Karl Josef Trummer

Bildhauer, * 17. Oktober 1906 Fürstenfeldbruck, † 19. Januar 1957 Mannheim, ∞ 1930 N.N., 1 Tochter.

Karl Trummer absolvierte 1922-1927 eine Lehre als Holz- und Steinbildhauer und studierte anschließend an der Kunstgewerbeschule München. Im Anschluss arbeitete er als freischaffender Künstler in Deutschland, Österreich und Südfrankreich. 1931/32 lebte Trummer in Mannheim, da ihm dort die erste Etage der Alten Sternwarte als Atelier angeboten wurde. 1935-1937 hielt sich Trummer bei dem der NSDAP angehörenden Bergbauindustriellen Hermann Röchling in Saarbrücken auf, der ihm auf seinem Anwesen ein Atelier zur Verfügung gestellt hatte. 1937 kehrte er nach Mannheim zurück und übernahm die Leitung der Freien Akademie Mannheim (heute Hochschule Mannheim). Parallel war er als Graphiker für das Winterhilfswerk und als Bühnenbildner tätig. Zusammen mit dem Direktor der Mannheimer Kunsthalle und dem stellvertretenden Leiter des Schlossmuseums Mannheim war Trummer ab 1941 Teil einer Kommission zur Bewertung und Meldung von Kunstgegenständen, die von emigrierten Juden zurückgelassen worden waren.

In der Nachkriegszeit gehörte Trummer zu den bedeutendsten Lehrern der Mannheimer Akademie, wobei er einen nachhaltigen Einfluss auf mehrere seiner Schüler, darunter Walter Stallwitz und Ute Petry, ausübte. Im Oktober 1947 wurde ihm die Leitung der Bildhauerklasse der Badischen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe übertragen, wo er – unter Ernennung zum Professor für Bildhauerei im März 1949 – unter anfänglich schwierigen räumlichen Bedingungen bis zu seinem Tod unterrichtete. Mit offizieller Genehmigung blieb er zudem weiterhin Leiter der Mannheimer Akademie.

Trummers Werk besteht hauptsächlich aus Holzskulpturen, die er für den öffentlichen Raum anfertigte. So schuf er um 1936 das Kruzifix in der Kapelle des Klinikums Mannheim oder um 1947 die Holzplastik Stehendes nacktes Mädchen. Ergänzt werden diese durch kleinplastische, vom Expressionismus beeinflusste Arbeiten aus Bronze, Stein und Holz, wie die 1951 im Rahmen der Restaurierung des Mannheimer Marktplatzbrunnens entstandene Neckar-Figur.

Trummer starb unerwartet im Alter von 50 Jahren an Herzversagen und wurde in Hemmenhofen am Bodensee beigesetzt, wo er ein Grundstück besaß.

René Gilbert 2016

Quellen

GLA 235/40091, 40098.

Werk

Kruzifix in der Kapelle des Klinikums Mannheim, ca. 1936; Stehendes nacktes Mädchen, Eichenholz-Plastik, um 1947/48, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe; Neckar-Figur des Marktplatzbrunnens Mannheim, 1951.

Literatur

Hans Vollmer (Bearb.): Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts, Bd. 4, Leipzig 1958, S. 475; Ursula Merkel: Bildhauer an der Kunstakademie Karlsruhe von 1947 bis 1987, in: Die Malerei ist tot – es lebe die Malerei. 150 Jahre Kunstakademie Karlsruhe – die Professoren von 1947 bis 1987, hrsg. von der Stadt Karlsruhe – Städtische Galerie, S. 83-98, hier S. 85 f.; Jonny W. Stadler: Heilung nach dem Brandanschlag. Die Konservierung und Restaurierung eines brandgeschädigten Kruzifixes aus dem Städtischen Klinikum Mannheim, in: Restauro 118 (2012), Heft 4, S. 28-35; Silvia Köhler: Adresse A 4, 6 – Künstler in der Alten Sternwarte, in: Mannheimer Geschichtsblätter 26 (2013), S. 135-152, hier S. 136 f. Bild: Ursula Merkel: Bildhauer an der Kunstakademie Karlsruhe von 1947 bis 1987, in: Die Malerei ist tot – es lebe die Malerei. 150 Jahre Kunstakademie Karlsruhe – die Professoren von 1947 bis 1987, hrsg. von der Stadt Karlsruhe – Städtische Galerie, S. 85; Silvia Köhler: Adresse A 4, 6 – Künstler in der Alten Sternwarte, in: Mannheimer Geschichtsblätter 26 (2013), S. 137.