Elisabeth Luise Auguste Helene von Heyking (geb. von Flemming)

Schriftstellerin, * 10. Dezember 1861 Karlsruhe, † 4. Januar 1925 Berlin, ev., ∞ 1. 1881 Stephan Gans zu Putlitz († 1883), 2. 1884 Edmund von Heyking, 3 Kinder, 1 Tochter aus erster Ehe, 2 Söhne aus zweiter Ehe.

Elisabeth von Heyking wurde in Karlsruhe als ältere von zwei Töchtern eines preußischen Diplomaten, der 1858 an den badischen Hof entsandt worden war, geboren. Ihre Mutter war die Tochter Bettina von Arnims. Im Gegensatz zu ihrer Schwester Irene besuchte Heyking keine öffentliche Schule, sondern erhielt Unterricht von Hauslehrern. Ihre Ehe mit dem Nationalökonomen Stephan zu Putlitz, dessen Vater Gustav zu Putlitz zu dieser Zeit Intendant des Karlsruher Hoftheaters war, führte Heyking nach Berlin und hielt nur kurz, da sie sich in den preußischen Diplomaten Edmund von Heyking verliebte und daraufhin die Scheidung einreichte. Dies als persönliche Blamage empfindend, erschoss sich zu Putlitz nach vollzogener Trennung. In der Folge kam es vor mehreren Karlsruher Gerichten (Vormundschafts-, Amts- und Landgericht) zu einem erbitterten Rechtsstreit über das Sorgerecht für die Tochter Stephanie, der erst durch ein Gericht in Berlin zugunsten der Mutter entschieden wurde.

Nach Ablauf des Trauerjahres ging Heyking ihre zweite Ehe ein. Als Diplomatenfrau lebte sie in den folgenden knapp 20 Jahren in Venedig, Florenz, New York, Valparaiso (Chile), Berlin, Kalkutta, Kairo, Peking, Mexiko und Belgrad. Obwohl die Reisen häufig beschwerlich waren, zeigte Heyking Interesse für Kultur und Landschaft der jeweiligen Länder. Die dort gewonnenen Eindrücke und Erfahrungen hielten Einzug in viele ihrer Werke.

Mit dem 1903 in Buchform erschienenem Debütroman "Briefe, die ihn nicht erreichten" gelang Heyking einer der größten literarischen Erfolge der damaligen Zeit. Die zahlreichen Auflagen des Romans, der in alle Weltsprachen übersetzt wurde, verhalfen ihr zu einem ansehnlichen Vermögen. 1907 zog die Familie nach Baden-Baden, wo ihr Mann sich wegen seiner psychischen Störungen in Sanatorien behandeln ließ. Letzte Lebensstation Heykings war das Schloss Crossen in Thüringen, das sie von einem Vetter vererbt bekam und wohin sie sich mit ihrem kranken Mann 1908 zurückzog. Nachdem dieser 1915 gestorben war und ihre beiden Söhne im Ersten Weltkrieg gefallen waren, fand Heyking allmählich wieder ins gesellschaftliche Leben zurück und blieb weiter literarisch tätig. Sie starb 1925 auf dem Weg zu einer Einladung in Berlin an einem Herzanfall. Heykings 1926 veröffentlichte Tagebücher "Tagebücher aus vier Weltteilen" stellen insbesondere für die Geschichte Chinas zur Zeit des Boxer-Aufstands aufgrund ihrer differenzierten Beschreibung der Menschen und ihrer Kultur eine beachtenswerte Quelle dar.

René Gilbert 2015

Werk

Briefe, die ihn nicht erreichten, Roman 1903 (anonym erschienen); Der Tag anderer, Novellensammlung 1905; Ille mihi, Roman 1912 (2 Bde.); Tschun. Eine Geschichte aus dem Vorfrühling Chinas, Roman 1914; Liebe, Diplomatie und Holzhäuser. Eine Balkanphantasie von einst, Roman 1919; Die Orgelpfeifen, Aus dem Lande der Ostseeritter, Erzählungen 1918; Tagebücher aus vier Weltteilen 1886–1904, hrsg. von Grete Litzmann, Leipzig 1926.

Literatur

Edelgard Spaude: Heyking, Elisabeth von: in: Badische Biographien NF Bd- IV, hrsg. von Bernd Ottnad, Stuttgart 1996, S. 132-134; Edelgard Spaude: Stein gesellschaftlichen Anstoßes und Schriftstellerin mit Sensationserfolgen. Elisabeth von Heyking 1861-1925, in: Edelgard Spaude: Eigenwillige Frauen in Baden, Freiburg 1999, S. 11-29; Mechthild Leutner: "Sind wir ehrlich, so haben wir uns doch alle als armselige Blechgötzen erkannt ..." Elisabeth von Heykings ambivalente Positionen zur Kolonialpolitik, in: Frauen in den deutschen Kolonien, hrsg. von Marianne Bechhaus-Gerst, Berlin 2009, S. 57-65 (= Schlaglichter der Kolonialgeschichte Bd. 10); Herward Sieberg: Elisabeth von Heyking: Ein romanhaftes Leben, Hildesheim 2012.