Josef Holluta, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oIII 318.

Josef Holluta

Chemiker, * 28. August 1895 Brünn (heute Brno/Tschechien), † 25. Mai 1973 Günzburg, kath., ∞ 1926 Rose Wacht (1895-1997), kinderlos.

Josef Holluta wurde im damals zur Habsburgermonarchie gehörenden Königreich Böhmen als Sohn eines Beamten geboren. 1901-1912 besuchte er die dortige Volks- und Oberrealschule, die er mit dem Abitur abschloss. Es folgte ab 1912 ein Studium an der Chemisch-technischen Fakultät der Deutschen Technischen Hochschule (TH) in Brünn. Obgleich 1915 zum Kriegsdienst für die österreichisch-ungarische Armee eingezogen, konnte Holluta 1916 die Erste Staatsprüfung ablegen und erhielt kurz vor Kriegsende eine Assistentenstelle am Institut für anorganische, physikalische und analytische Chemie der TH Brünn.

Nach der Diplom-Prüfung 1919 folgte die Arbeit an seiner Dissertation beim damaligen Ordinarius für anorganische und physikalische Chemie, Karl Frenzel, dessen Assistent er wurde. Der Promotion 1921 folgte 1925 die Habilitation mit einer weiteren Arbeit über die Permanganatreduktion. Anschließend lehrte Holluta zu verschiedenen Gebieten der physikalischen Chemie, insbesondere zur Photochemie. 1934 erfolgte seine Ernennung zum Honorardozenten. In der Folge widmete sich Holluta vermehrt der Chemischen Technologie des Wassers, wofür er Untersuchungen an radioaktiven Quellen in Nordmähren und in den Sudeten durchführte. Nach der Emeritierung Karl Frenzels im Frühjahr 1939 vertrat Holluta dessen Lehrstuhl und wurde mit der Leitung des physikalisch-chemischen Instituts betraut. 1942 folgte seine Ernennung zum ordentlichen Professor und Institutsdirektor.

Wenige Wochen vor Kriegsende wurde die TH Brünn geschlossen und Holluta zusammen mit seiner Frau aus seiner Heimat nach Österreich vertrieben. Ein Jahr lang verdiente er in Salzburg Geld als Patentingenieur und Chemiker, ehe er im Frühjahr 1946 als Deutscher ausgewiesen wurde und in Ettlingen ein neues Zuhause fand. Im Juli 1947 endete die Phase unsicherer Lebensverhältnisse mit der Möglichkeit, als Vertreter des Lehrstuhls für Gaserzeugung und Brennstofftechnik verschiedene Lehrveranstaltungen in technischer Chemie an der TH Karlsruhe abzuhalten. Im Jahr darauf wurde er außerplanmäßiger Professor an der neu geschaffenen Abteilung für Wasserforschung und Wassertechnologie.

1951 folgte die Ernennung zum Honorarprofessor für Chemische Technologie des Wassers. Bereits im Jahr zuvor war Holluta zum Direktor der staatlichen Chemisch-technischen Prüfungs- und Versuchsanstalt der TH Karlsruhe ernannt worden. Trotz anfänglich fehlender Labore und technischen Inventars gelang es Holluta, seinen Fachbereich an der Hochschule zu etablieren. 1956 erhielt er die bundesweit erste ordentliche Professur für Wasserchemie und konnte 1962 den Institutsneubau einweihen.

Schwerpunkte der Forschungen Hollutas und seiner Schüler in Karlsruhe waren die Messung der Radioaktivität von Wassern und die Gewässerverschmutzung mit Geruchs- und Geschmacksstoffen. Seine Untersuchungen und die Warnungen haben früh viel dazu beigetragen, die Verschmutzungsgefahren auch durch Mineralölprodukte zu erkennen und zu bekämpfen. Zur Weiterbildung der Wasserwerksleute und Wasserwerksingenieure schuf Holluta die Karlsruher Wasserkurse, die internationalen Ruf erlangten.

Als Anerkennung seiner wissenschaftlichen Leistungen hatte ihm der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches 1961 die Bunsen-Pettenkofer-Ehrentafel verliehen. Kurz vor seinem 70. Geburtstag beendete Holluta seine Lehrtätigkeit in Karlsruhe und zog mit seiner Frau ins bayerische Günzburg.

René Gilbert 2015

Quellen

KIT-Archiv 21001/1472, 22003/36, 28002/200.

Werk

Reaktionsmechanismus der Permanganatreduktion, Diss. Brünn 1921; Reaktionsmechanismus der Permanganat- und Manganatreduktion und seine chemischen Grundlagen, Habil.-Schrift 1925; Die neueren Anschauungen über die Dynamik und Energetik der Kohlensäureassimilation. Ein Beitrag zur Theorie der Photosynthese, Stuttgart 1926; Die technischen Anwendungen der physikalischen Chemie, Stuttgart 1934; Die Chemie und chemische Technologie des Wassers, Stuttgart 1937; Untersuchungen über die Mineralöllast des Niederrheins und deren Herkunft, 1963.

Literatur

Alexander Kipnis: Holluta, Josef, in: Baden-Württembergische Biographien, Bd. IV, hrsg. von Fred L. Sepaintner, Stuttgart 2007, S. 157-159.