Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oIII 503.

Kurt Martin

Kunsthistoriker, * 31. Januar 1899 Zürich, † 27. Januar 1975 Tegernsee/Oberbayern, ev., ∞ 1928 Hildegard Wangrin, 2 Kinder.

Als Sohn eines Professors für Anthropologie besuchte Kurt Martin humanistische Gymnasien in Karlsruhe und Freiburg. Nach dem Notabitur 1917 kam er als Freiwilliger zum Kriegseinsatz in Frankreich und Freiburg, begann 1920 ein Philosophiestudium bei Edmund Husserl und Martin Heidegger in Freiburg, wechselte dann nach München, wo er im Fach der Kunstgeschichte 1924 bei Heinrich Wölfflin promoviert wurde. Nach einem Volontariat an der Mannheimer Kunsthalle wurde er 1927 „wissenschaftlicher Hilfsarbeiter“ und später Konservator am Badischen Landesmuseum Karlsruhe. Daneben baute er zusammen mit Oberst Erich Blankenhorn das Badische Armeemuseum auf, das im Marstallgebäude des Karlsruher Schlosses 1934 eröffnet wurde.

1934 übernahm er bis 1956 die Leitung der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe. Um das Haus nach den provokanten Aktionen des nationalsozialistischen Vorgängers Hans Adolf Bühler aus der öffentlichen Diskussion zu bringen, schloss er es die nächsten fünf Jahre, um es kurz nach der Wiedereröffnung 1939 kriegsbedingt erneut zu schließen. 1940-1944 hatte Martin zusätzlich die Generaldirektion der „Oberrheinischen Museen“, das heißt die Betreuung der elsässischen Museumsbestände, inne. Auch im Rahmen dieser Tätigkeit forcierte er die politisch neutrale, wissenschaftliche Erfassung von Kunst- und Kulturgütern. 1946 trugen ihm die französischen Behörden die Leitung des Landesamtes für Museen, Sammlungen und Ausstellungen in Freiburg an. Er kümmerte sich um den Wiederaufbau der Kunsthalle, die 1951 wieder eröffnet werden konnte und als erste eine "Erziehungsabteilung" erhielt. 1956 wurde er Direktor der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe. Im darauffolgenden Jahr wechselte er nach München und übernahm dort die Generaldirektion der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen bis zur Pensionierung 1964.

Kurt Martin benutzte geschickt den Einfluss seiner hohen Ämter als Direktor führender Museen und anderer Kulturinstitutionen, um Kunstwerke in den Wirren des Krieges zu retten. Er stellte sich ohne Rücksicht auf politische Belange neutral und mit Leidenschaft in den Dienst der Kunst, wobei er mit seinen Ausstellungen alte, moderne und zeitgenössische Kunst gleichwertig behandelte. Er war derjenige der an Museen Tätigen, der in Baden in der Kriegs- und frühen Nachkriegszeit die stärksten Akzente setzte. Als "Schlüsselfigur der ersten Nachkriegszeit" in zahlreichen nationalen und internationalen Gremien vertreten, war er unter anderem an der Begründung der Documenta 1955 in Kassel beteiligt.

1964 bekam er von der Technischen Hochschule Karlsruhe den Titel des Dr. Ing. h. c. verliehen.

Arthur Mehlstäubler 2013

Werk

Die Nürnberger Steinplastik im 14. Jahrhundert, Diss. Berlin 1927; Die Kunstdenkmäler des Großherzogtums Baden, 10. Bd. Kreis Mannheim, 2. Abt. Stadt Schwetzingen, Karlsruhe 1933; Jacob Burckhardt und die Karlsruher Galerie (Briefe und Gutachten), Karlsruhe 1941; Kunst des Abendlandes, hrsg. in Verbindung mit der Erziehungsabteilung der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe (Kunstatlas), 4 Bde., Karlsruhe 1955-1962.

Literatur

Elfriede Schulze-Battmann: Martin, Kurt Hermann, in: Badische Biographien NF, Bd. I, hrsg. von Bernd Ottnad, Stuttgart 1982, S. 204 ff.; Theresia Friederike Rosebrock: Kurt Martin und das Musée des Beaux-Arts de Strasbourg. Museums- und Ausstellungspolitik im „Dritten Reich“ und in der unmittelbaren Nachkriegszeit, Berlin 2012.