Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS III 136.

Christian Friedrich von Boeckh

Badischer Finanzminister, * 13. August 1777 Karlsruhe, † 21. Dezember 1855 Karlsruhe, ∞ 1805 Elisabeth Spengel, 3 Söhne, 4 Töchter.

Seinen Vater, einen markgräflichen Sekretär verlor Boeckh mit 13 Jahren. Mit der vermögenslosen Mutter und sechs Geschwistern (sein jüngster Bruder war August Boeckh) wuchs er in ärmlichen Verhältnissen auf. Mit 15 musste er das Gymnasium verlassen und arbeitete als Skribent im Oberamt Karlsruhe. Gefördert vom Obervogt Friedrich Wilhelm Preuschen konnte er ab 1797 wieder das Gymnasium besuchen, in der Hoffnung auf eine künftige wissenschaftliche Tätigkeit. 1799-1802 studierte er in Jena und Heidelberg Kameralwissenschaft. Boeckh finanzierte sein Studium mit Stipendien und durch seine Einnahmen als Herausgeber einer Übersetzung von Charles Bonnets Werk "Über den Nutzen der Pflanzenblätter". Den Abschluss seines Studiums mit dem Staatsexamen verhinderte 1802 seine Ernennung zum Secretär bei der Occupations- und später bei der Ausgleichungscommission in der Rheinpfalz. Erneut gefördert durch Obervogt Preuschen trat Boeckh 1803 als Sekretär mit finanziellen Aufgaben in den badischen Staatsdienst. Seit 1807 Finanzrat der Kammer des Niederrheins, kehrte Boeckh 1810 in das badische Finanzministerium zurück, wurde 1821 Leiter der Finanzverwaltung und 1828 Finanzminister, 1844 erfolgte die Ernennung zum Präsidenten des Staatsministeriums. 1846 trat Boeckh in den Ruhestand.

Nach 1810 schuf Boeckh gemeinsam mit Karl Friedrich Nebenius für das neu geschaffene Großherzogtum ein einheitliches Finanz- und Steuersystem als Grundlage für die gleiche Behandlung aller so unterschiedlichen im neuen Staat vereinigten Landesteile. Für seine Verdienste um die Stabilisierung der Landesfinanzen und die Wiederherstellung der Kreditfähigkeit des Großherzogtums wurde Boeckh 1825 in den erblichen Adelsstand erhoben. Am Beitritt Badens zum Zollverein 1835 und der Umsetzung der Vertragsziele hatte er wesentlichen Anteil. Auch die süddeutsche Münzreform von 1837 hat er maßgeblich mitgestaltet.

In Karlsruhe wurde 1897 die Boeckhstraße nach ihm benannt.

Max Schlenker 2013

Literatur

Friedrich v. Weech: Christian Friedrich von Boeckh, in: Badische Biographien Bd. 1, Heidelberg 1875, S. 95-104.