Ansicht der Kirche St. Stephan von Westen, 1964, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A11/207/4/14A.

St. Stephan

St. Stephan ist die katholische Hauptkirche von Karlsruhe. Sie befindet sich in der Karlsruher Innenstadt südlich des Neuen Ständehauses und wurde von 1808-1814 als Kirche der Pfarrei St. Stephan, der ersten selbstständigen katholischen Kirchengemeinde in Karlsruhe, von Friedrich Weinbrenner im klassizistischen Stil errichtet. Seinen Namen erhielt das Gotteshaus nach dem heiligen Stephanus und zu Ehren von der Katholikin Stéphanie de Beauharnais, Großherzogin von Baden.

Von Weinbrenner in Anlehnung an das Pantheon in Rom ursprünglich als Rundbau ohne Turm geplant, erhielt St. Stephan auf Weisung Großherzog Karl Friedrichs die Form einer kreuzförmigen Rundkirche mit vier gleich großen Kreuzarmen, einem Kirchturm und einer Säulenhalle am südlich gelegenen Hauptportal. 1944 zerstörte ein Luftangriff die Kirche fast vollständig. Unter der Leitung des badischen Architekten Hans Rolli vom Erzbischöflichen Bauamt Heidelberg kam es von 1951-1955 zum Wiederaufbau von St. Stephan, wobei die Versetzung der Kuppelbasis um 7,80 Meter nach oben unter Beibehaltung der Scheitelhöhe von knapp 28 Meter als besonderes Merkmal hervorsticht.

Die im Zweiten Weltkrieg ebenfalls zerstörte Orgel wurde 1959 durch eine neue, mit 48 Registern auf vier Manualen ausgestatte Orgel ersetzt. Durch die Größe der Kirche stellte sich das Instrument jedoch rasch als zu klein heraus, sodass es bis 1988 zunächst auf 62, und anlässlich der Neugestaltung der Kirche 2011/12 auf 74 Register mit fast 5.000 Pfeifen erweitert wurde. Damit ist die Orgel in St. Stephan nach der Orgelanlage des Freiburger Münsters die zweitgrößte Orgel der Erzdiözese Freiburg. Außerdem erhielt die Kirche 1966 die große Stephansglocke, die mit 8,51 Tonnen bis 2004 die größte Kirchenglocke Baden-Württembergs war, ehe sie von der Friedensglocke (9,16 Tonnen) in der Karlsruher Christuskirche übertroffen wurde.

Der Innenraum des Gotteshauses besteht heute nach einer heftig diskutierten Umgestaltung 2011/12 aus einem runden Altarbereich, der von gebogenen Bänken umschlossen wird, auf denen 540 Personen Platz nehmen können. Im nördlichen Kreuzarm, dem früheren Altarraum, befinden sich von Emil Wachter in Form eines Triptychons gefertigte Bildteppiche aus Gobelin (1963), die Geschichten aus der Bibel darstellen. An der Wand des westlichen Kreuzarms hängt das Gemälde Steinigung des heiligen Stephanus (1831) von Marie Ellenrieder, das bis zum Zweiten Weltkrieg als Altarbild diente. Im Winkel zwischen westlichem und nördlichem Kreuzarm liegt die Dreifaltigkeitskapelle, die 1990/91 von dem Architekten Urban Wunsch neu gestaltet wurde.

Des Weiteren befinden sich in der Kirche Kunstwerke von Emil Sutor, darunter zwei große Relieftafeln, eine Madonna mit Kind aus Glasmosaik, der Heilige Antonius von Padua sowie ein Christus-Korpus. Ergänzt werden diese durch zwei Gemälde von Candace Carter, die am Haupteingang hängen und je zwei Ordensfrauen und Ordensmänner zeigen, sowie dem Tabernakel in nördlichen Kreuzarm von Herbert Kämper.

Die Kirche ist Kulturdenkmal nach § 28 Übergangsregelung Denkmalschutzgesetz.

René Gilbert 2016

Quelle

Datenbank der Kulturdenkmale https://web1.karlsruhe.de/db/kulturdenkmale/detail.php?id=02935 (Zugriff am 3. November 2017).

Literatur

Arthur Valdenaire: Die St. Stephanskirche in Karlsruhe, München 1939; Hans Rolli/Richard Bellm: Die St.-Stephanskirche in Karlsruhe, München 1974; Gottfried Leiber: Friedrich Weinbrenner und die Kirche St. Stephan in Karlsruhe, in: Badische Heimat 88 (2008), S. 204-216; Josef Dewald: Katholische Stadtkirche St. Stephan Karlsruhe, 4., neu bearb. Aufl., Regensburg 2014; Günter Frank (Hrsg.): Kirchen in Karlsruhe und die Synagoge, Ubstadt-Weiher 2015, S. 59-65.