Wilhelm Loth

Bildhauer, * 24. September 1920 Darmstadt, † 17. Januar 1993 Darmstadt, ∞ 1948 Annelise Koch, 1 Tochter.

Nach dem Schulabbruch 1935 begann Wilhelm Loth in Darmstadt eine Ausbildung zum Vermessungstechniker und nahm nebenbei bei Fritz Schwarzbeck Unterricht in Malerei und Bildhauerei. Ein Studienplatz an der Frankfurter Städelschule blieb ihm 1939 wegen der politischen Einstellung seines Vaters verwehrt. Von 1940-1946 folgten Reichsarbeitsdienst, Kriegsdienst in Russland und Frankreich sowie englische Kriegsgefangenschaft. So konnte Loth erst 1947 ein ordentliches Studium an den Lehrstätten für Bildende Kunst – Künstlerkolonie Darmstadt aufnehmen. Bereits 1948 übernahm er eine Lehrtätigkeit am Lehrstuhl für Freies Zeichnen und angewandte Plastik an der Technischen Hochschule Darmstadt. 1958 wurde er als Leiter einer Bildhauerklasse an die Kunstakademie in Karlsruhe berufen, an der er seit 1960 als Professor bis zu seiner Emeritierung 1986 wirkte.

Loth, der sich in seiner Arbeit zeitlebens der menschlichen Figur verpflichtet fühlte, gehörte 1950 zu den ersten, die nach dem Untergang der NS-Diktatur die provokante Frage nach dem neuen Menschenbild formulierten. Diese Frage wurde dann zum Thema des ersten Darmstädter Gesprächs. Loths eigene Antwort darauf spiegelt sich in seinem Œuvre wieder, in dem das „Ewig-Weibliche“ zum Symbol von Selbstbefreiung und Selbstbestimmung wurde. Der Weg zu diesem „Frauenidol“ erfolgte über gefäßförmige Figuren mit angedeuteten Genitalien und über locker gefasste, rechteckige Körperlandschaften. Als Material dienten ihm Bronze, Aluminium, Eisen, Neusilber, Ton, Gips und seit 1973 auch Kunststoff. Neben Herbert Kitzel, HAP Grieshaber, Horst Antes, Heinz Schanz, Dieter Krieg, Walter Stöhrer und Hans Baschang zählt Loth zu den wichtigsten Vertretern der Karlsruher „Neuen Figuration“.

Seit 1948 war Loth an zahlreichen Gruppenausstellungen beteiligt und durch Einzelausstellungen vertreten. 1955 erhielt er den Kunstpreis der Stadt Darmstadt (seit 1995 Wilhelm-Loth-Preis), 1959 war er Stipendiat und 1982 Ehrengast der Villa Massimo in Rom und 1989-1990 Vorsitzender des Deutschen Künstlerbundes. 1992 richtete er mit der Landeskreditbank Baden-Württemberg die Wilhelm-Loth-Stiftung ein, der er dreißig Bronzen, andere Plastiken sowie dreitausend Zeichnungen und Aquarelle testamentarisch vermachte.

Katja Förster 2014

Literatur

Katja Förster: Die Geschichte der Villa Massimo und einige ihrer Stipendiaten und Ehrengäste, in: Villa Massimo Rom. Künstler der Galerie Alfred Knecht, hrsg. von der Galerie Alfred Knecht anlässlich der gleichnamigen Ausstellung im Rahmen der Europäischen Kulturtage Karlsruhe 2008; Wilhelm Loth – Torso der Frau. Plastiken, Zeichnungen, Fotografien, Gemälde. Katalog zur Ausstellung mit Werkverzeichnis der Plastiken, Städtische Galerie Karlsruhe 30. März bis 26. August 2001, hrsg. von der Stadt Karlsruhe und der Wilhelm-Loth-Stiftung, Karlsruhe 2001; Rainer Schoch (Bearb.): Wilhelm Loth: Werkverzeichnis der Druckgraphik: Holzschnitte, Lithographien, Radierungen, hrsg. vom Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, Wilhelm-Loth-Stiftung Karlsruhe, Nürnberg 2011.