Hans Gaensslen, 14. November 1969, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A18/123/3/20 (Ausschnitt).

Hans Gaensslen

Maler, Gebrauchsgraphiker, Professor, * 5. Juni 1900 Heidelberg, † 2. Juni 1981 Überlingen/Bodenseekreis, ∞ 1949 Agnes Gundert (1913-2000).

Hans Gaensslen absolvierte 1919 zunächst ein Volontariat in einer Dekorationsmalerfirma, bevor er 1920-1923 Gebrauchsgraphik an der Badischen Landeskunstschule bei Wilhelm Schnarrenberger studierte. Anschließend arbeitete er bis 1949 als Buch- und Steindrucker sowie als freischaffender Gebrauchsgraphiker in Wien, München, Berlin, Heidelberg, Stuttgart und zuletzt in Hödingen. 1929 gründete er in Stuttgart die Arbeitsgemeinschaft Hohenhausen, die sich zu einer renommierten Agentur für Werbeberatung und Werbegraphik entwickelte. 1949 zum Professor für Gebrauchsgraphik an der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe berufen, trat Gaensslen die Stelle 1952 an und lehrte dort bis 1965. Ab 1958 amtierte er als kommissarischer Direktor, von 1961-1963 als Rektor der Hochschule. Nach seiner Emeritierung 1965 zog er zurück an den Bodensee, wo er seine letzten Lebensjahre verbrachte.

Gaensslens gebrauchsgraphisches Werk weist eine außergewöhnliche Vielfalt auf: Text- und Schriftgestaltungen, Umschlag- und Plakatentwürfe, Firmen- und Städte-Signets sowie weitere Markenzeichen. Diese Fülle an gebrauchsgraphischen Arbeiten bildete die Basis für Gaensslens Unterricht, bei dem er seine theoretischen und praktischen Erfahrungen weitergab. Daneben veröffentlichte er mehrere Bücher mit seinen Arbeiten und jeweils fachlichen Einführungen.

Darüber hinaus schuf Gaensslen vielfältige Pastell- und Tuschezeichnungen, entwarf Wandteppiche mit mythologischen Motiven und kreierte Collagen aus vorgefundenem Bildmaterial in phantastisch-surrealer Sichtweise. Als Maler ist Gaensslen mit seinem Frühwerk, das insbesondere Stillleben umfasst, der Neuen Sachlichkeit zuzurechnen. Später wandte er sich der Darstellung von Landschaften, besonders der Bodenseeregion zu. Diese Werke sind in den Techniken der Tusch- und Pastellmalerei entstanden und erzeugen wegen ihrer postimpressionistischen Licht-Farb-Auffassung eine eigentümliche Atmosphäre.

René Gilbert 2015

Quellen

GLA 235/40093; StadtAK 8/ZGS Persönlichkeiten – Gaensslen, Hans.

Werk

ABC, Offsetdruck, um 1949 (Privatbesitz); Graphik – Druck, Ravensburg 1958; Das große Drei-Farben-Mischbuch, Ravensburg 1959.

Literatur

Sylvia Bieber: Tradition als Verpflichtung – Die Karlsruher Kunstakademie der Jahre 1947 bis 1958, in: Die Malerei ist tot – es lebe die Malerei. 150 Jahre Kunstakademie Karlsruhe – die Professoren von 1947 bis 1987, hrsg. von der Stadt Karlsruhe – Städtische Galerie, S. 15-40, S. 29; Leo Mülfarth: Kleines Lexikon Karlsruher Maler, Karlsruhe 1987, S. 159; Andreas Beyer (Hrsg.): Allgemeines Künstler Lexikon. Die bildenden Künstler aller Zeiten und Völker Bd. 47, München 2005, S. 150.