Anna Marie Ellenrieder

Badische Hofmalerin, * 20. März 1791 Konstanz, † 5. Juni 1863 Konstanz, kath., ledig.

Die Tochter eines Uhrmachers verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Konstanz, wo sie die Klosterschule Zoffingen besuchte. Nach einer Lehre beim Miniaturmaler Joseph Einsle wurde Ellenrieder auf Vermittlung des Konstanzer Generalvikars Ignaz Heinrich von Wessenberg 1813 als erste Frau zum Studium an der Münchener Kunstakademie zugelassen.

Nach ihrem Studium entstanden neben Radierungen eine Reihe größerer Gemälde. Ihr Einfühlungsvermögen brachte ihr ab 1818 Aufträge als Portraitmalerin an den Fürstenhöfen in Sigmaringen und Donaueschingen. 1820 kam Ellenrieder nach Karlsruhe, um das frisch vermählte badische Erbprinzenpaar Leopold und Sophie von Baden zu malen. Die Jahre im deutschen Südwesten gelten als ihre ertragreichste Schaffenszeit. 1822-1826 arbeitete sie in Rom und Florenz, wo die Portraitmalerei in den Hinter- und religiöse Darstellungen in den Vordergrund traten. 1827 kehrte Ellenrieder nach Baden zurück und malte das Hochaltarbild der Pfarrkirche St. Bartholomäus in Ortenberg bei Offenburg. 1828 erhielt sie den Auftrag, das Altarbild Steinigung des heiligen Stephanus für die neue Stadtkirche St. Stephan in Karlsruhe zu malen, das wegen seiner beträchtlichen Größe (4,7 x 3,2 Meter) in Konstanz entstand, wo für sie ein spezieller Arbeitsraum eingerichtet wurde. Das Bild galt bereits bei seiner Fertigstellung unter zeitgenössischen Künstlern als ihr bedeutendstes Werk, obwohl sie das Motiv abwandelte und das Bild in einen irdischen und einen himmlischen Bereich teilte.

Anschließend arbeitete Ellenrieder vorwiegend in Karlsruhe. 1832-1834 entstand ein großes Gemälde der großherzoglichen Familie. 1842 kehrte Ellenrieder nach Konstanz zurück, wo sie bis zu ihrem Tod sehr zurückgezogen lebte und arbeitete. Das Altarbild für die Karlsruher Kirche St. Stephan wurde im Zweiten Weltkrieg in die Stephanskirche nach Konstanz ausgelagert und entging so der Zerstörung. Seit 1997 befindet es sich wieder in der Karlsruher Stadtkirche St. Stephan.

Als Anerkennung ihrer Leistung ernannte sie Großherzog Ludwig I. 1829 zur badischen Hofmalerin mit einem festen Jahresgehalt von 300 Gulden. Zudem verlieh ihr der Badische Kunstverein als erster Frau die Goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft.

René Gilbert 2015

Quellen

BLB Karlsruhe Nachlass; StadtAK 8/ZGS Persönlichkeiten – Ellenrieder, Marie.

Werk

Maria mit dem Jesusknaben an der Hand, 1824 (Staatliche Kunsthalle Karlsruhe); Porträt des Großherzogs Ludwig I. von Baden, 1827 (Privatbesitz); Steinigung des heiligen Stephanus, 1828 (Stadtkirche St. Stephan).

Literatur

Roswitha Beyer: Ellenrieder, Anna Marie, in: Neue Deutsche Biographie (NDB), Bd. 4, Berlin 1959, S. 455; Gerlinde Brandenburger-Eisele: Marie Ellenrieder, in: Leonhard Müller/Manfred Koch (Hrsg.): Blick in die Geschichte. Karlsruher stadthistorische Beiträge 1988-1993, Karlsruhe 1994, S. 249 f.; Katharina Büttner-Kirschner: Marie Ellenrieder (1791-1863). Bildfindungen einer badischen Nazarenerin, in: Kunst und Architektur in Karlsruhe, Karlsruhe 2006, S. 45-58; Claudia Pohl: Marie Ellenrieder, in: Lebensbilder aus Baden-Württemberg 23 (2010), Stuttgart 2010, S. 148-175.