Carl Ludwig Daler

Stadtverrechner, Oberbürgermeister, * 13. Mai 1797 Karlsruhe, † 13. Mai 1870 Karlsruhe, ev., ledig.

Der Sohn des Durlacher Stadtverrechners begann als Steuereinnehmer und versah dann ab 1823 die Stelle als Stadtverrechner in Karlsruhe. 1847/48 wurde diese Tätigkeit für kurze Zeit unterbrochen durch seine Wahl zum Oberbürgermeister der Stadt. Die jahrzehntelange Kontinuität in der Abfolge städtischer Eliten an der Spitze der Kommunalverwaltung war nach dem Rücktritt der Oberbürgermeister Christian Karl Füeßlin und August Klose 1847 und vor dem Hintergrund sich zuspitzender Auseinandersetzungen zwischen gemäßigten und radikalen Liberalen ins Wanken geraten. Neben dem neu gewählten Gemeinderat war Daler in dieser instabilen Situation am 8. Oktober 1847 in das Amt des Oberbürgermeisters gewählt worden. Daler dachte und handelte zweifelsohne gemäßigt und großherzogsloyal und schloss sich auch dem am 12. April 1848 gegründeten konstitutionell-liberalen Vaterlandsverein an. Er rief zur Bildung einer gesetzestreuen Bürgerwehr am 29. Februar 1848 gegen erwartete revolutionäre Straßentumulte auf. Sie sorgte für die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung, wofür Daler das Ritterkreuz vom Zähringer Löwen erhielt. Gleichwohl war er in seinen Handlungen nicht konsequent. Bei der im Mai 1848 in der lokalen Karlsruher Presse geführten Kampagne der gemäßigten Liberalen gegen einen "Radikalen" im Gemeinderat positionierte er sich nicht eindeutig. Da er dem Konflikt nicht gewachsen war, erklärte er am 26. Mai 1848 seinen Rücktritt. Danach konnte Daler bis zu seinem altersbedingten Ausscheiden 1869 wieder als Stadtverrechner wirken. Sein Nachfolger als Oberbürgermeister wurde Jakob Malsch.

Daler war als Stadtverrechner sehr erfolgreich und bewältigte die in dieser Zeit durch viele zusätzliche städtische Kassen (Konten) immer komplexer gewordene Rechnungsführung. Während seiner langen Amtszeit gelang es ihm, den hohen Schuldenstand der Stadt fast vollständig abzubauen. Dieser betrug 1830 noch 700.000 und 1860 nur noch 40.000 Gulden.

Jürgen Schuhladen-Krämer 2014

Literatur

Friedrich von Weech: Karlsruhe. Geschichte der Stadt und ihrer Verwaltung. II. Bd., Karlsruhe 1898, passim, insbesondere S. 96 ff. und 194 ff. http://digital.blb-karlsruhe.de/blbihd/Drucke/content/titleinfo/264911 (Zugriff am 22. Dezember 2015); Gerhard Seiler: Änderungen in der kommunalen Finanzautonomie - Beispiel Karlsruhe, in: Bernhard Kirchgässner, Jörg Schadt (Hg.): Kommunale Selbstverwaltung - Idee und Wirklichkeit. Sigmaringen 1983, S. 60-111; Susanne Asche: Residenzstadt - Bürgerstadt - Großstadt. Auf dem Weg von der Residenz zum Industrie- und Verwaltungszentrum 1806-1914, in: Karlsruhe. Die Stadtgeschichte, Karlsruhe 1998, S. 270-292.