Josef Keim, Foto aus: Stadtarchiv Karlsruhe 8/Ze 15 Badische Neueste Nachrichten, 5. März 1962.

Josef Keim

Schauspieler, * 24. Juli 1894 Baden-Baden, † 2. März 1962 Karlsruhe, konfessionslos, ∞ 1927 Maria Karolina Lankes, 1 uneheliche, später anerkannte Tochter (*1948) mit der Schauspielerin Irene Meinecke.

Josef Keim war der Sohn eines Oberstadtsekretärs. Er besuchte das Gymnasium in Baden-Baden und wurde nach dem Abitur wegen seines ungewöhnlichen Talents für die Bühne noch von dem Karlsruher Hofschauspieler Wilhelm Wassermann kurz vor dessen eigener Pensionierung als Eleve angenommen. Zur Vollendung seiner Schauspielkunst nahm er anschließend Unterricht als Meisterschüler bei dem damaligen Träger des Iffland-Rings, Albert Bassermann.

Nach ersten Auftritten in Karlsruhe unter der Leitung von Oberspielleiter Felix Baumbach führten die Wanderjahre Keim unter anderem an die Theater in Stettin, Hamburg, Basel, Frankfurt, Breslau und Prag. 1932 wurde er von Max Reinhardt an das Deutsche Theater Berlin geholt. Reinhardt sorgte vor seiner Emigration 1937 noch dafür, dass Keim ein Engagement am Theater in der Josefstadt in Wien erhielt. In der Nazi-Zeit spielte er an den Städtischen Bühnen Köln und am privaten Rose-Theater in Berlin unter Paul Rose, dem späteren Generalintendanten des Badischen Staatstheaters.

Nachdem Keim in seinem Entnazifizierungsverfahren entlastet worden war, setzte er seine Laufbahn am Landestheater Württemberg-Hohenzollern in Tübingen fort, wo er erneut mit Rose zusammenarbeitete. Dieser war es auch, der Keim 1953 an das Badische Staatstheater brachte, die Stätte seiner ersten Bühnenerfahrung. Hier wurde der knapp 60-jährige für Rollen nach Eignung verpflichtet und spielte in einer großen Anzahl klassischer und moderner Theaterstücke. Seine wichtigsten Rollen waren der Hauptmann von Köpenick, Götz von Berlichingen, Fuhrmann Henschel, der Sklave Caliban in Shakespeares Drama Der Sturm, der Feldhauptmann in Brechts Mutter Courage und ihre Kinder und der Tod im Jedermann von Hugo von Hofmannsthal. Wegen seiner anerkannt guten Gestaltung großer Rollen verlieh ihm das badische Kultusministerium 1960 den Ehrentitel Staatsschauspieler.

René Gilbert 2015

Quelle

GLA 57a/1142.

Literatur

N.N.: Staatsschauspieler Josef Keim†. Das Badische Staatstheater verliert in ihm eine unverkennbare Persönlichkeit, in: Badische Neueste Nachrichten (BNN) vom 5. März 1962; Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnen Jahrbuch 1963, Hamburg 1963, S. 84.