Ludwig Schnorr von Carolsfeld, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS III 1391.
Ludwig Schnorr von Carolsfeld als Tristan, um 1860, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS III 1393.

Ludwig Schnorr von Carolsfeld

Sänger, * 2. Juli 1836 München, † 21. Juli 1865 Dresden, ∞ 1860 Malvina Garrigues.

Einer angesehenen sächsischen Malerfamilie entstammend, entschied sich Ludwig Schnorr von Carolsfeld aufgrund seines musikalischen Talents und seiner außergewöhnlichen Stimmbegabung für das Opernfach. Nach kurzer Hospitanz an der Dresdner Kreuzschule und einer mehrmonatigen Ausbildung am Leipziger Konservatorium kam er durch die freundschaftliche Beziehung seines Vaters im Herbst 1854 nach Karlsruhe zu Eduard Devrient an das badische Hoftheater. Nach kleineren Rollen wie dem Soldaten Bois Rosé in Meyerbeers Hugenotten, dem Naphtali in Mehuls Joseph, einem Priester in Mozarts Zauberflöte und dem Arbaces in dessen Idomeneo fand Schnorr von Carolsfelds eigentliches Debüt gegen Ende der ersten Karlsruher Spielzeit mit der Partie des Server in Bellinis Norma am 12. Juni 1855 statt. Schon bald stieg er zum ersten Heldentenor an der Hofbühne auf, an der er bis zu seinem Ausscheiden Ende März 1860 – meist an der Seite seiner zukünftigen Ehefrau Malvina Garrigues – in den Titelrollen von Meyerbeers Robert der Teufel, Aubers Fra Diavolo, Wagners Tannhäuser und Lohengrin, Mozarts Titus und Spontinis Fernando Cortez zu sehen war sowie als Florestan in Beethovens Fidelio, Tebaldo in Bellinis Romeo und Julia, Johann in Meyerbeers Prophet und als Steuermann in Wagners Fliegendem Holländer.

Seit 1858 lagen Vertragsangebote seitens des Berliner und des Dresdener Hoftheaters vor. Der Sänger entschied sich aus familiären Gründen für Dresden, an dessen Hofbühne er am 3. Juni 1860 mit Lohengrin debütierte. Parallel zu seinem dortigen Bühnen-Engagement gab er zahlreiche Gastspiele an führenden deutschen Opernbühnen, darunter vom 18. bis 27. Mai 1862 in Karlsruhe, wo er unter anderem als Tannhäuser (Malvina als Elisabeth) und Lohengrin (Malvina als Ortrud) auftrat. Wagner nutzte die Karlsruher Lohengrin-Vorstellung, um den viel gepriesenen Tenor und dessen Frau persönlich kennen zu lernen. Die beiden übernahmen bei der Uraufführung von Wagners Tristan und Isolde am Münchner Hof- und Nationaltheater am 10. Juni 1865 die technisch schwierigen Titelrollen. Nach drei weiteren Tristan-Aufführungen am 13. und 19. Juni sowie am 1. Juli 1965 war Schnorr von Carolsfeld, bei dem im Frühjahr 1857 mäßige Herzhypertrophie mit abnormer Fettbildung diagnostiziert worden war und der deswegen jeden Sommer einige Wochen in staubfreier Gebirgsluft verbringen musste, körperlich derart geschwächt, dass er wenig später einer Typhusinfektion erlag.

Katja Förster 2014

Literatur

C. H. N. Garrigues: Ein ideales Sängerpaar. Ludwig Schnorr von Carolsfeld und Malvina Schnorr von Carolsfeld geborene Garrigues. Zwei in einander verwobene Lebensbilder, nach eigenen und zeitgenössischen Briefen, Tagebuchblättern, Lebenserinnerungen und Berichten geschildert, Kopenhagen/Berlin 1937.