Georg Siebert

Maler, * 13. Mai 1896 Dresden, † 6. November 1984 Köln, , ∞ 1. 1925 N.N., o|o 1932, 2. 1945 N.N.

Als eines von sieben Kindern eines Drechslers verlebte Georg Siebert eine entbehrungsreiche Kindheit. Nachdem jedoch der Vater sein Talent zum Malen erkannt hatte, ermöglichte er ihm nach einer Lehre für textile Kunst (1910-1913) ein Studium an der Königlichen Kunstgewerbeschule Dresden (1913-1916). Unterbrochen wurde dieses durch den Kriegsdienst als Feldartillerist an der Somme und in der Champagne, wo er als Zeichner feindlicher Beobachtungsstellen eingesetzt wurde. Nach Kriegsende setzte Siebert seine Studien an der Kunstakademie Dresden bei Richard Müller und Georg Lührig (1919-1921 und 1924-1926) und – mit Unterstützung eines Dresdener Mäzens – an der Kunstakademie München bei Ludwig von Herterich und Max Doerner (1921-1923) fort.

Einen ersten nennenswerten Erfolg hatte Siebert auf der Internationalen Kunstausstellung in Dresden 1926 mit seinen auf gesellschaftlicher Authentizität bedachten Milieustudien und dem Verkauf seines Bildes "Sonntag in einem sächsischen Dorfgasthof". Das Geld ermöglichte dem 30-Jährigen ein Dasein als freischaffender Künstler, die Einrichtung eines Ateliers in Obervogelgesang (heute zu Pirna) sowie Studienreisen nach Paris, in die Schweiz und in die USA. 1930 erhielt Siebert den Ilgen-Preis, 1932 wurde er Mitglied des Deutschen Künstlerbundes und Gründungsmitglied der Künstlergruppe Dresdner Sezession.

Von 1933-1942 lehrte Siebert als Professor für Malerei an der Kunstakademie Karlsruhe. 1938 war er auf der zweiten Großen Deutschen Kunstausstellung, die die Kunst im Nationalsozialismus repräsentierte, mit dem Werk "Deutsche Siedlerfamilie" vertreten. 1939-1941 leistete Siebert Kriegsdienst, ab 1942 lebte und arbeitete er wieder in seinem Atelier in Obervogelgesang und war bis 1945 Professor für Malerei an der Akademie für Bildende Künste Dresden. Nach Kriegsende wieder freischaffend tätig, kam Siebert 1961, dem Jahr des Berliner Mauerbaus, auf Wunsch seiner zweiten Frau, einer Karlsruherin, zurück in die Fächerstadt. 1964 zog er nach Köln. Anlässlich seines 75. Geburtstags fand 1971 in Düsseldorf eine Ausstellung zu seinem Werk statt. 1977 folgten Retrospektiven in Köln und München.

Sieberts Werke, die der Neuen Sachlichkeit zugerechnet werden, bestehen vorwiegend aus Landschaftsdarstellungen, Portraits und Blumenbildern. Den Sinn für die einheimische Flora hatte Siebert als Kind auf sommerlichen Wanderungen mit seiner Familie mitbekommen. Hinzu kommen Gesellschaftsstudien, die aus für die Neue Sachlichkeit typischer Distanz den Alltag des Kleinbürgertums zeigen.

René Gilbert 2015

Quelle

Historisches Archiv der Stadt Köln Künstlerdokumentation - Datenbank, Georg Siebert, Acc. 753, Nr. 74.

Werk

Höllriegelskreuth, Gouache auf Karton 1921; Tiroler Landschaft, Öl auf Leinwand 1922; Margeriten und Buchenzweige, Aquarell 1923; Sonntag in einem sächsischen Dorfgasthof, Öl auf Leinwand 1926; Am Mittagstisch, Kohle, Aquarell und Tempera auf Karton 1931; Erdölarbeiter, Öl auf Leinwand 1931 (Staatliche Kunstsammlungen Dresden); Selbstportrait mit Claus, Öl auf Leinwand 1933 (Privatbesitz); Damenbildnis mit roter Kette, Öl auf Hartfaserplatte 1936 (Staatliche Kunstsammlungen Dresden); Blick von Struppen auf den Königstein und Lilienstein, Aquarell über Bleistift 1946.

Literatur

Heinrich Zerkaulen: Georg Siebert, in: Westermanns Monatshefte 77 (1933), S. 505-512; Ulrich Thieme (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart Bd. 30, Leipzig 1936, S. 593; Leo Mülfarth: Kleines Lexikon Karlsruher Maler, Karlsruhe 1987, S. 237; Karin Müller-Kelwing: Die Dresdner Sezession 1932 – Eine Künstlergruppe im Spannungsfeld von Kunst und Politik, Hildesheim 2010, S. 202, S. 378; Birgit Dalbajewa: Georg Siebert, in: Neue Sachlichkeit in Dresden, hrsg. von Birgit Dalbajewa, Dresden 2011, S. 139, S. 161, S. 297 f.