Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oIII 136.

Friedrich Eisenlohr

Architekt, * 23. November 1805 Lörrach, † 27. Februar 1854 Karlsruhe, ev., ∞ 1833 Wilhelmina von Biedenfeld.

Eisenlohr begann das Studium der Architektur 1821 am Polytechnischen Institut von Christoph Arnold in Freiburg, wo sein Vater Pfarrer war, und beendete es 1824-1826 bei Friedrich Weinbrenner in Karlsruhe. Nach dessen Tod bereiste er Italien und arbeitete danach ab 1828 in Karlsruhe in der Baudirektion, legte 1830 die Staatsprüfung ab, wurde 1832 Lehrer, 1839 Professor am Polytechnikum in Karlsruhe, und 1853 Vorstand der Bauschule und Baurat.

Als Architekt befand sich Eisenlohr an der Schwelle vom Klassizismus Weinbrenners zum Romantischen Historismus. Gemäß seiner Theorie sollte der Bau von Kirchen Leitfunktion besitzen und der gesamten Architektur einen einheitlichen Stil geben. Statt der Antike sollte die mittelalterliche Gotik als Vorbild dienen. Mit dem Bau der Friedhofskapelle in Karlsruhe (1837, heute Simeon-Kirche an der Kapellenstraße) und dem Wiederaufbau der Schlossruine Ortenberg im neogotischen Stil (1838-1843) setzte er dies um.

Bedeutung erlangte Eisenlohr als Leiter des Hochbauamtes der neuen badischen Staatseisenbahnen. Ab Beginn der 1840er-Jahre entwarf er für die Eisenbahnstrecke Mannheim-Freiburg nicht nur die wegweisende Architektur der Bahnhöfe, sondern auch ihre Inneneinrichtung und die Modelle für über 300 Bahnwärterhäuschen. Seine für die Uhrmacherschule in Furtwangen entworfene "Bahnhäusleuhr" wurde Vorbild für die heute noch beliebten Schwarzwälder Kuckucksuhren. Der 1843 eröffnete Bahnhof in Karlsruhe war ein Prototyp für den Bahnhofsbau und Beispiel für den von Eisenlohr favorisierten Einsatz von Naturstein, Backstein und Holz. Sie wirkten konstruktionsbildend und wurden offen verwendet. Eisenlohr widersprach seiner eigenen, antikenfeindlichen Architekturtheorie, indem er die Anordnung der Einzelgebäude und deren Grundgestalt durchaus nach klassischen Prinzipien und den für den Bahnbetrieb notwendigen Abläufen löste.

Nahe der Friedhofskapelle ist in Karlsruhe heute noch das von Eisenlohr mit dem Bildhauer August Kiß gestaltete Preußendenkmal erhalten. Die Eisenlohrstraße erinnert seit 1897 an ihn und den Physiker Wilhelm Eisenlohr.

Arthur Mehlstäubler 2012

Quellen

saai, KIT.

Werk

Friedrich Eisenlohr: Rede über den Baustyl der neueren Zeit und seine Stellung im Leben der gegenwärtigen Menschheit / gehalten bei Eröffnung der Vorlesungen über Baukunst an der polytechnischen Schule zu Karlsruhe von Friedrich Eisenlohr, Carlsruhe 1833.

Literatur

Hans-Joachim Clewing: Friedrich Eisenlohr und die Hochbauten der badischen Eisenbahn, Diss. TH Karlsruhe 1968; Peter Pretsch: Friedrich Eisenlohr - Architekt der badischen Eisenbahn, in: Blick in die Geschichte, Bd. 4, 2009, S. 100 f.