Helmut Seiler, um 1930, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS IV 68/28.

Helmut Seiler

Kammersänger (Bass-Bariton), * 23. April 1891 Köln, † 16. August 1972 Neureut/Stadt Karlsruhe, ev., ∞ 1. 1916 Emmi Vorsteher, 2. Ruth Lenz, 2 Töchter aus erster Ehe, 1 Sohn aus zweiter Ehe.

Helmut Seiler, Sohn eines Kaufmanns, absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Kapellmeister, ehe seine Stimme von dem berühmten Bariton Karl Scheidemantel entdeckt wurde, der ihn ermutigte, eine Bühnenlaufbahn einzuschlagen. Nachdem er am Ersten Weltkrieg als Reserveleutnant teilgenommen hatte, gab Seiler sein Debüt als Sänger 1919 am Stadttheater Lübeck. 1921-1925 folgte ein Engagement an der Duisburger Oper, wo er am 23. April 1925 in der Uraufführung der Oper Ein Traumspiel von Julius Weismann auftrat. Weitere Stationen waren das Staatstheater Braunschweig (bis 1929) und die Staatsoper Stuttgart (bis 1932). Dort sang er am 29. Oktober 1931 den Gondoliere in Emil Nikolaus von Rezniceks Oper Der Gondoliere des Dogen. 1932-1934 wirkte Seiler am Stadttheater Hamburg.

1934 führte Seiler seine letzte Station an das Badische Staatstheater Karlsruhe, wo er vornehmlich für das Rollenfach Helden- und Charakterbariton besetzt wurde. Zu seinen zahlreichen Rollen gehörten Partien aus Wagner-Opern (darunter Friedrich von Telramund, Lohengrin; Hans Sachs, Die Meistersinger von Nürnberg; Der fliegende Holländer; Kurwenal, Tristan und Isolde; Wotan und Gunther, Ring des Nibelungen). Weitere wichtige Bühnenpartien waren Peter, der Besenbinder, in Engelbert Humperdincks Oper Hänsel und Gretel, Escamillo in Carmen von Georges Bizet, Don Giovanni in der gleichnamigen Mozart-Oper und Enoch Arden in der gleichnamigen Oper von Ottmar Gerster, der Oberpriester in Samson et Dalila von Camille Saint-Saëns, Francesco in der Oper Mona Lisa von Max von Schillings sowie der Stadtkommandant im Friedenstag von Richard Strauss.

Gastspielauftritte absolvierte Seiler in Berlin, München, Dresden und Zürich. Neben seiner Opernarbeit trat er auch als Konzert-, Oratorien- und Liedsänger auf. Wegen eines Augenleidens musste Seiler 1946 in den Ruhestand eintreten. Er arbeitete anschließend als Pädagoge an der Musikhochschule Karlsruhe und als Privatlehrer.

René Gilbert 2015

Quelle

GLA 57a/1803.

Literatur

Lola Ervig: Sänger und Shakespeares Stern. Heldenbariton Seiler wird heute 80 Jahre. Erinnerung an große Rollen, in: Badische Neueste Nachrichten (BNN) vom 23. April 1971, StadtAK 8/Ze 15; ; Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnen-Jahrbuch 1972, Hamburg 1972, S. 109; Wilhelm Kosch (Begr.): Artikel Seiler, Helmut, in: Deutsches Theater-Lexikon Bd. 3, Klagenfurt 1992, S. 2168 f.; Karl J. Kutsch: Großes Sängerlexikon Bd. 6, 4., erw. und aktual. Aufl., München 2003, S. 4341.