Wilhelm Hausenstein (Pseudonym Johann Armbruster)

Schriftsteller, Kunsthistoriker, Diplomat, * 17. Juni 1882 Hornberg/Ortenaukreis, † 3. Juni 1957 München, ev., 1940 kath., ∞ 1. 1908 Marga Schroeder, 2. 1919 Margot Lipper, 1 Tochter.

Hausenstein wuchs als Sohn eines Steuerbeamten und einer Hornberger Gastwirtstochter die ersten Jahre im Schwarzwald auf. Nach dem frühen Tod des Vaters siedelte die Familie 1892 nach Karlsruhe über, wo er das heutige Bismarck-Gymnasium besuchte und 1899 dort das Abitur ablegte. Danach studierte er Altphilologie, Philosophie, Kunstgeschichte und Geschichte an den Universitäten in Heidelberg, Tübingen sowie München und wurde 1905 promoviert. Eine erwogene Habilitation verhinderte der Eintritt in die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) 1907, die er 1919 wieder verließ, und das Engagement für die Arbeiterbildung. Stattdessen betätigte er sich als freier Schriftsteller. Er veröffentlichte über 80 Bücher zur Kunstgeschichte und Geschichte und anderen Themen. Von 1929-1933 war er Kunstschriftleiter bei den konservativen „Münchner Neuesten Nachrichten“ und 1934-1943 Schriftleiter für Kultur und der Frauenbeilage bei der „Frankfurter Zeitung“. Er pflegte Bekanntschaften und Freundschaften zu zahlreichen Kunst- und Literaturschaffenden wie Rainer Maria Rilke, Franz Marc, Ernst Klee, René Schickele, Theodor Heuss, Alfred Kubin und Max Picard.

Hausenstein bezeichnete sich selbst als konservativ im Sinne eines christlichen Humanismus mit entschieden sozialem Akzent. Die NS-Ideologie lehnte er klar ab. So weigerte er sich, die Namen jüdischer Künstler aus seiner Kunstgeschichte zu entfernen und moderne Kunst als entartet zu charakterisieren. 1936 erfolgte deshalb der Ausschluss aus der Reichsschrifttumskammer und 1943 aus der Reichspressekammer. Bis 1945 drohte ihm und seiner jüdischen Ehefrau die Deportation.

1945 war er führend an der Gründung der „Süddeutschen Zeitung“ beteiligt, übernahm aber im Hinblick auf seine literarischen Pläne und seine Gesundheit nicht die Leitung. 1950 wurde er Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Im gleichen Jahr folgte er der Bitte Konrad Adenauers, die noch nicht souveräne Bundesrepublik Deutschland in Frankreich diplomatisch zu vertreten, zunächst als Generalkonsul und nach Erlangung der Souveränität 1953-1955 als erster Botschafter der Nachkriegszeit in Paris.

Hausenstein war Mitglied mehrerer Wissenschaftlicher Akademien und erhielt zahlreiche in- und ausländische Ehrungen, darunter 1952 das Große Bundesverdienstkreuz. 1955 verlieh ihm das Land Baden-Württemberg den Professorentitel und Frankreich ernannte ihn als ersten Deutschen im 20. Jahrhundert zum Grand Officier de la Légion d'Honneur. Die Stadt Karlsruhe benannte 1982 einen Teil der vormaligen Knielinger Allee in Wilhelm-Hausenstein-Allee.

Jürgen Schuhladen-Krämer 2013

Quelle

Nl im Deutschen Literaturarchiv, Marbach; Dieter Sulzer: Der Nachlass Wilhelm Hausenstein. Ein Bericht. Mit einem unveröffentlichten Essay, Briefen und einer Erinnerung von Paul Frank. Marbach a. N. 1982.

Werk

Der nackte Mensch in der Kunst aller Zeiten. München 1911; Die bildende Kunst der Gegenwart. Malerei, Plastik, Zeichnungen. Stuttgart, Berlin 1914; Georg Büchner. Gesammelte Werke nebst einer Auswahl seiner Briefe, Leipzig 1916; Über Expressionismus in der Malerei, Berlin 1919; Kunstgeschichte, Berlin 1928; Badische Reise, München 1930; Pariser Erinnerungen. Aus fünf Jahren diplomatischen Dienstes 1950-1955, München 1961.

Literatur

Robert Minder: Wilhelm Hausenstein, in: Neue Deutsche Biographie (NDB), Bd. 8, Berlin 1969, S. 113-115; Johannes Werner: Wilhelm Hausenstein. Ein Lebenslauf, München 2005.