Heinrich Meidinger, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 21/1.

Heinrich Meidinger

Physiker, * 29. Januar 1831 Frankfurt a. M., † 11. Oktober 1905 Karlsruhe, ∞ 1857 Elisabeth Glaub, kinderlos.

Nach dem Besuch des Gymnasiums in Frankfurt a. M. studierte der Sohn eines Pfarrers ab 1849 in Gießen Naturwissenschaften. Im Anschluss an die Promotion 1853 bildete er sich bis 1855 in Heidelberg bei dem Chemiker Robert Bunsen weiter. 1855/56 besuchte Heinrich Meidinger die Weltausstellung in Paris und reiste dann nach London weiter, um dort physikalische Studien zu betreiben. 1857 zurück in Heidelberg habilitierte er sich für Technologie und hielt als Privatdozent dort die erste elektrotechnische Vorlesung an einer deutschen Hochschule. Er sah die Notwendigkeit, die zeitgenössische mechanische Technologie durch eine physikalisch-elektrische zu ergänzen. 1859 entwickelte Meidinger eine galvanische Batterie, das Meidinger-Element, das zum Beispiel für den Telegrafenverkehr die benötigte konstante Spannung lieferte. In Heidelberg hielt er zudem populäre Experimentalvorträge.

1864 gab Heinrich Meidinger seine vielversprechende Hochschulkariere auf und übernahm die Leitung der vom badischen Handelsministerium neu gegründeten Landesgewerbehalle in Karlsruhe und deren Filiale in Furtwangen. 1869 erhielt er einen Lehrauftrag für technische Anwendungen der Elektrizität und für Heizung und Ventilation am Polytechnikum Karlsruhe und 1874 folgte die Ernennung zum ordentlichen Professor. Auch in Karlsruhe hielt Meidinger, der 32 Jahre Sekretär des Naturwissenschaftlichen Vereins war, zahlreiche öffentliche Vorträge. Sein Wohnhaus in der Nowackanlage 2 stattete er mit den technischen Neuerungen aus.

Meidinger wurde zum Pionier der staatlichen Gewerbeförderung. Seine mit Elan und Umsicht betriebenen Aktivitäten betrafen unter anderem: Förderung von Klein- und Mittelbetrieben sowie von Handwerk und Kunstgewerbe, Vortrags- und Ausstellungswesen, Leistungsschauen, Exportförderung, Einrichtung einer Gewerbebücherei, Sammlung vorbildlicher Maschinen, Werkzeuge und Produkte. Meidinger begründete 1867 die "Badische Gewerbezeitung", die er bis 1903 herausgab und in der er über 500 Beiträge veröffentlichte. Er behandelte in seinen wissenschaftlichen Arbeiten unter anderem Feuerungstechnik für Hausöfen, Lüftungs- sowie Kältetechnik, Beleuchtung und Wohnungswesen. 1869 erfand er einen Dauerbrandofen, der ab 1872 in einer Fabrik in Wien produziert wurde, und 1870 eine Kältemaschine für den Hausgebrauch. In seine gesamte Arbeit flossen die Beobachtungen ein, die er bei dem Besuch zahlreicher Gewerbeausstellungen und aller Weltausstellungen bis 1900 gemacht hatte. 1904 trat Meidinger in den Ruhestand.

1891 wurde Meidinger zum Hofrat, 1902 zum Geheimen Hofrat ernannt und von Kaiser Franz Joseph erhielt er den Franz-Joseph-Orden. 1927 benannte die Stadt Karlsruhe die Meidingerstraße nach ihm. Die Bundesfachschule für Sanitär- und Heizungstechnik in Karlsruhe trägt seit 1979 ebenfalls seinen Namen. Im vormaligen Landesgewerbeamt, heute Landesgewerbeamt Baden-Württemberg, Direktion Karlsruhe, ist der Meidingersaal nach ihm benannt.

Arthur Mehlstäubler/Manfred Koch 2014

Quellen

StadtAK 8/ZGS Persönlichkeiten; 8/Autographen (Meidingers handschriftliches Testament).

Werk

Über voltametrische Messungen, Diss. 1853; Die magnet-elektrischen Maschinen und ihre Anwendung, 1882; Die Geschichte des Blitzableiters, 1888; Die Heizung von Wohnräumen, 1897; Beschreibung des Wohnhauses Nowack-Anlage 2 in Karlsruhe, erbaut 1872, Karlsruhe 1900.

Literatur

August Schleiermacher: Meidinger, Heinrich, in: Badische Biographien, Bd. 6 (1935), hrsg. von Albert Krieger und Karl Obser, S. 546-550; Frieder Schmidt: Meidinger, Heinrich, in: Neue Deutsche Biographie (NDB), Bd. 16, Berlin 1990, S. 639.