Georg Sinner

Unternehmer, * 8. August 1823 Lahr, † 10. Juli 1883 Grünwinkel/Stadt Karlsruhe, ev., ∞ 1848 Sophie Kist, 4 Söhne, 1 Tochter.

Als ältester Sohn des Chemikers Anton Sinner und Enkel des Stadtböttchers von Lahr geboren, besuchte Sinner die Schule in Karlsruhe und absolvierte anschließend eine Lehre zum Kaufmann in Durlach und in einem Großhandelshaus in Lyon. 1844 kehrte er nach Deutschland zurück und leistete seinen Militärdienst beim 1. Badischen Leibgrenadier-Regiment Nr. 109. 1845 als Reservist freigestellt, übernahm Sinner die Leitung der von seinem Vater aufgebauten Fabrik zur Herstellung von Bleizucker mit angeschlossener Essigsiederei (Sinner) in Grünwinkel.

Georg Sinner sympathisierte mit Ideen der badischen Revolutionäre von 1848, beteiligte sich jedoch nicht aktiv. Dennoch verließ er 1849 für kurze Zeit Baden. Seine Schwester Karolina war mit Carl Emil Sigel, dem Bruder des Oberbefehlshabers der badischen Revolutionstruppen und späteren amerikanischen Generals Franz Sigel verheiratet.

Nachdem der väterliche Betrieb nach der Übernahme durch Sinner eine positive Entwicklung genommen hatte, kaufte er 1849 das nur gepachtete ehemalige Hofgut der Markgräfin Sybilla Augusta von Baden samt Fabrikanlagen von Staatsrat Wilhelm Reinhard für 27.000 Gulden und wandelte es in eine offene Handelsgesellschaft um. In der Folgezeit richtete Sinner das Geschäftsfeld der Firma neu aus. So ersetzte er 1857 die Bleizucker- durch eine Stärkemittelfabrik und erweiterte den Betrieb Mitte der 1860er-Jahre um eine Presshefefabrik sowie um eine Brauerei. Die rege Nachfrage nach den dort produzierten Lebensmitteln führte bald zur Eröffnung weiterer Presshefefabriken in Durmersheim, Mannheim-Käfertal sowie einer Filiale in Augenstein/Schweiz. Mit diesen betriebswirtschaftlich bedeutsamen Neuerungen legte Sinner den Grundstein für den Aufstieg des Grünwinkler Unternehmens zu einem der führenden Nahrungsmittelkonzerne in Deutschland gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Georg Sinner gilt daher als der eigentliche Gründer des Sinner-Konzerns. Nach seinem Tod 1883 übernahm sein Sohn Robert Sinner die Geschäftsführung.

Neben seiner beruflichen Tätigkeit engagierte sich Sinner auch im gesellschaftlichen Leben Grünwinkels. So gehörte er 1862 zu den Mitbegründern des Turn- und Sportvereins Grünwinkel und war bis 1865 dessen erster Vorsitzender. Zudem wurde auf seine Veranlassung ein Schuppen für den Winterbetrieb und später auch das Gelände für den Turnplatz zur Verfügung gestellt, auf dem sich noch heute die Vereinsanlage befindet.

Aufgrund seiner Verdienste um Grünwinkel und seine Bewohner wurde 1909 die Sinnerstraße benannt.

René Gilbert 2016

Literatur

Benedikt Schwarz: Grünwinkel und seine Umgebung – ein Heimatbuch für Jung und Alt, Karlsruhe 1925, S. 101-107 https://digital.blb-karlsruhe.de/blbihd/content/titleinfo/2944172 (Zugriff am 27. Dezember 2020); Manfred Fellhauer/ Manfred Koch/ Gerhard Strack (Hrsg.): Grünwinkel – Gutshof, Gemeinde, Stadtteil, Karlsruhe 2009, passim.