Hermann Baumgarten um 1890, KIT-Archiv Karlsruhe 28010 I, 2080.

Carl August Ludwig Hermann Baumgarten

Historiker, * 28. April 1825 Lesse/Stadt Salzgitter, † 19. Juni 1893 Straßburg, ev., ∞ 1855 Louise Fallenstein, 8 Kinder.

Baumgarten kam aus einem protestantischen Pfarrhaus, begann nach dem Gymnasium in Wolfenbüttel 1842 Theologie in Jena zu studieren, wechselte 1843 zur Philologie an die Universität Halle, wo er in den vormärzlichen Wirren vom Studium ausgeschlossen wurde. 1845 setzte er sein Studium in Bonn und Göttingen fort. 1848 wurde Baumgarten vom Verleger Eduard Vieweg (1797-1869) als Redakteur der "Deutschen Reichszeitung" engagiert, die er in gemäßigt liberalem Sinne ausrichtete. 1853 engagierte er sich für den des Hochverrats angeklagten badischen liberalen Historiker Georg Gottfried Gervinus (1805-1871) und arbeitete an dessen Standardwerk "Geschichte des 19. Jahrhunderts" mit. In den Folgejahren publizierte er zur aktuellen spanischen und französischen Geschichte.

1861 wurde Baumgarten zum ordentlichen Professor für Geschichte und Literatur an die Technische Hochschule (TH) Karlsruhe (heute Karlsruher Institut für Technologie) berufen. Einige seiner liberalen Mitstreiter waren seit der "Neuen Ära" 1860 in Baden in führende Positionen gelangt. Er stand in Karlsruhe in engem Kontakt zu seinem Schwager Julius Jolly, Karl Mathy und Franz von Roggenbach. Seine Vorlesungen über Geschichte und Literatur erfreuten sich nicht nur in der Studentenschaft großen Zuspruchs. Als Forscher vollendete er in Karlsruhe die drei Bände der "Geschichte Spaniens vom Ausbruch der französischen Revolution bis auf unsere Tage". 1872 wechselte Baumgarten als Professor für Geschichte und Literaturgeschichte an die neu gegründete Reichs-Universität Straßburg, wo er bis 1890 wirkte. Seit 1880 war er Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

In der deutschen Frage trat Baumgarten für die kleindeutsche Lösung ein, was ihn aber nicht daran hinderte, die Bismarckschen Positionen einer Kritik zu unterziehen und die Rolle der süddeutschen Staaten hervorzuheben. Baumgarten war ein typischer Vertreter des National-Liberalismus, wurde dabei aber ein scharfer Kritiker Heinrich von Treitschkes wegen dessen preußisch-nationaler Historiographie. Dieser Historikerstreit wurde als Treitschke-Baumgarten-Kontroverse (1882/83) bekannt. Er endete mit dem Abbruch der Mitarbeit an der Historischen Zeitschrift, die sich auf die Seite Treitschkes stellte.

Jürgen Schuhladen-Krämer 2013

Quellen

GLA 60/870, 448/2375.

Werk

Geschichte Spaniens vom Ausbruch der Französischen Revolution bis auf unsere Tage. 3 Bde., Leipzig 1865-1871; Rede zur Feier des 18. Oktober 1863. Im Rathaussaale zu Karlsruhe gehalten, Karlsruhe 1863; Der deutsche Liberalismus. Eine Selbstkritik, Berlin 1866, Neuauflage Frankfurt a. M. u. a. 1974, hrsg. u. eingeleitet von Adolf M. Birke; Treitschke’s Deutsche Geschichte. Straßburg 1883; Historische und politische Aufsätze und Reden. Mit einer biographischen Einleitung von Erich Marcks, Straßburg 1894.

Literatur

Wilhelm Wiegand: Herman Baumgarten, in: Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 55, 1910, S. 437-451; Otto Graf zu Stolberg-Wernigerode: Carl August Ludwig Hermann Baumgarten, in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 658 f.; Wolfgang Heinrich Stark: Hermann Baumgarten (1825–1893). Ein biographischer Beitrag zur Klärung der Ideenwelt des deutschen politischen Liberalismus im 19. Jahrhundert, Diss. Erlangen-Nürnberg, 1973.