Richard Baldus, Foto aus: Michael von Renteln: Die Mathematiker an der Technischen Hochschule Karlsruhe (1825-1945), Karlsruhe 2002, S. 17.

Richard Baldus

Mathematiker, Professor, * 11. Mai 1885 Saloniki/Osmanisches Reich/heute Griechenland, † 28. Januar 1945 München, kath., ∞ 1912 Berta Elisabeth Dedreux, 2 Söhne, 2 Töchter.

Richard Baldus, dessen Vater Stationschef der anatolischen Eisenbahnen in Saloniki (heute Thessaloniki) war, besuchte dort die Deutsche Schule und dann das Wilhelmsgymnasium München. Nach dem Abitur studierte er 1904-1910 Mathematik in München und Erlangen, wurde 1910 bei Max Noether promoviert und erhielt eine Assistentenstelle an der Universität Erlangen. Im Jahr darauf wurde er habilitiert. Zunächst als Privatdozent lehrend, nahm Baldus 1914-1918 am Ersten Weltkrieg teil, wo er als Leutnant bzw. Oberleutnant Leiter einer Fesselballonabteilung war.

1919 übernahm Baldus den Lehrstuhl für Geometrie an der Technischen Hochschule (TH) Karlsruhe. Rufe an die Technischen Hochschulen in Stuttgart (1923) und Berlin (1927) lehnte er ab. 1920-1922 amtierte er als Vorstand der Allgemeinen Abteilung für Mathematik und allgemeinbildende Fächer, im Studienjahr 1923/24 wurde er zum Rektor der TH gewählt. 1932 wechselte Baldus als Professor für Geometrie an die Technische Hochschule München. Dort übernahm er 1934 in der Nachfolge von Walther von Dyck den Lehrstuhl für höhere Mathematik und analytische Mechanik.

In seiner wissenschaftlichen Arbeit beschäftigte sich Baldus, der begeisterter Geiger war, insbesondere mit der Grundlagenforschung der Geometrie. Seine 1924 als Buch publizierte Antrittsrede als Rektor der TH Karlsruhe über Formalismus und Intuitionismus ist auch für mathematische Laien verständlich.

Von 1929-1932 war Baldus außerordentliches, danach korrespondierendes Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. 1935 wurde er zum Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ernannt. 1933 amtierte er als Präsident der Deutschen Mathematiker-Vereinigung.

René Gilbert 2016

Quellen

GLA 235/1748, 448/2359.

Werk

Über Strahlensysteme, welche unendlich viele Regelflächen zweiten Grades enthalten, Diss. Erlangen 1910; Zur Theorie der gegenseitig mehrdeutigen algebraischen Ebenentransformationen, Habil.-Schrift Erlangen 1911; Formalismus und Intuitionismus in der Mathematik. Rede bei Übernahme des Rektorats der Technischen Hochschule Karlsruhe am 1. Dezember 1923, Karlsruhe 1924 (= Wissen und Wirken. Einzelschriften zu den Grundfragen des Erkennens und Schaffens Bd. 11); Die Gestalt eines im Fluge frei herabhängenden beschwerten Drahtes, Karlsruhe 1925; Nichteuklidische Geometrie – hyperbolische Geometrie der Ebene, Berlin 1927; Über Eulers Dreieckssatz in der absoluten Geometrie, Berlin 1929.

Literatur

Georg Faber: Baldus, Richard, in: Neue Deutsche Biographie (NDB), Bd. 1, Berlin 1953, S. 558; Michael von Renteln: Die Mathematiker an der Technischen Hochschule Karlsruhe (1825-1945), Karlsruhe 2002, S. 16-24; Renate Tobies: Biographisches Lexikon in Mathematik promovierter Personen, Augsburg 2006, S. 45 f.