Generallandesarchiv Karlsruhe 69 Baden, Sammlung 1995 F I Nr. 205, 11, http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=4-3302881-1 (Zugriff am 10. November 2015).

Adolf Hausrath

Theologe, Schriftsteller, * 13. Januar 1837 Karlsruhe, † 2. August 1909 Heidelberg, ev., ∞ 1864 Henriette Fallenstein, 11 Kinder.

Adolf Hausrath war eines von sechs Kindern des Hof- und Stadtvikars und Hofdiakons in Karlsruhe und einer Mutter deutsch-russischer Herkunft. Als Knabe schwächlich und sensibel, wählte er den Beruf eines Pfarrers und studierte nach dem Besuch des Karlsruher Lyzeums 1856 in Jena, Göttingen, Berlin und Heidelberg Theologie und Geschichte, unter anderem bei Karl Hase und Johann Gustav Droysen. 1861 erfolgte in Berlin seine Promotion. Danach wurde er Stadtvikar in Heidelberg, wo er sich 1862 habilitierte. 1863 war Hausrath an der Gründung des Deutschen Protestantenvereins beteiligt und bekam 1864 eine Stelle als Assessor beim Evangelischen Oberkirchenrat in Karlsruhe. 1867 erhielt er eine Professur für neutestamentliche Exegese und Kirchengeschichte an der Universität Heidelberg, wo er bis 1906 Seminare abhielt.

Besondere Aufmerksamkeit erlangte Hausrath durch seine Vorlesungen über das Johannesevangelium sowie durch seine Einführung in das Neue Testament, die er je über ein Dutzend Mal las. Hausraths theologisches Hauptwerk bildet die vierbändige Neutestamentliche Zeitgeschichte, in der er die Entstehungszeit des Christentums durch dessen eigene Wirkungsmacht und nicht primär unter dem Aspekt des Lebens Jesu beschreibt. Eine besondere Freundschaft bestand zwischen ihm und dem zeitweise in Heidelberg lehrenden Historiker Heinrich von Treitschke.

Als Vertreter der Universität Heidelberg gehörte der nationalliberale Hausrath 1889 der Ersten Kammer der Badischen Ständeversammlung an. Zudem wurde er sechsmal zum Dekan der Theologischen Fakultät und zweimal (1882/83 und 1901/02) zum Rektor gewählt. Unter dem Pseudonym George Taylor veröffentlichte Hausrath ab 1880 mehrere Romane und Novellen. An Auszeichnungen erhielt Hausrath 1869 die Ehrendoktorwürde der Universität Wien sowie 1903 die der Universität Heidelberg. 1906 wurde er vom badischen Großherzog Friedrich I. zum Geheimrat und von der Stadt Heidelberg zum Ehrenbürger ernannt.

René Gilbert 2015

Quellen

Generallandesarchiv Karlsruhe 60/ 218, 466-22/15553; Universitätsarchiv Heidelberg 150.007 (Personalakte); Nachlass von Adolf Hausrath im Landeskirchlichen Archiv Karlsruhe.

Werk

Der Ketzermeister Konrad von Marburg, Diss. Heidelberg 1861; Neutestamentliche Zeitgeschichte, Heidelberg 1868-77, 4 Bde.; Luthers Leben, Berlin 1904; unter Pseudonym: Antinous, Leipzig 1880; Klytia, Leipzig 1883; Pater Maternus, Leipzig 1898.

Literatur

Fritz Hauß: Adolf Hausrath, in: Neue Deutsche Biographie (NDB), Bd. 8, Berlin 1969, S. 126 f.; Gustav A. Ungerer: Adolf Hausrath (1897-1909), in: Badische Heimat 60 (1980), S. 153-166; Theodor Kappstein: Adolf Hausrath, in: Badische Biographien , Bd. 6, hrsg. von Albert Krieger und Karl Obser, Heidelberg 1935, S. 31-44; Gottfried Gerner-Wolfhard: Adolf Hausrath (1837-1909): kirchenpolitischer Akteur - theologischer Lehrer - historischer Schriftsteller, in: Lebensbilder aus der Evangelischen Kirche in Baden im 19. und 20. Jahrhundert, Bd. 5: Kultur und Bildung, hrsg. von Gerhard Schwinge, Heidelberg 2007, S. 100-121.