Höhere Mädchenschule, Sophienstraße 14, um 1890, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XIVd 8.

Höhere Töchterschule

Die Höhere Töchterschule Karlsruhe ist aus der 1827 gegründeten Schule für Töchter aus den gebildeten Klassen hervorgegangen, die sich in der Ritterstraße 5, später Ritterstraße 9 befand. Sie war für die Töchter von Bürgern und Staatsdienern eine Alternative zu den wenigen, dazu meist teuren Privatinstituten. 1838 übernahm die Stadt den Schulbetrieb.

1878 bezog die Schule ein neues, von Heinrich Lang geplantes Gebäude in der Sophienstraße 14. Am 8. Mai 1879 erfolgte eine landesweite Umorganisation der Mittelschulen für die weibliche Jugend. Aus der Höheren Töchterschule wurde die Höhere Mädchenschule. Am 16. September 1893 fand in der Aula im Hinterhof der Mädchenschule die Gründung des ersten Mädchengymnasiums in Deutschland statt, das in dem später auch von der Mädchenschule genutzten Gebäude in der Waldstraße 83 untergebracht war. Die erweiterte Volksschule für Mädchen, eine Ganztagsschule, zog 1904 in die Karl-Wilhelm-Straße 2, so dass das Gebäude nun allein von der Höheren Mädchenschule und dem Mädchengymnasium genutzt werden konnte. Das Mädchengymnasium war 1898 als Gymnasialabteilung mit der Höheren Töchterschule verbunden worden und zog am 21. September 1911 mit zwölf Klassen der Höheren Mädchenschule in ein zweites Schulhaus am Gutenbergplatz, das den Namen Lessingschule erhielt. Die alte Schule an der Sophienstraße blieb Höhere Mädchenschule und erhielt den Namen Fichteschule.

Die Lessingschule firmierte ab 1911 als Mädchenrealschule mit Mädchengymnasium, in der Weimarer Republik wurde daraus eine Mädchenrealschule mit Mädchengymnasium und realgymnasialer Abteilung.

Ernst Otto Bräunche 2018

Quellen

Adressbücher der Haupt- und Residenzstadt Karlsruhe, https://digital.blb-karlsruhe.de/Drucke/topic/view/485648 (Zugriff am 23. Januar 2018); Reinhard Baumeister (Hrsg.) Hygienischer Führer durch die Haupt- und Residenzstadt Karlsruhe. Festschrift zur XXII. Versammlung des deutschen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege, Karlsruhe 1897, S. 195-198; Karlsruhe 1911. Festschrift. Der 83. Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte gewidmet von dem Stadtrat der Haupt- und Residenzstadt Karlsruhe, Karlsruhe 1911, S. 413-415; Verwaltungsbericht der Landeshauptstadt Karlsruhe 1928, Karlsruhe 1929, S. 168.

Literatur

Susanne Asche: Fürsorge, Partizipation und Gleichberechtigung – die Leistungen der Karlsruherinnen für die Entwicklung der Gleichberechtigung (1859-1914), in: Susanne Asche/Barbara Guttmann/Olivia Hochstrasser/Sigrid Schambach/Lisa Sterr: Karlsruher Frauen 1715-1945. Eine Stadtgeschichte, Karlsruhe 1992, S. 171-256 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 15), http://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/frauengeschichte/frauen1715 (Zugriff am 22. Dezember 2015).