Joseph August Beringer

Pädagoge, Kunsthistoriker, Lehrer, * 27. Januar 1862 Niederrimsingen/Stadt Breisach/Lkr. Breisgau-Hochschwarzwald, † 6. Dezember 1937 Mannheim, kath., ∞ 1901 Auguste Florentine Stammel, kinderlos.

Beringer, jüngstes von acht Kindern eines Hauptlehrers, besuchte von 1868 bis 1875 die Volksschule seines Heimatdorfes und ging anschließend bis 1879 auf die Höhere Bürgerschule in Karlsruhe. 1879/80 absolvierte er das Lehrerseminar in Ettlingen. Es folgte eine Anstellung an der Höheren Bürgerschule in Kenzingen bis 1882, bevor er beim 6. Badischen Infanterie-Regiment Nr. 114 in Konstanz den Militärdienst ableistete. Die Wiederaufnahme seiner Lehrertätigkeit bis 1884 erfolgte an der Höheren Bürgerschule in Hornberg. Unzufrieden mit seiner beruflichen Tätigkeit, begann Beringer 1884 ein Studium der Mathematik und Naturwissenschaften an der Technischen Hochschule Karlsruhe, das er im Folgejahr mit der Realschullehrerprüfung abschloss. Es folgten mehrere Stationen an der Höheren Mädchenschule in Karlsruhe, am Karlsruher Realgymnasium und an der Höheren Bürgerschule in Schopfheim. Von 1886 bis 1888 war Beringer am Realgymnasium in Mannheim angestellt, 1888 an der Höheren Mädchenschule in Freiburg i. Br., am Realgymnasium in Ettenheim und von 1888 bis 1890 an der Realschule in Karlsruhe.

Ab 1890 lebte Beringer in Mannheim, wo er zunächst etatmäßiger Lehrer an einer Realschule wurde. Nach über zehn Jahren wechselte er 1902 an die Oberrealschule, verließ diese jedoch noch im selben Jahr, um eine Stelle am Realgymnasium der Mannheimer Lessingschule (seit 1914 Oberreallehrer) antreten zu können. 1924 wurde Beringer einstweilig pensioniert, erklärte sich aber bereit, bis 1925 die stellvertretende Schulleitung der Lessingschule zu übernehmen. 1927 trat er in den dauerhaften Ruhestand.

Neben seinem eigentlichen Beruf galt Beringers großes Interesse der Kunstgeschichte. Hierfür studierte er von 1897 bis 1902 in Heidelberg Kunstgeschichte, Philosophie, Literatur- und Musikgeschichte. Das Studium schloss er mit der Promotion ab. Der Schwerpunkt seiner Forschung lag auf der oberrheinischen Kunst des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. In zahlreichen Veröffentlichungen (Badische Biographien, Künstlerlexikon Thieme-Becker, Monographien) publizierte Beringer wichtige Beiträge zu südwestdeutschen Malern. Viele von ihnen kannte er persönlich oder durch Briefkontakte. Mit Hans Thoma, dem damaligen Direktor der Karlsruher Kunsthalle, verband ihn eine jahrelange Freundschaft, die so weit ging, dass Thoma ihn zum Verwalter seines künstlerischen Nachlasses bestimmte. Darüber hinaus gehörte Beringer zu den Gründern der Hans-Thoma-Gesellschaft in Frankfurt a. M. und amtierte als ihr erster Vorsitzender.

Ab 1923 hielt Beringer Vorlesungen in Kunstgeschichte an der Mannheimer Handelshochschule, wofür er 1933 den Professorentitel verliehen bekam. 1934 wurde er Vorsitzender des Mannheimer Altertumsvereins und Schriftleiter der Mannheimer Geschichtsblätter. 1933/34 folgten Vorträge an der Karlsruher Kunstakademie über die Geschichte der badischen Malerei. Für seine Verdienste in der Erforschung und Vermittlung badischer Kunst wurde Beringer 1935 außerordentliches Mitglied der Badischen Historischen Kommission.

René Gilbert 2015

Quellen

GLA N Beringer, 56/1230, 235/1424, 450/908.

Werk

Geschichte der Mannheimer Zeichnungsakademie, Diss. Heidelberg 1902; Mannheim in der Zeit Carl Theodors – kurpfälzische Kunst und Kultur im achtzehnten Jahrhundert, Bielfeld 1907; Ferdinand Kobell – eine Studie über sein Leben und Schaffen, Mannheim 1909; Badische Malerei im neunzehnten Jahrhundert, Karlsruhe 1913; Moritz von Schwinds Karlsruher Zeit. Ein Beitrag zur badischen Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins (ZGO) 30 (1915), S. 137-200; Badische Malerei 1770-1920, 2. Aufl., Karlsruhe 1922; Hermann Volz – sein Leben und Schaffen, Karlsruhe 1923; Gustav Schönleber, Karlsruhe 1924; Emil Lugo – ein deutsches Künstlerleben und Kunstschaffen im 19. Jahrhundert, 2. Aufl., Karlsruhe 1925; Das Hans Thoma-Archiv in Karlsruhe, in: Badische Heimat 15 (1928), S. 122-129; Kunstpflege unter den Großherzögen von Baden, in: Die Großherzöge Friedrich I. und Friedrich II., hrsg. von Eugen Fehrle, Karlsruhe 1930, S. 127-156; Jakob Friedrich Dyckerhoff – Ingenieur, Architekt, Maler und Daguerreotypeur in Mannheim 1774-1845, in: ZGO 86 (1934), S. 259-352.

Literatur

Gustav Jacob: Joseph August Beringer zum Gedächtnis, in: Mannheimer Geschichtsblätter 38 (1937), S. 82-84; Hans Adolf Bühler: Nachruf Professor Dr. Joseph August Beringer, in: ZGO 91 (1939), S.542 f.; Meinhold Lurz: "Selbstbesinnung auf die uns allein gemässe deutsche Kunst" – Josef August Beringer, Pädagoge und Kunsthistoriker, in: Badische Heimat 83 (2003), S.497-506.