Die Carlsruher Bürgerwehr, Lithographie von Fr. Reichel, erschienen bei C. F. Müller 1848, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS VIIb 8.
Empfang Großherzog Leopolds durch die Karlsruher Bürgerwehr am 18. August 1849, Aquarell von Louis Hoffmeister, Stadtmuseum Karlsruhe.

Bürgerwehr 1848/49

Die Bürgerwehr wurde am 29. Februar 1848 noch vor Beginn der Revolution 1848/49 als Abwehrorganisation gegen aufgrund der Februarrevolution in Frankreich auch in Karlsruhe befürchtete revolutionäre Aktivitäten gegründet. Sie bekam noch am selben Abend die notwendigen Gewehre aus dem Zeughaus. Zunächst übernahmen Schützen und Feuerwehrmänner den Patrouillen- und Wachdienst in der in sieben, später acht Bezirke eingeteilten Stadt. Sie zogen am 1. März in die Hauptwache am Rathaus und die Wache am Ettlinger Tor ein. Am selben Tag drängten sie gemeinsam mit einem Dragonerregiment die Menschenmenge ab, die zum Schloss strömte, um dort Großherzog Leopold ihre vorher im Ständehaus erhobenen Forderungen zu überbringen.

Im Laufe des Aprils 1848 organisierte sie sich aufgrund des landesweiten Bürgerwehrgesetzes vom 28. März in ihrer endgültigen Form. Die rund 2.000 Mann waren in 14 Fähnlein oder Kompagnien, neun der eigentlichen Bürgerwehr, drei der Feuerwehr und zwei der Scharfschützen, mit einer Regelstärke von 120 Mann eingeteilt. Anführer waren Oberbaurat Karl Bader, der Grundherr Sigmund von Gemmingen, Major Friedrich von Boeckh und Hauptmann Konrad Rudolf von Schäffer. Am 19. Mai schließlich wurde Oberst Konrad Gerber, der am 11. November 1849 die Karlsruher Ehrenbürgerrechte erhielt, zum Kommandanten gewählt. Seit April 1848 gehörten die Bürgerwehrleute zum Straßenbild, seit August auch in einer einheitlichen Uniform, deren Kosten die Bürgerwehrmänner selbst tragen mussten. Großherzog Leopold verlieh der Bürgerwehr am 8. Oktober auch offizielle Fahnen und honorierte damit ein erstes Mal deren monarchietreue Haltung.

Nach der Beruhigung der Lage im Spätjahr 1848 – eine ernsthafte Bewährungsprobe war der Karlsruher Bürgerwehr erspart geblieben – rückte sie am 12. April 1849 wieder zu einer Musterung aus. Mit den in Karlsruhe stationierten Soldaten wurde die Bürgerwehr am 13. Mai auf die Reichsverfassung vereidigt. Auch während der nun folgenden revolutionären Ereignisse behielt sie ihre Großherzogstreue bei und war auch beim Zeughaus in Kämpfe mit den revolutionären Truppen verwickelt. Ihrer Entwaffnung durch den revolutionären Landesausschuss der Volksvereine widersetzte sie sich erfolgreich.

So wurde die Karlsruher Bürgerwehr nach der Niederschlagung der Revolution auch nicht aufgelöst und blieb nach einer Reorganisation Ende Juli weiter bestehen, neben Sipplingen die einzige in Baden. Sie durfte an den Feierlichkeiten teilnehmen, mit denen Großherzog Leopold am 18. August 1849 wieder in seine Residenz einzog. Am 4. September 1849 wurde ihr eine weitere besondere Ehre zuteil, als Großherzog Leopold anordnete, dass den vier Bannern der Bürgerwehr künftig dieselben Ehrenbezeigungen zuteil werden sollten wie den großherzoglichen Fahnen.

Bei den Trauerfeierlichkeiten für Großherzog Leopold im April 1852 trat die Bürgerwehr letztmals öffentlich auf. Bald darauf löste sie sich auf, da sie die mit der Reorganisation der Badischen Armee verbundene sukzessive Einführung der allgemeinen Wehr- und Dienstpflicht überflüssig machte.

Ernst Otto Bräunche 2015

Literatur

Ernst Otto Bräunche: Karlsruhe im Vormärz und in der Revolution 1848/49, in: Karlsruher Beiträge Bd. 6, Karlsruhe 1991, S. 107-125; Rainer Gutjahr: Die Karlsruher Bürgerwehr, in: ders. (Hrsg.): Eduard Koelle. Drei Tage der Karlsruher Bürgerwehr 1849, Karlsruhe 1999, S. 14-25 (= Forschungen und Quellen zur Stadtgeschichte. Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe Bd. 5).