Der Hygieia-Brunnen 1909, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVb 267.

Hygieia-Brunnen

Festplatz, vor dem Vierordtbad

Im Herbst 1905 beauftragte der Kunstmaler und Mäzen Wilhelm Klose den Bildhauer Johannes Hirt mit dem Entwurf eines Zierbrunnens, den er seiner Vaterstadt Karlsruhe schenken wollte. Klose legte sowohl den Künstler als auch das ikonografische Programm des Brunnens fest und setzte bei der Stadt seinen zukünftigen Standort vor dem Haupteingang des 1871-1873 nach Plänen von Josef Durm erbauten Vierordtbads durch. Am 8. Juni 1909 wurde der Hygieia-Brunnen offiziell in Betrieb genommen.

Bei dem Brunnen, der nach einem Gipsmodell im Maßstab 1:1 von der Württembergischen Metallwarenfabrik in Geislingen an der Steige in Galvanotechnik hergestellt wurde, handelt es sich um einen mit sieben Figuren versehenen Schalenbrunnen aus Kupfer. Ein mächtiger Schalenfuß mit einem dekorativen Band von wasserspeienden Fischköpfen und reliefierten Tintenfischen trägt eine große Brunnenschale von circa vier Metern Durchmesser, auf deren Rand vier nackte Kindergestalten in verschiedenen Posen als Badende charakterisiert sind. Im Zentrum der Schale erhebt sich ein Postament, auf dem die griechische Göttin der Gesundheit Hygieia steht, nach welcher der Brunnen, der zunächst "Klose-Brunnen" heißen sollte, schon bald benannt wurde. Die Göttin hält in ihrer rechten Hand eine Schlange und in der linken einen Krug, die als Wasserspeier dienen und den zwei auf der breiteren Podesthälfte zu ihren Füßen stehenden Knaben Wasser zum Trinken und zum Baden spenden. Die Göttin zeigt damit die zwei Möglichkeiten der Heilkraft des Wassers auf. Des Weiteren sind am Postament vier Fischreiher und zwölf kleine Fischköpfe als Wasserspeier angebracht, die mit verschieden starken Strahlen die Brunnenschale mit Wasser versorgen, die es ihrerseits über acht breite Öffnungen an das eine Stufe über Bodenniveau angebrachte Brunnenbassin (schwarze Granit-Einfassung, grün-goldener Glasmosaik-Beckenbelag) weitergibt.

Während der kupferne Brunnen, der in seinem pyramidalen Aufbau und der Ikonografie mit der Architektur, dem Bildprogramm und der Funktion des Vierordtbads korrespondiert, nach Behebung der Kriegsschäden wieder dem ursprünglichen Zustand entspricht, wurden in den 1970er- und 1980er-Jahren Farbe und Belag des ebenerdigen Brunnenbeckens sowie das Niveau der Pflasterung um das Becken und diese selbst verändert.

Katja Förster 2014

Literatur

Gerhard Kabierske: Hygieia-Brunnen, in: Gerlinde Brandenburger/Manfred Großkinsky/Gerhard Kabierske/Ursula Merkel/Beatrice Vierneisel: Denkmäler, Brunnen und Freiplastiken in Karlsruhe 1715-1945, 2. Aufl. Karlsruhe 1989, S. 460-465 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 7).