die Bildhauerarbeiten verantwortlich zeichnete, verzögerte die Fertigstellung des Brunnens bis zum Herbst 1908. Im Zweiten Weltkrieg wurden der Krautkopf und die Rippen eingeschmolzen; von 1960-1962 erfolgte ihre Rekonstruktion in Kupfer, wobei der Krautkopf aus statischen Gründen durch ein zusätzliches Metallrohr gestützt wird. 1962 wurde das untere Wasserbecken mit Erde aufgefüllt und bepflanzt, wodurch der Brunnen sein ehemaliges monumentales Erscheinungsbild einbüßte. Der durchgehende Grünbereich um den Brunnen wurde 1971 durch gepflasterte Zugangswege neu gestaltet.

Katja Förster 2014

Literatur

Gerhard Kabierske: Brunnen auf dem Gutenbergplatz, in: Gerlinde Brandenburger/Manfred Großkinsky/Gerhard Kabierske/Ursula Merkel/Beatrice Vierneisel: Denkmäler, Brunnen und Freiplastiken in Karlsruhe 1715-1945, 2. Aufl. Karlsruhe 1989, S. 449-455 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 7); Katja Förster: Märkte und ihre Brunnen in Karlsruhe, in: Katja Förster/Markus Gruber/Matthias Maier: Märkte und ihre Brunnen, Karlsruhe 2011, S. 33-37 (= Häuser- und Baugeschichte. Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe Bd. 11).