Friedrich Hermann Hund

Physiker, * 4. Februar 1896 Karlsruhe, † 31. März 1997 Göttingen, ∞ 1931 Ingeborg Seynsche, 6 Kinder.

Der Sohn des Eisen- und Haushaltswarenkaufmanns Friedrich Hermann Hund lebte mit den Eltern bis 1909 in Karlsruhe und beendete seine Schulzeit 1915 mit dem Abitur in Naumburg (Saale). Ein gebrochener Fuß verhinderte direkt danach die Einberufung im Ersten Weltkrieg. Er studierte Mathematik, Physik und Geographie in Marburg und Göttingen und legte 1921/22 seine Staatsexamina ab. Parallel zu seinem Referendariat wurde Hund 1922 in Göttingen bei Max Born promoviert, bei dem er dann mit Werner Heisenberg bis 1927 als Assistent wirkte. Nach der Habilitation 1925 wurde er Privatdozent für Theoretische Physik in Göttingen, besuchte zu einem Studienaufenthalt Niels Bohr in Kopenhagen und wurde 1927-1929 Professor für theoretische Physik in Rostock und - nach einer Gastprofessur in Harvard/USA - 1929-1946 in Leipzig, wo auch sein Freund Heisenberg wirkte. Mit seinen Forschungen - insgesamt veröffentlichte er etwa 250 Aufsätze und Bücher - leistete Hund unter anderem bedeutende Beiträge zur Kernphysik. Anders als Heisenberg war er aber am Uranprojekt zur Entwicklung von Kernwaffen im Zweiten Weltkrieg nicht beteiligt.

Beim Abzug der Amerikaner aus dem Gebiet der sowjetisch besetzten Zone Ende Juni 1945 versteckte sich Hund, um nicht zwangsweise in den Westen verschleppt zu werden. Wegen der Kriegszerstörung der Leipziger Institute wechselte Hund 1946 nach Jena. Nach Auseinandersetzungen mit der sowjetischen Besatzungsmacht über die Zulassung von Nichtarbeiterkindern zum Studium verließ Hund 1951 Jena und die DDR und übernahm eine Professur in Frankfurt am Main. Nach einer erneuten Gastprofessur in den USA (Maryland) ging er 1957 nach Göttingen, wo er auch nach seiner Emeritierung 1964-1990 lehrte. Zudem nahm er mehrere Gastprofessuren, unter anderem in Heidelberg und Frankfurt am Main wahr. Zahlreiche seiner Schüler, darunter Carl-Friedrich von Weizsäcker, wurden ebenfalls bekannte Physiker.

Hund erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Zu den bedeutendsten zählen die Max-Planck-Medaille 1943, die höchste Auszeichnung für theoretische Physik der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, der Otto-Hahn-Preis für Chemie und Physik 1974, die Gauß-Weber-Medaille der Universität Göttingen 1976 sowie die Gerlach Adolph von Münchhausen-Medaille der Universität Göttingen 1987.

René Gilbert/Manfred Koch 2015

Quelle

Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, Nachlass Friedrich Hund.

Werk

Versuch einer Deutung der großen Durchlässigkeit einiger Edelgase für sehr langsame Elektronen, Diss. Göttingen 1923; Linienspektren und periodisches System der Elemente, Habil.-Schrift Göttingen 1927; Einführung in die theoretische Physik, 5 Bde. Leipzig 1945–1951; Geschichte der Quantentheorie, Mannheim 1967.

Literatur

Hubert Laitko: Physikgeschichte von innen betrachtet – Friedrich Hund als Historiker seines Fachs. Nachrichten der Akademie der Wissenschaften in Göttingen 1996; Manfred Schroeder (Hrsg.): Hundert Jahre Friedrich Hund: Ein Rückblick auf das Wirken eines bedeutenden Physikers. Nachrichten der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, 1996.