Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS III 1994.

Hans Michael Frank

Jurist, Generalgouverneur im Generalgouvernement Polen, * 23. Mai 1900 Karlsruhe, † 16. Oktober 1946 Nürnberg, kath., ∞ 1925 Maria Brigitte Herbst, 5 Kinder.

Als Sohn eines Rechtsanwalts in Karlsruhe geboren, wuchs Hans Frank ab 1903 im bayerischen Rotthalmünster und seit 1908 ohne die Mutter, die den Vater verlassen hatte, in München auf. Nach dem Abitur studierte Frank in München, Kiel und Wien 1919-1923 Jura und wurde 1924 in Kiel promoviert. 1926 legte er das Staatsexamen ab und ließ sich als Anwalt nieder.

Im Anschluss an die Niederschlagung der Münchner Räterepublik im April 1919 schloss sich der nicht mehr zum Kriegseinsatz Gekommene dem Freikorps des Franz Ritter von Epp und der Thule-Gesellschaft an, wurde 1919 Mitglied der Deutschen Arbeiterpartei (DAP) und 1923 der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). Als Rechtsanwalt avancierte er zum Verteidiger zahlreicher Nationalsozialisten, darunter Hitler in dutzenden Verfahren, gründete 1928 den Vorläufer des NS-Rechtswahrerbunds und galt als „Parteijurist“ der NSDAP.

Bereits vor 1933 häufte Frank Ämter an, wurde 1930 Mitglied des Reichstags (MdR), 1933 kommissarischer bayerischer Justizminister und organisierte die Gleichschaltung. 1934 wurde er Reichminister ohne Geschäftsbereich. Mit Wirkung zum 26. Oktober 1939 wurde Frank Generalgouverneur der nicht vom Deutschen Reich annektierten, sondern besetzten Teile Polens (Generalgouvernement) mit Dienstsitz in Krakau. Trotz Konflikten mit Hitler um die Rolle der Justiz im Nationalsozialismus und persönlicher Feindschaft zu Heinrich Himmler und anderen im inneren NS-Führungszirkel behielt Frank auch nach 1942 seine Position. Seine antipolnische und menschenverachtende Herrschaft sowie Verantwortung für hunderttausendfachen Mord sorgten für seinen Ruf als „Schlächter von Polen“. Er war maßgeblich mitverantwortlich für die Ermordung von Juden in den Vernichtungslagern im Generalgouvernement. Am 4. Mai 1945 wurde er in seiner Villa nahe Neuhaus bei Schliersee von der US-Armee verhaftet, der er seine Tagebücher übergab, Im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher wurde Hans Frank am 1. Oktober 1946 schuldig gesprochen, zum Tod verurteilt und hingerichtet.

Jürgen Schuhladen-Krämer 2013

Quelle

Stanislaw Piotrowski (Hrsg): Hans Franks Tagebuch, Warschau 1963.

Literatur

Dieter Schenk: Hans Frank. Hitlers Kronjurist und Generalgouverneur, Frankfurt a. M. 2006; Niklas Frank: Der Vater. Eine Abrechnung, München 1987.