Arnold Tschira, Foto aus: Friedrich Raab: Die Technische Hochschule Fridericiana Karlsruhe, Festschrift zur 125-Jahrfeier, Karlsruhe 1950, S. 105.

Arnold Tschira

Professor, Bauhistoriker, * 17. Oktober 1910 Freiburg i. Br., † 9. März 1969 Karlsruhe, ∞ 1957 Gundula van Oyen, 3 Kinder.

Der Sohn eines Kaufmanns begann nach dem Besuch des altsprachlichen Gymnasiums in Freiburg i. Br. 1929 ein Architekturstudium an der Technischen Hochschule (TH) Karlsruhe bei Max Laeuger und Otto Ernst Schweizer. Nach dem Diplom 1933 trat Arnold Tschira der SS bei und war zwei Jahre lang als Bauführer tätig. Er kam 1935 als Wissenschaftlicher Assistent an den Lehrstuhl für Kunst- und Baugeschichte der TH Karlsruhe und wurde 1937 bei Karl Wulzinger promoviert. 1938/39 hielt er sich dank eines Reisestipendiums des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) in Griechenland und Italien auf. In Rom war er dann bis 1941 für das DAI tätig. 1942-1945 leistete er Kriegsdienst in Russland und Italien. Er geriet in zweijährige US-amerikanische und französische Gefangenschaft. 1947-1950 war er im Freiburger Wiederaufbaubüro als Architekt tätig, bevor er Nachfolger seines ehemaligen Lehrers Wulzinger an der TH Karlsruhe wurde. Nach 1955 konzentrierte er die Arbeit des Instituts auf Baugeschichte, während gleichzeitig der 1958 geschaffene Lehrstuhl für Kunstgeschichte geplant und mit Klaus Lankheit besetzt wurde.

Seine Forschungsleistung lag primär auf bauhistorischem Gebiet. In Griechenland und Italien nahm er unter anderem an Untersuchungen am Parthenon und der Stadtmauer in Athen teil. Dort begann er zusammen mit zwei Kollegen die nach dem Krieg fortgesetzte Erforschung spätrömischer Zentralbauten, deren Ergebnisse erst nach seinem Tod publiziert wurden. Tschira befasste sich nach dem Krieg bauhistorisch wieder mit der Akropolis und der Casa del Fauno in Pompeji. Mittelalterliche Bauten wie das Freiburger Münster, die Klosterkirche St. Cyriakus in Sulzburg und die Stadtkirche in Ettlingen fanden ebenso sein Interesse. In seinen letzten Lebensjahren beschäftigte er sich intensiv mit der Wiederherstellung der Abteikirche in Schwarzach.

Arnold Tschira war Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Institutionen, darunter: Verwaltungsrat des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz (1953-1969), mehrere Kommissionen des DAI (1954-1969), Korrespondierendes Mitglied der Kommission für geschichtliche Landeskunde Baden-Württemberg (1958-1969).

Arthur Mehlstäubler/Manfred Koch 2014

Werk

Orangerien und Gewächshäuser. Ihre geschichtliche Entwicklung in Deutschland, Diss. Karlsruhe 1939; Das Münster zu Freiburg: Aufnahmen und baugeschichtliche Einleitung, München 1954; Arnold Tschira/Rüdiger Stenzel/Hans Paul Stemmermann: Geschichte der Stadt Ettlingen und ihrer Menschen, Bd. 1b: Das mittelalterliche Ettlingen, Karlsruhe 1968; Die ehemalige Benediktinerabtei Schwarzach, 2. Aufl. Karlsruhe 1977; Spätantike Zentralbauten in Rom und Latinum, 3 Bde., Mainz 1984, 1993, 1998.

Literatur

150 Jahre Universität Karlsruhe 1825-1975; Architekten der Fridericiana. Skizzen und Entwürfe seit Friedrich Weinbrenner, in: Fridericiana. Zeitschrift der Universität Karlsruhe, Heft 18, (1975) S. 135 f.; Reinhard Lullies/Wolfgang Schiering (Hrsg.): Archäologenbildnisse. Porträts und Kurzbiographien von Klassischen Archäologen deutscher Sprache, Mainz 1988, S. 309-310; Karlfriedrich Ohr: Tschira, Arnold Wilhelm, in: Bernd Ottnad (Hrsg.): Baden-Württembergische Biographien, Bd. 2, Stuttgart 1999, S. 459 ff.